Ermittlungen laufen noch: Staatsanwaltschaft muss noch immer Papiere sichten

Göker trotzt Ermittlungen: "Erlebe beste Zeit meines Lebens"

Kassel. Mehmet Göker ist in der Türkei, in Deutschland wird noch immer gegen ihn ermittelt. Sein einst geleaster Ferarri steht nun zum Verkauf. Und Göker will zurückkommen: Ein Umzug nach München steht an.

Die Farbe ist ungewöhnlich. Jedenfalls für einen Ferrari. „Blu mirabeau“ ist der F 430 Spider F1 lackiert. Man könnte auch sagen: mattblau schimmert das 490 PS starke Sportgeschoss.

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Göker düst in seinem Ferraridurch Kassel

Für Ferrari-Fans geht das eigentlich gar nicht. Rot muss der Renner sein, vielleicht auch gelb oder blendend weiß, das zum Beispiel Fußball-Star Michael Ballack schätzt. Aber „blu mirabeau“? Die eher dezente Farbe passt eigentlich nicht so richtig zu dem früheren Fahrer des Ferraris. Denn für den galt die Parole: Auffallen um jeden Preis. Zuletzt lenkte Mehmet Göker, früher Chef des pleite gegangenen Versicherungsvermittlers MEG, den Ferrari durch Kassel.

Mehmet Göker.

Nun steht er im Autohaus Eberlein zum Verkauf: Für 159.900 Euro kann man Nachfolger von Mehmet Göker werden. Jedenfalls am Lenkrad des im Mai 2009 (Kilometerstand 13.750) zugelassenen Ferraris.

Der Ferrari gehört einer Leasinggesellschaft. Bei Eberlein steht er zum Verkauf, weil das Autohaus noch eine Forderung von 50.000 Euro hat. Helmut Eberlein: „Eine Bürgschaft für eine Leasing-Sonderzahlung für das Auto wurde nie eingelöst.“ Das Autohaus habe auch noch Forderungen aus diversen unbezahlten Rechnungen.

Helmut Eberlein: „Das Geld werden wir wohl nie wiedersehen.“ Aber, so der Ferrari-Händler: „Es war nicht alles schlecht. Wir haben an Göker auch zeitweise gut verdient. Und wie viele andere lange gehofft, dass es so weitergeht.“ Die Nobelkarosse ist eine der letzten Hinterlassenschaften des Pleitiers in Kassel.

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Gegen Mehmet Göker, der heute vornehmlich in der Türkei lebt und, wie er am Telefon sagte, oft in München ist („da arbeite ich als Unternehmensberater“), ermittelt die Staatsanwaltschaft Kassel nach wie vor wegen Untreue, Betrug, Insolvenzverschleppung und Verrat von Geschäftsgeheimnissen. Bei der Staatsanwaltschaft heißt es, dass man sich noch immer durch einen „Wust von Papier“ kämpfen müsse. Wolle man „belastbare Ergebnisse“ haben, brauche das Zeit.

Oberstaatsanwalt Hans-Manfred Jung: „Wir gucken eben genau nach.“ In der MEG-Blütezeit hatte das Unternehmen einen Fuhrpark von genau 125 Fahrzeugen. 120 davon - wie etliche Ferraris - waren geleast. Sie wurden den Leasingfirmen zurückgegeben.

Mehmet E. Göker - einst schillernder Unternehmer

2003 gründet Mehmet Erkan Göker den Versicherungsmakler MEG als Ein-Mann-Betrieb. 2006 wird sie zur Aktiengesellschaft.  © Archiv
Der Sitz des Unternehmens ist in der Falderbaumstraße. © Archiv
Die Mannschaft um Göker ist guter Dinge und die ersten Jahre sollen ihr Recht geben. © Archiv
Sechs Jahre später - im Frühjahr 2009 - feiert er mit dem britischen Casting-Star Paul Potts. © Archiv
Im September 2009 die Wende des pompösen Versicherungsvermittlers MEG AG: Er wird übernommen vom Finanzdienstleister Aragon AG.  © Archiv
Im Oktober dann ein weiterer Schritt Richtung Ende: Die MEG AG meldet Insolvenz an. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Untreue und Insolvenzverschleppung. © Archiv
Es ist vorbei, in der Firmenzentrale gehen im November 2009  die Lichter aus. Zu diesem Zeitpunkt ist Göker kaum noch in Kassel anzutreffen. © Archiv
Das Inventar wird versteigert: der private Frisiersalon zum Beispiel. © Archiv
Ob Göker schon an das nahende Aus dachte, als er Paul Potts traf?  © Archiv
Der Auftritt fand im Rahmen der Ehrung der besten MEG-Verkäufer statt. Dafür wurde die Kasseler Stadthalle angemietet. © Archiv
Den gemeinsamen Auftritt ließ sich Göker vor den jubelnden Mitarbeitern nicht nehmen. © Archiv
Göker trat auch als Sponsor von regionalen Sportvereinen auf. © Archiv
Die Göttinger BG wurde in MEG umgetauft. © Archiv
Göker präsentierte das neue Trikot. © Archiv
Auch beim VfB Süsterfeld floss das Geld mit Göker. Nun kämpft der Fussballclub ums Überleben. © Archiv
Auch beim KSV Hessen Kassel wollte er sich engagieren, zog dann aber zurück - es habe "beleidigende Vorwürfe" gegeben... © Archiv
Das sagte er bei der Mitgliederversammlung im Juni 2008... © Archiv
Für die Vereinsverantwortlichen kam dies überraschend. © Archiv
Eine weitere Leidenschaft: schnelle, luxuriöse Autos. © Archiv
Zudem: Gesehen werden wie hier bei einem Boxkampf. © Archiv
Doch für Furore sorgte vor allem sein schneller Aufstieg in der Versicherungsbranche. © Archiv
Über seine Pläne für Kassel und den Sport sprach er mit HNA-Redakteuren.  © Archiv
Vielen Vorwürfen trat Göker entgegen. © Archiv
Der Anfang vom Ende: Im September 2007 findet eine Razzia bei MEG statt. Ermittlungen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und der Beitragsvorenthaltung. Göker kommt gerade aus dem Kurzurlaub... © Archiv
noch in Shorts und Flipflops. Später akzeptiert der MEG-Chef eine Geldstrafe von 720.000 Euro. © Archiv
Den Rolls Royce verkauft er später. © Archiv
Auch die Zahl der Porsches und Ferraris hat sich in Kassel nach der MEG-Pleite minimiert.  © Archiv
Bilder aus alten Tagen: Entschlossen... © Archiv
...und visionär. So sah sich Göker gerne.  © Archiv
Und das feierte er regelmäßig im Marth. © Archiv
Das blieb von der MEG: Alkoholika, © Archiv
das Motto Gökers "Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum." © Archiv
...Firmenbroschüren,... © Archiv
... Sakkos,... © Archiv
...Manschettenknöpfe. © Archiv
Die Auktion ist längst beendet. Die 200 Gläubiger der MEG-Pleite warten noch auf ihr Geld. © Archiv
Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht
Im März 2010 musste sich Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht verantworten. © HNA/Herzog
Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht
Angeklagt war er wegen Beleidigung und Bedrohung. © HNA/Herzog
Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht
Er gab an, ehemalige Mitarbeiter beleidigt zu haben. Bedroht aber habe er niemanden. © HNA/Herzog
Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht
Göker wurde zu einer Geldstrafe von 2500 Euro verurteilt. © HNA/Herzog

Im Besitz der MEG waren damals nur fünf Fahrzeuge. Es waren, gemessen an Ferrari, eher bescheidene Autos: Ein Oldsmobil, ein Renault Megane, ein Mini Cooper, ein Audi TT und ein Smart. Sie wurden inzwischen verkauft, das Geld floss in die Insolvenzmasse.

Insolvenzverwalter Dr. Fritz Westhelle hat inzwischen zu Mehmet Göker keinen Kontakt mehr. Westhelle wartet jetzt auf ein Gutachten, das Auskunft darüber geben soll, wann die MEG wirklich zahlungsunfähig war. Die Vermutung: Obwohl man in Wirklichkeit schon pleite war, zahlte die MEG noch Geld an das Finanzamt und die Krankenkassen. Das Geld will Westhelle zurück haben. Der Insolvenzverwalter: „Das muss den Gläubigern zugute kommen."

Göker: Mir geht es gut

Mehmet Göker sagte uns am Mittwoch am Telefon, er werde in der nächsten Woche nach München umziehen und dann dort seinen Lebensmittelpunkt haben. Er arbeite dort als Unternehmensberater.

„Ich erlebe jetzt die beste Zeit meines Lebens - beruflich und privat“, sagte Göker. Obwohl er in Kassel mit der MEG „sieben traumhafte Jahre“ gehabt habe, sei er erst jetzt richtig glücklich. Göker betonte, dass er ein reines Gewissen habe. Er habe sich nichts zu schulden kommen lassen. Er sei privat und geschäftlich nie pleite gegangen. „Ich habe die MEG vor der Pleite verkauft.“ (tho)

Von Frank Thonicke

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