Gericht bestätigte Forderung gegen Ex-MEG-Chef

Axa will von Mehmet Göker 2,6 Millionen Euro

Mehmet Göker Foto:  Herzog

Kassel. 2,6 Millionen Euro an Vermittlungsprovisionen soll der Skandalvertriebler Mehmet Göker dem Lebensversicherer Axa zurückerstatten – und damit doppelt so viel, wie Gerichte bislang dem Axa-Konzern zugesprochen hatten.

Diesen Anspruch bestätigte jetzt in höchster Instanz das Oberlandesgericht (OLG) in Kassel.

Axa war dort in Berufung gegangen. Über die 2,6 Mio. Euro hat der Konzern nun „einen vollstreckbaren Titel, der unabhängig davon ist, wo der Schuldner sich aufhält“, sagte ein OLG-Sprecher auf Anfrage.

Nach dem Zusammenbruch seiner Kasseler Versicherungsvermittlungsfirma MEG hält sich Göker, der die türkische Staatsbürgerschaft hat, in der Türkei auf und ist von dort aus geschäftlich aktiv. Nach Angaben des OLG-Sprechers hat Deutschland mit der Türkei zwar ein Vollstreckungsabkommen. Es sei für Gläubiger aber „ungleich schwieriger“, dort an ihr Geld zu kommen als bei inländischen Vermögenswerten von Schuldnern.

Göker war zu der Verhandlung geladen, aber freilich nicht erschienen. Gegen ihn liegt ein internationaler Haftbefehl vor. Die Staatsanwaltschaft Kassel will Göker wegen gewerbsmäßigen Betrugss und Insolvenzverschleppung den Prozess machen. Daraus wird aber nichts, solange Göker deutschen Boden meidet. Denn ein Auslieferungsabkommen mit der Türkei gibt es nicht.

Auch kein von Göker beauftragter Anwalt war zu der Verhandlung erschienen; so urteilte das Gericht in Abwesenheit.

Als Gökers Geschäfte in Kassel noch prächtig liefen, hat die Axa gerne mitverdient. Von 2008 bis zum Zusammenbruch des MEG-Imperiums im Herbst 2009 soll Axa Provisionsvorschüsse in Höhe von 3,1 Mio. Euro an Göker überwiesen haben. Darum ging seit Jahren der gerichtliche Streit: Weil viele Kunden die vermittelten Policen wieder stornierten, versucht Axa seit 2010, sich von Göker den Großteil der Provisionssumme zurückzuholen.

Was dafür bisher unternommen wurde und welche Erfolgsaussichten die jetzige OLG-Entscheidung mit sich bringt, dazu wollte sich ein Axa-Sprecher auf Anfrage der HNA nicht öffentlich äußern. Der Konzern halte sich „alle Optionen offen“, um an die 2,6 Mio. Euro zu kommen, sagte er.

Der Sprecher wies außerdem darauf hin, dass der vom OLG jetzt zuerkannte Vollstreckungstitel 30 Jahre gültig sei. So lange muss Mehmet Göker nun mit der Millionenforderung seiner früheren Geschäftsfreunde leben – oder bezahlen.

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