Entdeckung erfolgt oft zu spät

Bauchspeicheldrüsenkrebs: Deshalb ist er so unauffällig und heimtückisch

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Ein wichtiges Stoffwechselorgan: Die Bauchspeicheldrüse liegt im Oberbauch zwischen Magen, Milz und Leber. Die von ihr gebildeten Verdauungsenzyme werden in den Zwölffingerdarm abgegeben.

Kassel. Eine der gefährlichsten Tumorarten: Der Bauchspeicheldrüsenkrebs gilt als besonders heimtückisch. Das Pankreaskarzinom kann nur im Frühstadium geheilt werden. Ein Kasseler Arzt klärt auf.

Allerdings wird der Tumor meist erst in einer weit fortgeschrittenen Phase entdeckt. 

Daher endet diese Krebserkrankung laut Prof. Dr. Jürgen Faß, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Klinikum Kassel, noch immer häufig tödlich. Faß ist ein Mitbegründer des Darm- und Pankreaskarzinomzentrums. Er beantwortet die wichtigsten Fragen rund um diese gefährliche Erkrankung.

Wie gefährlich ist Bauchspeicheldrüsenkrebs?

„Die Heilungschancen haben sich in den vergangenen Jahren etwas verbessert, dennoch rangiert Bauchspeicheldrüsenkrebs unter den Krebstodesursachen an vierter Stelle“, sagt Faß, Leiter des Darm- und Pankreaskarzinomzentrums. In Deutschland erkranken nach seinen Angaben jährlich etwa 15.000 Menschen daran.

Warum wird Bauchspeicheldrüsenkrebs oft spät erkannt?

„Die Bauchspeicheldrüse ist relativ lang. Sitzt der Tumor im sogenannten Körper- oder Schwanzbereich des Stoffwechselorgans, verursacht er erst relativ spät Symptome wie unklare Schmerzen im Oberbauch beziehungsweise Rücken, Gewichtsabnahme oder Diabetes“, erläutert Fass. Werde das Pankreaskarzinom erst dann erkannt, hätten sich oft schon Metastasen gebildet.

Bauchspeicheldrüsenkrebs und die Symptome

Zu den wenigen, auffälligeren Symptomen zählt laut Faß, dass sich die Haut - auch die Bindehaut - der Betroffenen in bestimmten Fällen gelb färbt: „Wenn der Tumor im Kopfbereich der Bauchspeicheldrüse sitzt, was relativ oft vorkommt, haben die Patienten in der Regel eine höhere Heilungschance“, so der Experte. Da das Karzinom den Gallengang zudrücken könne, entwickele der Betroffene mitunter eine schmerzlose Gelbsucht.

Er kennt sich mit Bauchspeicheldrüsenkrebs aus: Prof. Jürgen Faß ist schon seit dem Jahr 2000 im Klinikum Kassel beschäftigt. Inzwischen ist der heute 63-Jährige Chefarzt. Sein Medizinstudium absolvierte er in Aachen. 

Werde der Tumor in diesem Bereich größer, könne er dazu führen, dass der Magenausgang eng werde. Es komme zur Magenausgangsstenose: „Das heißt, dass die Patienten nach dem Essen erbrechen“, beschreibt der Experte ein weiteres Anzeichen.

Risikofaktoren bei Bauchspeicheldrüsenkrebs?

„Es gibt Untersuchungen bezüglich der Risikofaktoren: Rauchen, Übergewicht und starker Alkoholkonsum zum Beispiel können den Krebs begünstigen, aber auch eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung“, so der zweifache Familienvater Faß. Leider wisse man noch relativ wenig darüber. 

Es gebe auch keine Vorsorgeuntersuchungen wie beim Darmkrebs, bedauert er. „Das ist auch der Grund, warum die Behandlungsergebnisse heutzutage noch relativ enttäuschend sind.“

Wo liegen Schwierigkeiten bei der Diagnose von Bauchspeicheldrüsenkrebs?

Die meisten Betroffenen dieser Krebsart seien 60 Jahre und älter. „Wir haben jedoch auch relativ junge Patienten. Hier ist das Problem, dass bei ihnen zunächst häufig niemand an Bauchspeicheldrüsenkrebs denkt“, sagt Faß. Selbst bei einer Magenspiegelung könne dieser Tumor zunächst nicht gesehen werden. 

Beim Verdacht auf Bauchspeicheldrüsenkrebs erfolge die genauere Diagnostik durch einen Gastroenterologen unter anderem mithilfe bildgebender Verfahren (Kernspin- oder Computertomografie), der endoskopischen Entnahme einer Gewebeprobe und der diagnostischen Operation durch einen Chirurgen, erläutert der erfahrene Arzt.

Operation und Chemotherapie bei Bauchspeicheldrüsenkrebs

Sollte sich im Rahmen der Untersuchungen herausstellen, dass es sich um ein Pankreaskarzinom handelt, das noch nicht gestreut hat und sich in gesundem Gewebe befindet, wird es laut Prof. Jürgen Faß möglichst vollständig chirurgisch entfernt. Gelinge diese Operation, sei das die beste Voraussetzung für eine mögliche Heilung, so der Chefarzt. 

Nach der Operation erfolgt dann grundsätzlich eine milde Chemotherapie. In einigen Fällen kann zunächst eine Vorbehandlung sinnvoll sein, um den Tumor zunächst zurückzudrängen und anschließend operativ zu entfernen. 

Pankreaskarzinome werden derzeit jedoch oft erst gefunden, wenn sie durch eine Operation nicht mehr komplett entfernt werden können, weil bereits Metastasen vorliegen. In diesen Fällen werde dann meistens mithilfe einer kombinierten Chemotherapie versucht, zumindest das Wachstum des Tumors zu verlangsamen und Beschwerden zu lindern, erklärt Mediziner Faß.

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