Frühere Göker-Mitarbeiter wehren sich gegen Mahnbescheide

Nach MEG-Pleite: 77 Verfahren vor Kasseler Arbeitsgericht

Kassel. Mit den Folgen der Pleite des Versicherungsvermittlers MEG muss sich jetzt das Kasseler Arbeitsgericht beschäftigen. Es gibt zur Zeit eine Vielzahl von Prozessen. Kläger ist der Insolvenzverwalter Dr. Fritz Westhelle. Beklagte sind ehemalige MEG-Mitarbeiter.

Sie sollen Lohnsteuer und Solidaritätszuschläge zurückzahlen. 112 Mahnbescheide hatte Westhelle an die MEGler herausgeschickt, in 80 Fällen streitet man sich nun. 77 dieser Fälle landeten nach Auskunft der Kanzlei Westhelle inzwischen vor dem Kasseler Arbeitsgericht. Tendenz: steigend.

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Es geht je nach Fall um vier bis fünfstellige Summen. Allein Anfang dieser Woche wurden elf dieser Fälle vor dem Arbeitsgericht verhandelt. Eine gütliche Einigung gab es nicht. So wird es im Mai neue Prozesstermine geben.

Mit den Mahnbescheiden wollte Insolvenzverwalter Westhelle 680.000 Euro eintreiben, die der Insolvenzmasse zufließen würden.

Der Hintergrund: Nach der Razzia bei der MEG im Jahr 2007 hatten sich Ermittler und der damalige MEG-Chef Mehmet Göker darauf geeinigt, die MEG-Mitarbeiter als normale Angestellte zu betrachten, für die die MEG in einer Pauschalsumme die Lohnsteuer nachzahlte. Das Geld wollte die MEG dann von den Mitarbeitern zurück haben, und nun will Insolvenzverwalter Westhelle an die Lohnsteuer. Die betroffenen MEG-Mitarbeiter wehren sich aber dagegen und schalteten Rechtsanwälte ein.

Mehmet E. Göker - einst schillernder Unternehmer

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Die Rechtsanwälte Thomas Thöndel und Roland Wille bezweifeln, das es überhaupt belastbares Datenmateral gibt. Die Buchführung bei der MEG sei so chaotisch gewesen, dass man gar nicht wisse, was wer verdient habe und was an das Finanzamt abgeführt worden sei.

Im Büro Westhelle heißt es, man sei noch dabei, die Daten auszuwerten. So werden erst die Verhandlungen im Frühjahr darüber Aufschluss geben, ob und wieviel die ehemaligen MEGler zahlen müssen. Fritz Westhelle, der zurzeit im Urlaub ist, zur HNA: „Die Aktenlage ist wirklich nicht sehr überschaubar“. (tho)

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