"Meine Freunde, denen ich noch Geld schulde, sind jetzt traurig"

Mehmet Göker: Jetzt kämpft der umstrittene Unternehmer gegen den Krebs

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Auf dem Motorrad und im Fitnessstudio: So präsentiert sich Mehmet Göker auf seinen Social-Media-Seiten. 

Mehmet Göker war der Popstar unter den deutschen Versicherungsunternehmern. Nach seiner Pleite mit der Kasseler MEG flüchtete er in die Türkei. Nun ist er schwerkrank.

Vor wenigen Wochen wurde Mehmet Göker noch einmal Millionär. Auf Youtube sah man den ehemaligen Chef der Kasseler Versicherungsfirma MEG in einem Werbevideo für seine Masterkurse. Mit jeder Menge Pathos und Adrenalin schrie Göker: „Ich habe mehr Millionäre gemacht als Lotto Hessen.“ 

Schnell wurde das Filmchen von angehenden Superverkäufern, die so erfolgreich werden wollen wie der deutschtürkische Selfmade-Millionär aus dem Kasseler Stadtteil Süsterfeld-Helleböhn, mehr als eine Million Mal angeklickt. Mittlerweile ist es gelöscht.

Mehmet Göker: Krebsdiagnose bei Routineuntersuchung

Das liegt daran, dass Mehmet Göker Krebs hat. Bei einer Routinekontrolle im September stellten Ärzte „sechs Tumore im Lymphsystem“ fest, wie der 40-Jährige unserer Zeitung am Telefon mitteilt: „Der Mann aus dem Youtube-Video ist nicht mehr der Mehmet Göker von heute.“ Darum hat er den Clip von der Video-Plattform löschen lassen. 

Mehmet Göker nach der Krebsdiagnose: "Schreien ist nicht mehr mein Ding"

„Das Schreien“, sagt Göker, „ist nicht mehr mein Ding. Ich schreie mich jetzt nur noch selbst vor dem Spiegel an.“ Das ist völlig untypisch für Kassels umstrittensten Unternehmer, dessen Markenzeichen schnelle Autos, schöne Frauen und dicke Zigarren waren und der sich seit der MEG-Pleite 2009* wegen eines Haftbefehls in der Türkei versteckt hält. 

Doch nun postet Göker bei Instagram Poesiealbumssprüche wie: „Ich rieche jede Rose, als ob es das erste Mal wäre.“ Und er schreibt: „In Zeiten wie diesen zeigt sich die Liebe deiner Familie.“

Im November wird Mehmet Göker operiert

Die war von der Diagnose genauso geschockt wie Göker selbst: „Das war ein Tiefschlag. Ich habe einige Stunden gebraucht, um das zu verarbeiten.“ Im November wird er operiert. Bestimmte Varianten von Lymphdrüsenkrebs gelten als aggressiv. Bei Göker stehen die Chancen angeblich 50:50. „Ich denke nicht daran zu sterben“, sagt er: „In meinem Leben habe ich so viel Glück gehabt. Alles wird positiv.“

Mehmet Göker macht weiter wie bisher

Fragt man ihn, ob es ein Nachteil sei, dass er die Türkei nicht verlassen kann, weil er sonst verhaftet wird*, klingt er selbstbewusst wie früher: „Nein, die Ärzte hier sind besser als in Deutschland, auf jeden Fall nicht schlechter.“ Er ist bei einem Professor in Izmir in Behandlung, ernährt sich jetzt gesünder und macht jeden Tag Sport im Fitnessstudio. Eigentlich lebe er „genauso wie vorher“.

Auch beruflich mache er weiter wie bisher. Falls die ihm vorgeworfene Straftat, Datensätze der insolventen MEG entwendet und für eigene Geschäfte genutzt zu haben, 2021 verjährt sein sollte, will er nach Kassel kommen.

Mehmet Göker: Seinen Sohn sah er letztmals im September 2015

Glaubt man seinen Social-Media-Kanälen, pflegt er im westtürkischen Kusadasi nach wie vor den Lebensstil der Reichen und Schönen, aber ob er glücklich ist, weiß man nicht. Seinen Sohn Prometheus hat er zuletzt am 6. September 2015 auf dem Flughafen gesehen. Damals flog seine Ex-Partnerin mit dem gemeinsamen Sohn in die Schweiz. Wo sie dort heute leben, weiß Göker nicht.

Um seine Krankheit macht Mehmet Göker kein Geheimnis

Lieber scherzt er: „Meine Freunde, denen ich noch Geld schulde, sind jetzt traurig.“ Zugleich aber machen bei WhatsApp Videos die Runde, die den Patienten Göker beim Arzt zeigen. Er bekommt Blut abgenommen und schreit dabei wie in einem seiner Motivationsseminare: „Ich werde den Krebs besiegen.“ Es scheint, als sei der Mann, der von sich behauptet, ein anderer Mensch zu sein, immer noch der alte Mehmet Göker.

*hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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