MEG AG: "Druck wurde nicht ausgeübt"

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Nun interessiert sich auch der Staatsanwalt für seine Geschäfte: Mehmet Göker, ehemaliger Vorstandsvorsitzender des Versicherungsvermittlers MEG. Das Foto entstand im Mai 2008.

Kassel. Warum der Alleinaktionär der MEG AG, Mehmet Göker, vergangene Woche seinen Posten geräumt hat, blieb auch am Mittwoch unklar. In einem Gespräch mit dem neuen Vorstandsvorsitzenden Michael Kopeinigg (38) bestätigte er zwar Gespräche mit Partnern des Kasseler Versicherungsvermittlers, betonte aber: "Druck wurde nicht ausgeübt."

Kopeinigg, der vor dem Wechsel auf den Chefsessel als Finanzvorstand bei MEG beschäftigt war, räumte ein, dass es bereits im Frühjahr unterschiedliche Auffassungen hinsichtlich der Unternehmensführung gab. Vertrieb und Finanzvorstand seien eben nicht zwangsläufig einer Meinung. Wenn auch nicht direkt gesagt, dürfte der Kostenapparat das vordergründigste Problem gewesen sein.

Dabei dürften nicht nur die Kosten für das laufende Geschäft Thema gewesen sein. Sondern auch Termine, die per Hubschrauber erledigt wurden. Oder ein Essen in einem Kasseler Restaurant, zu dem Gäste wie FDP-Chef Guido Westerwelle per Hubschrauber von MEG eingeflogen wurden. Bei dem Essen ging es um Unterstützung im Wahlkampf.

Kopeinigg bestätigte das Gespräch von Göker und Westerwelle, aber eine Wahlkampfunterstützung werde es nicht geben. Die wirtschaftliche Entwicklung der MEG AG sei nach wie vor positiv. Der Verkauf von Versicherungen sei seit dem Wechsel an der Spitze stabil und bewege sich im oberen Bereich der Unternehmensplanung.

Hintergrund: MEG in Zahlen

Im Geschäftsjahr 2008 lag der Umsatz der MEG AG bei 60,1 Millionen Euro. Dem standen Personalkosten von 18,3 Mio. Euro sowie 13,9 Mio. Euro für den Kauf von Adressen gegenüber. Nach Abzug aller Abschreibungen, Steuern und dergleichen blieb letztlich ein Gewinn von 3,11 Mio. Euro übrig. In den ersten acht Monaten des laufenden Geschäftsjahres liegt der Umsatz bei 40,7 Millionen Euro, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Aktuell beschäftigt MEG 1278 Mitarbeiter, 769 von ihnen in Kassel. 1072 arbeiten mehr als 20 Stunden in der Woche.

Im Geschäftsjahr 2008 lag der Gewinn bei 3,11 Millionen Euro, der Jahresumsatz bei 60,1 Mio. Euro. In den ersten acht Monaten des laufenden Geschäftsjahres sei der von Stornos bereinigte Umsatz auf 40,7 Mio. Euro geklettert (siehe Hintergrund links). Kopeinigg merkte an, dass das Jahresendgeschäft in den letzten vier Monaten besonders stark sei.

Zu den Kosten machte das Unternehmen für diesen Zeitraum keine Angaben. An den Gerüchten, dass verschiedene Filialen im Bundesgebiet geschlossen werden, sei nichts dran. In Stuttgart habe man aufgrund der hohen Miete den Vertrag gekündigt, suche dort aber nach einem neuen Standort.

Weder gebe es offene Verbindlichkeiten bei Banken noch andere Fremddarlehen. Umso verblüffter habe Kopeinigg reagiert, als er aus der HNA erfuhr, dass die Staatsanwaltschaft Kassel seit Juni aufgrund einer anonymen Anzeige dem Verdacht der Insolvenzverschleppung bei MEG nachgehe. Nun sei ein Termin mit der Behörde vereinbart, um "zu möglichen Vorwürfen" Stellung zu nehmen.

Derzeit werde in Absprache mit den Versicherern geprüft, MEG am Markt neu auszurichten. "Dazu gehört auch eine Erweiterung der Produktpalette", sagte Kopeinigg. Thema sei auch die künftige Zusammenarbeit mit Versicherern. Gearbeitet werde bei MEG an der Umstellung von fest angestellten Vertriebsmitarbeitern in freie Handelsvertreter.

Auf Basis einer konstruktiven Zusammenarbeit seitens der MEG-Rechtsabteilung, die der Kasseler Rechtsanwalt Jörg Flashar leitet, und der Finanzverwaltung werde das Geschäftsmodell überarbeitet. Da für die Selbstständigkeit ein Sachkundenachweis erforderlich ist, dies aber Zeit braucht, werde geprüft, ob MEGler für eine Zeit vorerst unter das Dach eines Partners aus der Versicherungsbranche schlüpfen. Wie es im Detail aussieht, wird bis zum 25. September entschieden. Dann soll es vom Rechnungswesen und vom Controlling geprüft sein, ob es darstellbar ist.

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