Mahnbescheide an MEG-Mitarbeiter: Insolvenzverwalter will 680.000 Euro

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Kassel. Viele ehemalige Mitarbeiter des pleite gegangenen Versicherungsvermittlers MEG müssen jetzt tief in die Tasche greifen. Sie sollen nun Lohnsteuer und Solidaritätszuschläge, die für sie abgeführt wurden, aus eigener Tasche zurückzahlen.

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Insolvenzverwalter Dr. Fritz Westhelle hat in den vergangenen Tagen 112 Mahnbescheide an die früheren Versicherungsvermittler herausgeschickt. Er will insgesamt 680.000 Euro haben, die dann in die Insolvenzmasse fließen. Hintergrund der Forderungen ist der alte Streit darüber, ob die ehemaligen MEG-Mitarbeiter nun Scheinselbständige waren oder nicht.

Nach der Razzia bei der MEG im Jahr 2007 hatte sich der frühere Chef Mehmet Göker mit dem Finanzamt geeinigt, dass die MEGler als Scheinselbständige - also als Arbeitnehmer - zu betrachten seien. Er zahlte dementsprechend ausstehende Lohnsteuer und Solidaritätszuschläge nach - und eine Geldstrafe von 720.000 Euro.

Mehmet E. Göker - einst schillernder Unternehmer

2003 gründet Mehmet Erkan Göker den Versicherungsmakler MEG als Ein-Mann-Betrieb. 2006 wird sie zur Aktiengesellschaft.  © Archiv
Der Sitz des Unternehmens ist in der Falderbaumstraße. © Archiv
Die Mannschaft um Göker ist guter Dinge und die ersten Jahre sollen ihr Recht geben. © Archiv
Sechs Jahre später - im Frühjahr 2009 - feiert er mit dem britischen Casting-Star Paul Potts. © Archiv
Im September 2009 die Wende des pompösen Versicherungsvermittlers MEG AG: Er wird übernommen vom Finanzdienstleister Aragon AG.  © Archiv
Im Oktober dann ein weiterer Schritt Richtung Ende: Die MEG AG meldet Insolvenz an. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Untreue und Insolvenzverschleppung. © Archiv
Es ist vorbei, in der Firmenzentrale gehen im November 2009  die Lichter aus. Zu diesem Zeitpunkt ist Göker kaum noch in Kassel anzutreffen. © Archiv
Das Inventar wird versteigert: der private Frisiersalon zum Beispiel. © Archiv
Ob Göker schon an das nahende Aus dachte, als er Paul Potts traf?  © Archiv
Der Auftritt fand im Rahmen der Ehrung der besten MEG-Verkäufer statt. Dafür wurde die Kasseler Stadthalle angemietet. © Archiv
Den gemeinsamen Auftritt ließ sich Göker vor den jubelnden Mitarbeitern nicht nehmen. © Archiv
Göker trat auch als Sponsor von regionalen Sportvereinen auf. © Archiv
Die Göttinger BG wurde in MEG umgetauft. © Archiv
Göker präsentierte das neue Trikot. © Archiv
Auch beim VfB Süsterfeld floss das Geld mit Göker. Nun kämpft der Fussballclub ums Überleben. © Archiv
Auch beim KSV Hessen Kassel wollte er sich engagieren, zog dann aber zurück - es habe "beleidigende Vorwürfe" gegeben... © Archiv
Das sagte er bei der Mitgliederversammlung im Juni 2008... © Archiv
Für die Vereinsverantwortlichen kam dies überraschend. © Archiv
Eine weitere Leidenschaft: schnelle, luxuriöse Autos. © Archiv
Zudem: Gesehen werden wie hier bei einem Boxkampf. © Archiv
Doch für Furore sorgte vor allem sein schneller Aufstieg in der Versicherungsbranche. © Archiv
Über seine Pläne für Kassel und den Sport sprach er mit HNA-Redakteuren.  © Archiv
Vielen Vorwürfen trat Göker entgegen. © Archiv
Der Anfang vom Ende: Im September 2007 findet eine Razzia bei MEG statt. Ermittlungen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und der Beitragsvorenthaltung. Göker kommt gerade aus dem Kurzurlaub... © Archiv
noch in Shorts und Flipflops. Später akzeptiert der MEG-Chef eine Geldstrafe von 720.000 Euro. © Archiv
Den Rolls Royce verkauft er später. © Archiv
Auch die Zahl der Porsches und Ferraris hat sich in Kassel nach der MEG-Pleite minimiert.  © Archiv
Bilder aus alten Tagen: Entschlossen... © Archiv
...und visionär. So sah sich Göker gerne.  © Archiv
Und das feierte er regelmäßig im Marth. © Archiv
Das blieb von der MEG: Alkoholika, © Archiv
das Motto Gökers "Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum." © Archiv
...Firmenbroschüren,... © Archiv
... Sakkos,... © Archiv
...Manschettenknöpfe. © Archiv
Die Auktion ist längst beendet. Die 200 Gläubiger der MEG-Pleite warten noch auf ihr Geld. © Archiv
Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht
Im März 2010 musste sich Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht verantworten. © HNA/Herzog
Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht
Angeklagt war er wegen Beleidigung und Bedrohung. © HNA/Herzog
Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht
Er gab an, ehemalige Mitarbeiter beleidigt zu haben. Bedroht aber habe er niemanden. © HNA/Herzog
Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht
Göker wurde zu einer Geldstrafe von 2500 Euro verurteilt. © HNA/Herzog

Das Geld fürs Finanzamt, - es soll sich um rund 2,75 Millionen Euro gehandelt haben - wollte Göker aber offensichtlich nicht verlieren. Vertraglich mussten sich die Mitarbeiter verpflichten, die von der MEG gezahlte Lohnsteuer an das Unternehmen zurückzuzahlen.

Mehr im Regiowiki

Eine Chronik der Anklagen und Ermittlungen gegen Mehmet E. Göker, lesen Sie im Regiowiki unter Mehmet Göker und MEG AG.

Manche taten das bis zur Eröffnung des MEG-Insolvenzverfahrens am 1. Januar 2010 und stotterten den Betrag zum Teil in Raten ab - andere zahlten aber nicht. Da das Geld aber nach Auffassung von Westhelle zur Insolvenzmasse gehört, will er es nun eintreiben. Dabei, so Westhelle, verlange er nichts von den MEGlern, die schon damals nicht zu den Gutverdienern gehörten und durch die Pleite ins finanzielle Abseits geraten sind. Aber es gibt einige, sagt Westhelle, bei „denen es sich lohnt“.

Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht

 © Herzog
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Unter den Ex-MEGlern, die nun zahlen müssen, ist das Entsetzen groß. Denn die Forderungen sind zum Teil üppig. Ein ehemaliger MEG-Vertriebler klagt etwa darüber, dass er nun umgerechnet einen „Kleinwagen“ bezahlen soll.

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