Prozess gegen Göker kommt nicht in Gang

Kassel. Es scheint, als ob nichts diesem Mann die gute Laune verderben kann. „Das letzte Mal haben sie mich noch als Verbrecher bezeichnet“, meinte Mehmet Göker am Dienstag beim Betreten des Gerichtsgebäudes zur HNA-Berichterstattung über sein Fehlen beim Prozess im September.

„Heute bin ich da. Da sind wir ja irgendwie quitt.“ Ja, er war da, und wie: Braun gebrannt, schwarzes Jackett, grauer Schal und graue Hose. Begleitet von mehreren ebenfalls braun gebrannten jungen Männern. Zwei trugen eine Sonnenbrille - vielleicht hatten sie die ja in der Türkei aufgesetzt und irgendwie vergessen, dass es erstens November ist und sie zweitens nun in Deutschland sind.

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Hierzulande seien auch die Firmen zu finden, die der „Unternehmensberater“ Mehmet Göker nun zu seinen Kunden zählt. Das sagte der 32-Jährige zu Beginn der Verhandlung. Darum habe er auch seinen ersten Wohnsitz in Deutschland, genauer gesagt in München. Dort sei er „hin und wieder“, ansonsten arbeite er aus der Türkei heraus, als Angestellter der Göker-Consulting.

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Weitere Angaben werde sein Mandant erst machen, nachdem der Hauptbelastungszeuge Stefan T. ausgesagt habe, sagte Gökers Anwalt Michael Nagel aus Hannover. Und da Stefan T. überhaupt nicht vor Gericht erschien, sagte Mehmet Göker fortan gar nichts mehr. Stefan T. war einst Organisationsdirektor der MEG in Stuttgart. Und als solcher will er Mehmet Göker in zwei Tranchen insgesamt 20.500 Euro aus Provisionsrückzahlungen übergeben haben. Am 1. März 2010 waren es 10.500 Euro und am 1. April 2010 genau 10.000 Euro. Das Geld soll sich Mehmet Göker laut Anklage in die eigene Tasche gesteckt haben - er hätte es aber an die MEG oder an Insolvenzverwalter Dr. Fritz Westhelle abliefern müssen.

Ob alles wirklich so war, darüber berichtete Stefan T. am Dienstag vor Gericht aber nicht. Er meldete sich per Fax krank und schickte gleich zum Beweis eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung eines Arztes mit. „Kann ja mal passieren“, kommentierte Staatsanwalt Eckhard Töppel die Krankmeldung, und Mehmet Göker grinste in den Saal. Aber es war ja noch ein Zeuge vorhanden: Ein Beamter des Stuttgarter Finanzministeriums, seines Zeichens Betriebsprüfer, der Licht ins Dunkel hätte bringen können. Doch der Mann hatte gleich seinen Vorgesetzten aus Stuttgart mitgebracht und der gefiel sich in der Rolle des Spielverderbers: Die Befreiung des Beamten vom Steuergeheimnis habe der Zeuge Stefan T. nur durch seine Unterschrift auf einem Fax dokumentiert.

Das erkenne man nicht an, man brauche die Originalunterschrift. Also war auch der schwäbische Zeuge aus dem Finanzamt äußerst sparsam mit seinen Angaben. Alle müssen nun abermals vor Gericht erscheinen: am 9. Dezember um 10 Uhr.

Von Frank Thonicke

Video: Mehmet Göker schaut sich Stern-Film an

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