Ankündigung bei Facebook

Sehnsucht nach dem Herkules: Göker will Zweitwohnsitz in Kassel nehmen

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Mehment Göker

Kassel. Mehmet Göker will wieder Kasseler werden – zumindest melderechtlich. Der Chef des früheren Versicherungsvermittlers MEG reagierte im sozialen Netzwerk Facebook auf „Gerüchte, ob ich jemals wieder nach Kassel oder Deutschland komme“.

Göker kündigte an, er wolle „ab Oktober“ einen Zweitwohnsitz an seiner früheren Wirkungsstätte anmelden. Er freue sich auf Besuche in seinen früheren Stammlokalen, „und den Herkules besuche ich auch noch.“

Göker ist seit der MEG-Pleite von der Türkei aus geschäftlich aktiv und steht im Zentrum von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Nach Einschätzung von Juristen droht ihm ein Haftbefehl, wenn er wieder deutschen Boden betritt. Der Grund: Von 720 000 Euro Geldstrafe, die 2008 gegen ihn verhängt wurde, hat Göker bis heute knapp 200 000 Euro nicht bezahlt.

Zu einem Gerichtsverfahren in Kassel, in dem es um andere Vorwürfe gegen den MEG-Gründer ging, war Göker vor kurzem trotz richterlicher Anordnung nicht erschienen, er hatte seinen Anwalt geschickt. Das Verfahren in diesem relativ nebensächlichen Fall wurde eingestellt vor dem Hintergrund, dass die Staatsanwaltschaft eine weit umfangreichere Klage vorbereitet.

In einer langen Erklärung auf Facebook meldete sich Göker wenig später zu Wort. Durch die Einstellung des Nebenverfahrens sei „seine Reputation wiederhergestellt“, schreibt er unter Beifallskommentaren etlicher Getreuer, spricht von einem „persönlichen Sieg“ und schimpft über „Neider“ und „Lynchjustiz“, bevor er ankündigt, sich in Kassel wieder per Zweitwohnsitz niederlassen zu wollen.

Diese Ankündigung könnte er auch wahr machen, ohne sich durch Einreise der Gefahr einer Festnahme auszusetzen, wie es auf HNA-Anfrage aus dem Rathaus heißt: „Meldeunterlagen kann man auch von einem bevollmächtigten Vertreter abgeben lassen“, erläutert Stadtsprecher Hans-Jürgen Schweinsberg. Bei Zweitwohnsitzen sei es sogar möglich, die Anmeldung per E-Mail zu erledigen.

Einen Erstwohnsitz in Deutschland unterhält Göker, der die türkische Staatsbürgerschaft hat, nach eigenen Angaben in Hannover. Falls er seine Ankündigung auf Facebook wahr macht, den offenen Geldstrafen-Anteil in den nächsten Tagen ausgleichen zu wollen, hätte er – zumindest, was diese Geschichte betrifft – den Rücken frei von einem drohenden Haftbefehl.

Anders sieht es in dem Fall aus, den die Staatsanwaltschaft noch in diesem Jahr zur Anklage bringen will. Nach der MEG-Pleite soll Göker Adressdatensätze zur Kundenwerbung im Gesamtwert von einer Million Euro dem Zugriff der Insolvenzverwaltung entzogen haben. Nach Angaben der Ermittler ist in dem Prozess mit einer Gefängnisstrafe zu rechnen.

Von Axel Schwarz

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