Mahnbescheide an MEG-Mitarbeiter: Insolvenzverwalter will 680.000 Euro

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Kassel. Viele ehemalige Mitarbeiter des pleite gegangenen Versicherungsvermittlers MEG müssen jetzt tief in die Tasche greifen. Sie sollen nun Lohnsteuer und Solidaritätszuschläge, die für sie abgeführt wurden, aus eigener Tasche zurückzahlen.

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Insolvenzverwalter Dr. Fritz Westhelle hat in den vergangenen Tagen 112 Mahnbescheide an die früheren Versicherungsvermittler herausgeschickt. Er will insgesamt 680.000 Euro haben, die dann in die Insolvenzmasse fließen. Hintergrund der Forderungen ist der alte Streit darüber, ob die ehemaligen MEG-Mitarbeiter nun Scheinselbständige waren oder nicht.

Nach der Razzia bei der MEG im Jahr 2007 hatte sich der frühere Chef Mehmet Göker mit dem Finanzamt geeinigt, dass die MEGler als Scheinselbständige - also als Arbeitnehmer - zu betrachten seien. Er zahlte dementsprechend ausstehende Lohnsteuer und Solidaritätszuschläge nach - und eine Geldstrafe von 720.000 Euro.

Mehmet E. Göker - einst mal schillernder Unternehmer

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Das Geld fürs Finanzamt, - es soll sich um rund 2,75 Millionen Euro gehandelt haben - wollte Göker aber offensichtlich nicht verlieren. Vertraglich mussten sich die Mitarbeiter verpflichten, die von der MEG gezahlte Lohnsteuer an das Unternehmen zurückzuzahlen.

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Eine Chronik der Anklagen und Ermittlungen gegen Mehmet E. Göker, lesen Sie im Regiowiki unter Mehmet Göker und MEG AG.

Manche taten das bis zur Eröffnung des MEG-Insolvenzverfahrens am 1. Januar 2010 und stotterten den Betrag zum Teil in Raten ab - andere zahlten aber nicht. Da das Geld aber nach Auffassung von Westhelle zur Insolvenzmasse gehört, will er es nun eintreiben. Dabei, so Westhelle, verlange er nichts von den MEGlern, die schon damals nicht zu den Gutverdienern gehörten und durch die Pleite ins finanzielle Abseits geraten sind. Aber es gibt einige, sagt Westhelle, bei „denen es sich lohnt“.

Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht

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Unter den Ex-MEGlern, die nun zahlen müssen, ist das Entsetzen groß. Denn die Forderungen sind zum Teil üppig. Ein ehemaliger MEG-Vertriebler klagt etwa darüber, dass er nun umgerechnet einen „Kleinwagen“ bezahlen soll.

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