Mitarbeiter mit neuen Aufgaben

Bahnhofsmission Kassel feierte 110. Geburtstag

Hilfe beim Umsteigen: Auguste Bräutigam (rechts) führte 1978 eine gehbehinderte Rentnerin aus der DDR zur Kaffeestube der Mission - damals noch im Kasseler Hauptbahnhof. Archivfoto: Frank Schilling

Kassel. Großer Bahnhof für die Bahnhofsmission: Gestern feierten gut 150 Mitarbeiter, Vertreter der Kirchen und vieler sozialer Einrichtungen sowie Reisende in der Bahnhofshalle den 110. Geburtstag dieser Einrichtung mit einem ökumenischen Gottesdienst, Musik und Kaffeetrinken.

Die Bahnhofsmission wird von der Caritas und dem Diakonischen Werk gemeinsam betrieben. Eine vorbildliche ökumenische Zusammenarbeit bescheinigte Meinolf Schaefers, Geschäftsführer des Caritas-Verbandes Nordhessen. Pfarrer Gerd Bechtel, Geschäftsführer des Diakonischen Werks, sagte den Mitarbeitern Dank für ihren Einsatz. Und Kassels Bürgermeister Jürgen Kaiser bezeichnete die Einrichtung sogar als vorbildliches Aushängeschild für Kassel. In den hellblauen Kleidern und weißen Schürzen wie noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts treten die Mitarbeiter nicht mehr auf. Heutzutage sorgen sie sich in dezentem Dunkelblau für die Nöte ihrer Mitmenschen. Die Aufgabe der Bahnhofsmission hat sich von den reinen Ein-, Aus- und Umsteigehilfen radikal verändert. „Das Armutsproblem kommt tagtäglich bei uns an“, sagt Annette Blumöhr (Diakonisches Werk), eine der beiden Leiterinnen. Besonders zum Monatsende kämen viele mit der Frage nach kostenlosen Lebensmitteln.

Psychisch Kranke

Blumöhr hat beobachtet, dass die Zahl der psychisch kranken Menschen zunimmt, die sich von der Gesellschaft ausgeschlossen fühlen. „Alle Besucher werden respektvoll behandelt, und sie erhalten in unseren Räumen im ersten Stock nicht nur heißen Kaffee oder Tee, sondern viel menschliche Wärme“, sagte sie.

Feierten fröhlich Geburtstag: Unser Foto zeigt (von links) die beiden Leiterinnen der Bahnhofsmission Kassel, Hedwig Klein und Annette Blumöhr, sowie die Mitarbeiter Marius Bippig, Elisabeth Koch, Katharina Schmidt, Jochen Ziemer und Hilde Rasche

Heutzutage gebe es neue Projekte wie die Kinderbetreuung auf Zugfahrten. Parallel dazu habe sich die Arbeit der sechs Beschäftigten und 20 Ehrenamtlichen professionalisiert. Bahnhofsmanager Ralf König brachte es humorig auf den Punkt: „Die Bahn wird 175 Jahre alt, die Bahnhofsmission 110. Das ist unsere längste und erfolgreichste Geschäftsbeziehung.“

Kontakt: Tel.: 0561/ 37 107, www.dw-kassel.de; Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 9 bis 18 Uhr, Sonn- und Feiertag 12 bis 18 Uhr.

Von Beate Eder

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