Medzinhochschule in Kassel: Uni will mit Klinikum kooperieren

Kassel. Auch aus Sicht der Universität Kassel hat das Vorhaben eine Chance, am Kasseler Klinikum eine Medizinhochschule zu gründen. Die Uni „steht dem Projekt der GNH positiv gegenüber“, sagt Professor Dr. Rolf-Dieter Postlep.

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Der Uni-Präsident stellt klar: Es gehe nicht darum, einen Medizin-Studiengang an der Universität Kassel zu etablieren, sondern um die Unterstützung des Anliegens, Medizinstudenten zur weiteren Ausbildung an das Klinikum Kassel zu holen.

Die Kasseler Uni hat 2009 eine Absichtserklärung unterschrieben, in der die Bereitschaft zur Kooperation formuliert ist. Die Kooperation mit der Universität Southampton und der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) bezieht sich darauf, den Studierenden, die am Klinikum ausgebildet werden, an der Kasseler Uni den studentischen Status zu ermöglichen. Damit würden die angehenden Ärzte Zugang zu den Dienstleistungen für Studierende, etwa studentisches Wohnen und Mensa, aber auch zur Bibliothek erhalten.

Habilitierte Ärzte gesucht

Hinter den Kulissen hat man aus dem Klinikum bereits den Kontakt zu Chefärzten an anderen Kasseler Krankenhäusern gesucht. Das Ziel: Es sollen weitere habilitierte Ärzte für die klinische Ausbildung der Studenten gewonnen werden.

Gelingt das, könnte bei dem Projekt auf jene Chefärzte am Klinikum verzichtet werden, die einer Medizin-Uni weiter ablehnend gegenüberstehen und sich nicht beteiligen wollen.

Die Chancen der GNH, externe Chefärzte für die Ausbildung der Studierenden zu finden, stehen nicht schlecht. Denn vielen habilitierten Ärzten bleibt die Möglichkeit verwehrt, die mit dem universitären Werdegang erworbenen Fähigkeiten weiter in der Unterrichtung von Medizinstudeten einzusetzen. Es gibt in Deutschland nur 35 Universitätskliniken, und die medizinische Lehre unterhalb der Ebene des Hochschullehrers erfährt keine wirklich herausragende Anerkennung.

Die ablehende Haltung von Chefärzten des Klinikums hat nicht allein mit dem Dauerstreit des Vorstandsvorsitzenden Dr. Gerhard M. Sontheimer und seinen leitenden Ärzten zu tun. Die Ärzteschaft steht nicht geschlossen hinter dem Plan, weil Chefärzte den Verlust ihrer Professoren-Titel befürchten, wenn medizinische Hochschulen wegen einer neuen Konkurrenz-Uni in Kassel ihre außerplanmäßigen Professuren widerrufen. Das soll die Universität Marburg bereits signalisiert haben. Das Klinikum ist seit vielen Jahren akademisches Lehrkrankenhaus der Marburger Hochschule. Kasseler Versuche, das Klinikum zur zweiten medizinischen Fakultät der Uni Marburg zu machen, scheiterten. Wird eine Kasseler Medizin-Uni gegründet, würden die Marburger vermutlich den Vertrag mit dem Lehrkrankenhaus Klinikum auflösen.

Andere Chefärzte des Klinikums befürchten weiter zunehmende Arbeitsbelastungen durch den Unterricht für Studenten.

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