Mehr Fälle von Zwangsprostiution: Oft Bulgarinnen betroffen

Kassel. In Kassel kommen immer öfter Fälle von Zwangsprostitution ans Licht. Häufig sind die Betroffenen Bulgarinnen, die gegen ihren Willen anschaffen müssen.

 Einige werden von ihren Zuhältern regelrecht wie Gefangene in den Wohnungen gehalten, in denen sie auch die Freier empfangen. Nach Angaben der Fachberatung Franka, die sich um Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution kümmert, haben seit Jahresbeginn bereits 30 Frauen Hilfe gesucht, 15 davon sind Bulgarinnen.

Im gesamten vergangenen Jahr meldeten sich 23 Opfer bei Franka. Auch die Polizei hat schon nahezu doppelt so viele Fälle von Menschenhandel registriert wie im Vorjahr. Die Kriminalstatistik für 2011 führte in Nordhessen acht Fälle auf – alle waren in Kassel angesiedelt. Weil es eine sehr hohe Dunkelziffer gebe, müsse der aktuelle Anstieg nicht zwangsläufig bedeuten, dass es tatsächlich mehr Zwangsprostitution gebe als zuvor, sagt Jörg Kruse, Leiter des Kommissariats 12 (Sexualdelikte, Milieu-Kriminalität) der Kasseler Kripo. „Aber das Dunkelfeld wird aufgehellt.“

Insgesamt schätzen Kenner der Szene, dass 300 bis 400 Prostituierte in Kassel arbeiten – mehr oder weniger freiwillig. Seit dem EU-Beitritt von Rumänien und Bulgarien sei die Zahl der von dort stammenden Frauen, die nach Deutschland gebracht und zur Prostitution gezwungen werden, gestiegen, sagt ein Ermittler des K12. Deutlich spürbar sei das seit 2009. Die Polizei habe bei Kontrollen im Milieu kaum Möglichkeiten einzugreifen, solange die Frauen angeben, es sei alles in Ordnung.

Anders sei das, wenn konkrete Hinweise, etwa von Freiern, vorliegen. Die Täter stammen laut Polizei häufig aus den Herkunftsländern der Frauen. Nicht selten komme der Kontakt über Verwandte zustande. Weil die Prostituierten regelmäßig in andere deutsche Städte weiterverschleppt werden, vermuten die Ermittler, dass es ein Zuhälter-Netzwerk im Hintergrund gibt.

Von Katja Rudolph

Rubriklistenbild: © dpa

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