Pioniere wieder daheim

Medizin-Studium in Kassel: Studenten zurück aus England

Forschungsarbeit am Mikroskop: Prof. Irina Berger erläutert am Bildschirm eine Gewebeprobe mit Tumorzellen. Katharina L. (sitzend), Michael Tryba, Johanna A. und Karsten Honsel (von links) hören zu. Fotos:  Koch

Kassel. Seit diesem Monat gehört Kassel nun tatsächlich zu den Medizinstudienstädten. 14 Studenten des ersten Jahrgangs der Kassel School of Medicine (KSM) setzten ihr in England begonnenes Studium nun in Nordhessen fort.

Sie besuchen den ersten deutsch-englischen Studiengang, der von den der University of Southampton und der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) angeboten wird.

Dass sie die Zulassung zu diesem besonderen Studiengang erhalten habe, sei ein Glücksfall, schwärmt die 22-jährige Katharina L. von den Erfahrungen der vergangenen beiden Jahre. Das Studium sei vom ersten Tag an sehr praxisorientiert gewesen. „Man ist einfach immer am Menschen“, ergänzt Johanna A. (22). Als Beispiel nennt sie Vorlesungen zu Krankheiten des Herzens. Die Studenten durften immer wieder bei Untersuchungen von Patienten dabei sein, selbst einmal das Stethoskop ansetzen, um zu hören, wie sich Herzrhythmusstörungen oder Herzfehler anhören. So erlerne man auf ganzheitliche Weise Kenntnisse über die Anatomie oder die Biochemie des Herzen, sagt sie.

Prof. Irina Berger. Geschäftsführerin der KSM und Direktorin des Instituts für Pathologie, ist beeindruckt von der Qualität der Ausbildung und stolz auf die Studenten des Pionierjahrgangs: „Sie verstehen ganz genau, welche Prozesse ablaufen“, lobt sie. Durch die Herangehensweise sei die Motivation, beispielsweise die Chemie des Herzens zu lernen, noch viel größer, sagt Johanna: „Und durch den Kontakt zu den Patienten wird man immer wieder daran erinnert, warum man das lernt.“ Diese Erfahrung sollten die KSM-Studenten gleich in den ersten Wochen in Southampton machen. Jeder Studierende begleitete eine Geburt. Und auch bei den nächsten vier Terminen mit Mutter und Kind waren die Studenten dabei. Mitunter seien so anhaltende Kontakte zu Familien entstanden, erzählt Katharina. Man lerne von Anfang an, einfühlsam zu sein und mit Menschen umzugehen.

Für Prof. Dr. Michael Tryba, stellvertretender Dekan der KSM und Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie am Klinikum, ist dies eines der Beispiele dafür, wie auch das Klinikum von den Studenten auch mit Blick auf die Philosophie eines Krankenhauses profitieren kann.

Nach den ersten beiden Studienjahren an der Universität Southampton haben sich 13 Studentinnen und ein Student der Kassel School of Medicine (KSM) seit Anfang des Monats bereits in verschiedene Forschungsprojekte vertieft, um ihren zusätzlichen Abschluss des „Bachelor of Medical Science“ abzulegen. Ein Großteil der Projekte finden am Klinikum, beispielsweise in der Pathologie statt. Aber auch das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg und das Krankenhaus Bad Arolsen haben je einen Platz zur Verfügung gestellt.

In der nächsten Phase ihres Medizinstudiums werden die Studenten in den Bereichen Chirurgie, Orthopädie und Innere Medizin an die GNH-Kliniken Bad Arolsen, Hofgeismar und Wolfhagen sowie an das Evangelische Krankenhaus Gesundbrunnen Hofgeismar wechseln, um medizinische Grundlagen wie die Behandlung von Diabetes, Bluthochdruck oder Gelenkverletzungen zu erlernen.

Danach werden sie vor allem in allgemeinmedizinischen Praxen der Region wechseln, um dort weitere Erfahrungen in der Primärversorgung von Patienten zu sammeln. Diese Zusammenarbeit seien auch wichtig, um die Gesundheitsregion Nordhessen besser miteinander zu vernetzen, betont GNH-Vorstandsvorsitzende, Karsten Honsel.

Stolz ist der GNH-Chef nicht nur darauf, dass es für den dritten Jahrgang der KSM 150 qualitativ hochwertige Bewerbungen gegeben habe, sondern auch darauf, dass das Klinikum sich nun mit dem Titel Universitätsklinik der University of Southampton schmücken darf. (hei)

Hintergrundinformationen

Der erste Jahrgang der Kassel School of Medicine (KSM) begann 2013 sein Studium zunächst an der Universität Southampton. Inzwischen gibt es schon den dritten Jahrgang und sind 70 Studierende eingeschrieben.

Jüngst wurde am Klinikum Kassel noch einmal investiert, um den Studierenden eine gute Lernumgebung zu schaffen. So wurden eine Präsenzbibliothek, ein Computer-Studienraum,ein Seminarraum sowie ein Hörsaal mit Videokonferenzsystem eingerichtet. Letzteres ermöglicht den Studenten. live Vorlesungen an der Universität in Southhampton zu verfolgen und dabei auch selbst Fragen zu stellen und sich zu Wort zu melden. Rund 200 000 Euro hat die Gesundheit Nordhessen bislang in die Ausstattung der KSM investiert.

Mit der Universität Kassel wurde eine Kooperation geschlossen, die es Medizinstudenten ermöglicht, Bibliothek, Mensa und Unisport sowie weitere Angebote zu nutzen.

Ein KSM-Studium kostet 12 000 Euro im Jahr.

Weitere Infos unter www.medizin.kassel.de

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