Forderungen lagen bei vier Millionen Euro

Verfahren erledigt: Ex-MEG-Chef Göker zahlt 200.000 Euro

Mehmet Göker

Kassel. In seinem Insolvenzverfahren kommt Mehmet Göker, ehemaliger Chef des pleitegegangenen Kasseler Versicherungsvermittlers MEG, billig davon. Von den ursprünglich rund vier Millionen Euro, die Insolvenzverwalter Dr. Fritz Westhelle für Gökers Gläubiger haben wollte, bleiben letztlich 200 000 Euro übrig.

Auf diese Summe haben sich Göker und Westhelle geeinigt. Das bestätigte der Kasseler Rechtsanwalt gegenüber der HNA.

Mittlerweile habe Göker auch schon die erste Rate von 100.000 Euro bezahlt, sagte Westhelle. Das Verfahren sei aber erst beendet, wenn auch die restlichen 100.000 Euro eintreffen würden. Von dem Verfahren unberührt sind die Forderungen der Versicherungen aus dem MEG-Konkurs. Sie wollen dem Vernehmen nach noch rund 17 Millionen Euro von Göker.

Auf so viel Geld werden sie wohl vergebens warten. Denn Westhelle ist froh, überhaupt 200.000 Euro zu bekommen, wie er sagt. „Millionen von Göker einzutreiben – da gab es doch keine Chance.“

HNA-Kommentar

Armer Wicht

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Um den in die Türkei geflohenen Ex-MEG-Chef überhaupt unter Druck zu setzen, habe er mit einer türkischen Rechtsanwältin zusammengearbeitet, erklärte Westhelle. Über die habe man die Zwangsversteigerung von Häusern beantragt, die Mehmet Göker im türkischen Kus¸adası gehören sollen. „Da hat er wohl einen Schreck bekommen und eingewilligt, wenigstens 200.000 Euro zu zahlen“, sagte Westhelle.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt derweil weiter gegen Göker. Der Hauptvorwurf lautet, dass er nach der MEG-Pleite noch Listen mit Interessenten für private Krankenversicherungen verkauft habe. Die Liste sei aber wertvoll und gehöre eigentlich zur Insolvenzmasse der MEG. Gegen Göker existiert ein internationaler Haftbefehl – in der Türkei, wo Göker lebt, gilt der nicht. Göker war auf HNA-Anfrage nicht erreichbar.

Mehmet E. Göker - einst schillernder Unternehmer

2003 gründet Mehmet Erkan Göker den Versicherungsmakler MEG als Ein-Mann-Betrieb. 2006 wird sie zur Aktiengesellschaft.  © Archiv
Der Sitz des Unternehmens ist in der Falderbaumstraße. © Archiv
Die Mannschaft um Göker ist guter Dinge und die ersten Jahre sollen ihr Recht geben. © Archiv
Sechs Jahre später - im Frühjahr 2009 - feiert er mit dem britischen Casting-Star Paul Potts. © Archiv
Im September 2009 die Wende des pompösen Versicherungsvermittlers MEG AG: Er wird übernommen vom Finanzdienstleister Aragon AG.  © Archiv
Im Oktober dann ein weiterer Schritt Richtung Ende: Die MEG AG meldet Insolvenz an. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Untreue und Insolvenzverschleppung. © Archiv
Es ist vorbei, in der Firmenzentrale gehen im November 2009  die Lichter aus. Zu diesem Zeitpunkt ist Göker kaum noch in Kassel anzutreffen. © Archiv
Das Inventar wird versteigert: der private Frisiersalon zum Beispiel. © Archiv
Ob Göker schon an das nahende Aus dachte, als er Paul Potts traf?  © Archiv
Der Auftritt fand im Rahmen der Ehrung der besten MEG-Verkäufer statt. Dafür wurde die Kasseler Stadthalle angemietet. © Archiv
Den gemeinsamen Auftritt ließ sich Göker vor den jubelnden Mitarbeitern nicht nehmen. © Archiv
Göker trat auch als Sponsor von regionalen Sportvereinen auf. © Archiv
Die Göttinger BG wurde in MEG umgetauft. © Archiv
Göker präsentierte das neue Trikot. © Archiv
Auch beim VfB Süsterfeld floss das Geld mit Göker. Nun kämpft der Fussballclub ums Überleben. © Archiv
Auch beim KSV Hessen Kassel wollte er sich engagieren, zog dann aber zurück - es habe "beleidigende Vorwürfe" gegeben... © Archiv
Das sagte er bei der Mitgliederversammlung im Juni 2008... © Archiv
Für die Vereinsverantwortlichen kam dies überraschend. © Archiv
Eine weitere Leidenschaft: schnelle, luxuriöse Autos. © Archiv
Zudem: Gesehen werden wie hier bei einem Boxkampf. © Archiv
Doch für Furore sorgte vor allem sein schneller Aufstieg in der Versicherungsbranche. © Archiv
Über seine Pläne für Kassel und den Sport sprach er mit HNA-Redakteuren.  © Archiv
Vielen Vorwürfen trat Göker entgegen. © Archiv
Der Anfang vom Ende: Im September 2007 findet eine Razzia bei MEG statt. Ermittlungen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und der Beitragsvorenthaltung. Göker kommt gerade aus dem Kurzurlaub... © Archiv
noch in Shorts und Flipflops. Später akzeptiert der MEG-Chef eine Geldstrafe von 720.000 Euro. © Archiv
Den Rolls Royce verkauft er später. © Archiv
Auch die Zahl der Porsches und Ferraris hat sich in Kassel nach der MEG-Pleite minimiert.  © Archiv
Bilder aus alten Tagen: Entschlossen... © Archiv
...und visionär. So sah sich Göker gerne.  © Archiv
Und das feierte er regelmäßig im Marth. © Archiv
Das blieb von der MEG: Alkoholika, © Archiv
das Motto Gökers "Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum." © Archiv
...Firmenbroschüren,... © Archiv
... Sakkos,... © Archiv
...Manschettenknöpfe. © Archiv
Die Auktion ist längst beendet. Die 200 Gläubiger der MEG-Pleite warten noch auf ihr Geld. © Archiv
Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht
Im März 2010 musste sich Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht verantworten. © HNA/Herzog
Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht
Angeklagt war er wegen Beleidigung und Bedrohung. © HNA/Herzog
Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht
Er gab an, ehemalige Mitarbeiter beleidigt zu haben. Bedroht aber habe er niemanden. © HNA/Herzog
Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht
Göker wurde zu einer Geldstrafe von 2500 Euro verurteilt. © HNA/Herzog

Von Frank Thonicke

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