Fünf Jahre Studium an Medizin-Uni reichen zur Zulassung nicht aus – weiteres Arbeitsjahr

Medizin-Uni in Kassel: Neue Ärzte nur auf Umwegen

Kassel. Zum Wintersemester 2013 starten die ersten Studenten an der Kasseler Medizin-Uni, die vom Klinikum Kassel und der Universität Southampton geplant wird. Allerdings reicht die fünfjährige Ausbildung nicht für eine Zulassung zum Arzt. Dafür müssen sich die Studenten länger am Klinikum verpflichten.

Nachdem das Klinikum Kassel und die englische Universität Southampton ihre Zusammenarbeit für die Kasseler Medizin-Uni beschlossen haben (wir berichteten), äußerten Mediziner Zweifel, ob der dortige Abschluss zum „Bachelor of Medicine“ für eine Zulassung zum Arzt ausreicht.

Dies tut er nach Auskunft des Hessischen Landesprüfungsamtes im Gesundheitswesen nicht. „Nach einer EU-Richtlinie sind für eine Approbation mindestens sechs Studienjahre mit 5500 Ausbildungsstunden nötig“, sagt dessen Leiter Christof Diefenbach. Deshalb sieht das Medizin-Studium in Kassel ein zusätzliches Arbeitsjahr vor.

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Damit die ersten 24 Kasseler Studenten, die 2018 die Kassel School of Medicine verlassen, als vollwertige Ärzte arbeiten können, müssen sie nach ihrem Studium einen Ausgleich für das fehlende Studienjahr leisten. Dafür, so soll es ein Vertrag mit den Studenten regeln, müssen sie sich nach Abschluss des Bachelors verpflichten, mindestens ein Jahr am Klinikum Kassel weiterzuarbeiten.

Für diese Zeit haben sie eine vorläufige Erlaubnis zur ärztlichen Berufsausübung, teilt das Klinikum Kassel mit. Dieses Jahr werde zudem auch als Facharztweiterbildung angerechnet. Anschließend können die werdenden Ärzte beim General Medical Council in England eine vollwertige Zulassung beantragen, die dann auch vom Landesprüfungsamt in Hessen für eine Approbation anerkannt wird. Jürgen Kaiser, Aufsichtsratsvorsitzender der Gesundheit Nordhessen, sieht in diesem Verfahren keine Nachteile gegenüber der Mediziner-Ausbildung an staatlichen Hochschulen. Über eine längere Bindung an das Klinikum Kassel werde auch ein Teil der hohen Ausbildungskosten zurückfließen.

„Es wird viel Geld in die Ausbildung investiert. Wenn die Ärzte sich danach sofort ein anderes Krankenhaus suchen, hätte sich der Aufwand kaum gelohnt“, sagt Kaiser. Zudem könnten die Studenten durch dieses Arbeitsjahr einen Teil ihrer Studiengebühren von 12 000 Euro pro Jahr finanzieren. Wie genau der Vertrag aussieht, der mit den Studienanfängern geschlossen wird, ist noch nicht klar. Dies würde erst 2012 erarbeitet, sagte Kaiser.

Sollte die Kasseler Stadtverordnetenversammlung Mitte Dezember ihren Segen zur Gründung geben, startet die Medizin-Uni bereits im Januar ihren Betrieb. Weil die Vorbereitungen aufwändig sind, kann das erste Semester erst im Herbst 2013 beginnen.

Von Bastian Ludwig

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