Kein flächendeckender Mangel

Mediziner für Kinder ungleich in der Stadt verteilt

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Untersuchung eines Kleinkindes: Gerade in den ersten Lebensjahren steht für Eltern eine Reihe von Kinderarztbesuchen auf dem Programm.

Kassel. Bei der Verteilung und Auslastung der Kinderärzte in Kassel gibt es deutliche Unterschiede. Einige Kinderärzte können es sich beispielsweise leisten, neue Patienten lediglich einmal im Jahr in einem bestimmten Zeitfenster aufzunehmen.

Dies haben mehrere Eltern der HNA gegenüber bestätigt. In anderen Praxen gibt es keine Probleme, aufgenommen zu werden.

Der Kasseler Kinderarzt Alfons Fleer, Vorstandsmitglied des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, bestätigt, dass es in einigen Kasseler Praxen Engpässe gibt und keine neuen Kinder als Patienten aufgenommen werden. Von einem flächendeckenden Mangel könne man jedoch nicht sprechen.

Nach den Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen gibt es in Kassel derzeit 19 Kinder- und Jugendärzte. Damit sei der Bedarf gedeckt. „Aktuell dürfen sich in der Stadt Kassel keine weiteren Kinderärzte niederlassen“, sagt KV-Sprecherin Petra Bendrich.

Doch die Kinderärzte sind ungleich in der Stadt verteilt. „Es gibt eine klare Konzentration in den Stadtteilen Innenstadt, Vorderer Westen und Bad Wilhelmshöhe“ sagt Fleer. Dort sei der Anteil an privat krankenversicherten Patienten am höchsten. Außerdem liegen die Stadtteile zentral und bieten eine gute Infrastruktur. Fleer: „Es ist ganz normal, dass sich dort die meisten Kinderärzte niederlassen, das ist auch in anderen ärztlichen Fachgruppen so.“ Dem sei auch nicht durch eine rigide Bedarfsplanung entgegenzuwirken.

Bestimmte Praxen gefragt

Den Grund für diese Entwicklung sieht der Kinderarzt in der Budgetierung der Ärzte. Es ist gesetzlich festgelegt, dass für alle Versicherten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) pro Jahr nur eine bestimmte Geldmenge ausgegeben werden darf. Das hat zur Folge, dass Ärzten pro Quartal nur ein bestimmtes Budget für die Behandlung von gesetzlich versicherten Patienten zur Verfügung steht. Leistungen, die sie darüber hinaus erbringen, können nicht mehr mit der GKV abgerechnet werden. Privatpatienten werden gesondert abgerechnet.

Anders als andere ärztliche Gruppen können und wollen Kinderärzte laut Fleer nicht auf Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) ausweichen. Das sind ärztliche Leistungen, die Patienten selbst bezahlen müssen. Fleer plädiert stattdessen für eine leistungsgerechte Bezahlung der Ärzte.

„Ausgeprägte Elternwünsche“ für bestimmte Kinderärzte führen laut Fleer außerdem dazu, dass einige Praxen an die Grenzen ihrer Kapazität stoßen. Fleer schätzt, dass bei mindestens einem Drittel der Kasseler Kinderärzte Eltern ohne Probleme ihre Kinder aufnehmen lassen können. „Wir nehmen alle neugeborenen Kinder auf“, sagt Fleer, der eine Gemeinschaftspraxis mit Dr. Claudia Schnur in Bettenhausen führt. (mkx)

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