Dreharbeiten in Kassel

Neuer Film: Spielt Elyas M’Barek den per Haftbefehl gesuchten Göker?

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Im direkten optischen Vergleich: Mehmet Ercan Göker (links) ist ein türkischer Unternehmer, der im Jahr 2003 die Versicherungsfirma MEG gründete. Der rasante Aufstieg und der folgende Fall des Exzentrikers liefert - wieder - Stoff für einen Film. Es ist laut der Münchner Rat Pack Filmproduktion denkbar, dass Fack Ju Göhte"-Star Elyas M’Barek die Rolle des Mehmet Göker spielen wird. 

Kassel. Die Geschichte um den Ex-Versicherungsvertreter Mehmet Göker soll fürs Kino verfilmt werden. Gute Chancen auf die Hauptrolle hat "Fack Ju Göhte"-Star Elyas M’Barek.

Er sorgte für reichlich Schlagzeilen, Skandale und Ermittlungen: Zwei Dokumentationen wurden bereits über Mehmet Göker (38), gegen den ein internationaler Haftbefehl besteht und der sich im März 2018 auf der Anklagebank des Kasseler Landgerichts verantworten muss, gedreht. Jetzt soll die Geschichte des früheren Kasseler Versicherungsvermittlers, der seit Jahren in der Türkei lebt, auch als Spielfilm in die Kinos kommen.

Das Drehbuch haben Klaus Stern, der bereits die Göker-Dokumentarfilme gemacht hat, und die Autorin Kristl Philippi aus Kassel gemeinsam geschrieben. Der 48-jährige Stern wird am Samstag auf dem Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet. Dort wird auch Christian Becker, Geschäftsführer der Münchner Rat Pack Filmproduktion, anwesend sein, der den Göker-Spielfim 2018 oder 2019 produzieren will. „Die Geschichte von Mehmet Göker hat alles, was man sich von einer großen Geschichte erhofft: Es ist eine klassische Rise & Fall-Geschichte mit einer starken Hauptfigur, die es von ganz unten nach vermeintlich ganz oben schafft - aber dann alles so übertrieben und größenwahnsinnig wird, dass der Absturz programmiert ist“, sagt Becker, der auch den ersten Teil von „Fuck ju Göthe“ mit Elyas M’Barek in der Hauptrolle produziert hat. 

Versicherungsvertreter: Filmplakat mit Mehmet Göker. 

Mehmet Göker hatte vor etwa einem Jahr auf seiner privaten Facebook-Seite einen entsprechenden Wunsch geäußert: dass er von Moritz Bleibtreu oder Elyas M’Barek gespielt werden wolle, sollte seine Geschichte jemals als Spielfilm in die Kinos kommen. Ob die Rat Pack Filmproduktion ihm diesen Wunsch erfüllt, ist aktuell nicht ausgeschlossen. 

Es sei zwar noch viel zu früh, über die Besetzung zu reden, „aber natürlich könnten wir uns sehr gut vorstellen, bald wieder mit Elyas M’Barek zu drehen“, erklärt Becker. Fest steht allerdings, dass ein ziemlich großer Teil des Films an den jeweiligen Originalschauplätzen in Kassel gedreht werden soll.

Aufstieg und Fall des MEG-Chefs

Ob Mehmet Göker, der seit Jahren in der Türkei lebt, zur Premiere des Kinofilms in seine alte Heimat Kassel käme, ist eher unwahrscheinlich. Dann würden nämlich die Handschellen klicken. Gegen Göker besteht ein internationaler Haftbefehl.

Es ist auch sehr unwahrscheinlich, dass der frühere Chef des Versicherungsvermittlers MEG im  März kommenden Jahres nach Kassel kommt. Das müsste er eigentlich. Auf der Anklagebank des Kasseler Landgerichts muss sich der 38-Jährige dann nämlich wegen des gewerbsmäßigen Verrats von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen und ein Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz verantworten. In einem weiteren Verfahren, das gleichzeitig verhandelt werden soll, wird Göker Betrug vorgeworfen. Dabei hatte die Karriere des in Kassel geborenen Türken so gut begonnen. Göker spezialisierte sich erfolgreich auf die Vermittlung privater Krankenversicherungen. Im Jahr 2004 hatte Göker allein angefangen, in einem Büro in der Wolfhager Straße. 2006 wandelte er sein Unternehmen in eine Aktiengesellschaft. Der Umsatz lag 2008 bei 63 Millionen Euro. Seine Markenzeichen waren schnelle Autos und dicke Zigarren.

Göker engagierte sich beim KSV Hessen Kassel, beim Basketball-Bundesligisten MEG Göttingen und beim VfB Süsterfeld. Zudem kündigte er mehrere großspurige Projekte (Umbenennung des Auestadions oder Bau eines Göker-Towers) an, die nie realisiert wurden. 2009 kam die Pleite. Nach der Razzia die Geldstrafe: Weil er Sozialbeiträge seiner Mitarbeiter nicht abgeführt hatte, musste er 720 000 Euro Strafe zahlen.

Heute lebt Mehmet Göker in der Türkei. Was er zurzeit macht? „Er biete seine Dienste als Unternehmensberater für Vertriebsbetriebe an, sagte er am Telefon. Sein Honorar: Bis 100 000 Euro. 

Klaus Stern spricht über neuen Göker-Film

Auf dem Dokumentarfilmfestival wird am Samstag, 18. November, ab 14.30 Uhr im Gloria-Kino der Film „Versicherungsvertreter“ von Klaus Stern gezeigt. Im Anschluss findet ein Gespräch mit Stern statt, bei dem er über auch über das neue Göker-Drehbuch für den Spielfilm redet. 

Auch Produzent Christian Becker wird zu der Veranstaltung erwartet. Heute Abend wird Stern der Ehrenpreis des Dokumentarfilm- und Videofests verliehen. Der Preis ist mit 3000 Euro dotiert und wird von der Kasseler Firma Hübner gestiftet.

Schon zwei Filme über Göker von Klaus Stern

Insgesamt hat der Kasseler Filmemacher Klaus Stern schon zwei Filme über Mehmet Göker gedreht. Der erste wurde 2011 veröffentlicht und trug den Titel "Versicherungsvertreter – Die erstaunliche Karriere des Mehmet Göker". Die Fortsetzung folgte im Jahr 2015 mit "Versicherungsvertreter 2 – Mehmet Göker macht weiter"

Prozess gegen Mehmet Göker 2018

Der Ex-MEG-Chef Mehmet Göker muss sich unter anderem wegen Betruges und Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz verantworten. Der Prozess gegen Göker soll im März 2018 beginnen. Ort des Geschehens wird das Landgericht Kassel sein. Göker ist aber nicht allein angeklagt. Vincent H. - ein ehemaliger MEG-Mitarbeiter - muss sich offenbar mit ihm vorm Landgericht verantworten.

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