Moral am Steuer lässt nach

Mehr Fahrerfluchten in Kassel: Was den Unfallverursachern droht

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Nicht jeder hinterlässt nach einem Parkrempler eine Nachricht: Nur einen Zettel zu schreiben, reicht aber nicht aus. Es sollte zwingend auch die Polizei telefonisch informiert werden.

Kassel. Das Verantwortungsbewusstsein im Straßenverkehr lässt immer mehr nach. So beobachtet die Polizei seit Jahren eine stetige Zunahme der Unfallfluchten. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wie groß ist das Problem mit den Unfallfluchten?

Allein in der Stadt Kassel machten sich im vergangenen Jahr 2112 Unfallverursacher aus dem Staub. Dies machte ein Viertel aller Verkehrsstraftaten aus. Wobei dies nur die polizeilich angezeigten Fälle sind – die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen.

Wie viele Taten kann die Polizei aufklären?

Während sich immer mehr Autofahrer vor ihrer Verantwortung drücken, bleibt die Aufklärungsquote seit Jahren relativ konstant. 2017 konnte die Kasseler Polizei in 42 Prozent der Fälle den flüchtigen Unfallverursacher ausfindig machen. Bei Unfällen, bei denen Personen zu Schaden kamen, waren es immerhin 53 Prozent. Dass mehr als die Hälfte aller Schuldigen ungeschoren davon kommt, bewegt auch die Kasseler Polizei.

Was sind aus Sicht der Polizei die Ursachen für die Zunahme der Fahrerfluchten?

Die Kasseler Polizei verweist auf mehrere Gründe: Viele Autofahrer wüssten schlicht nicht, welche gesetzlichen Pflichten sie nach einem Unfall hätten. Anderen seien die rechtlichen Konsequenzen nicht bewusst. Viele redeten sich den Schaden klein oder fürchteten die damit verbundenen Kosten und den zeitlichen Aufwand, sagt der Polizeisprecher.

Wie will die Polizei gegen die schwindende Moral am Steuer vorgehen?

Das Polizeipräsidium Nordhessen will 2018 verstärkt an das Gewissen der Autofahrer appellieren. Dies soll unter anderem durch Broschüren und Medienberichte erreicht werden. Weil ein Appell vermutlich nicht ausreicht, verweist Polizeisprecher Matthias Mänz auch auf die straf- und zivilrechtlichen Konsequenzen einer Unfallflucht.

Welche Konsequenzen drohen Autofahrern, wenn sie einer Fahrerflucht überführt werden?

Die sogenannte „Fahrerflucht“ ist im Strafrecht als „Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort“ deklariert. Diese Straftat nach Paragraf 142 des Strafgesetzbuches kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft werden.

Hinzu komme in Abhängigkeit von der Höhe des verursachten Fremdschadens ein Fahrverbot beziehungsweise die Entziehung des Führerscheins, erläutert der Polizeisprecher. Darüber hinaus gibt es zwei oder drei Punkte im Fahreignungsregister in Flensburg – je nachdem, ob der Entzug des Führerscheins angeordnet wurde.

Wenn die Fahrerlaubnis eingezogen wird, kann die Führerscheinstelle eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) anordnen, bevor der Autofahrer den Führerschein wiederbekommt.

Der Versicherer kann möglicherweise zudem die Leistungen kürzen oder völlig versagen.

Was müssen Verkehrsteilnehmer tun, wenn sie ein anderes Auto beschädigt haben und dessen Fahrer nicht antreffen?

Der Polizeisprecher zählt auf: „Unverzüglich anhalten, über die Unfallfolgen vergewissern, eine angemessene Zeit auf den Geschädigten warten und gegebenenfalls den Namen und eine Adresse am Auto hinterlassen, die Polizei unverzüglich informieren. Dies gilt übrigens auch, wenn Autofahrer Verkehrsschilder, Laternen oder Stromkästen beschädigen.

Wie lange müssen Verursacher auf den Geschädigten warten und reicht es nicht aus, nur ein Zettel hinter der Windschutzscheibe zu hinterlassen?

Was ein angemessener Zeitraum ist, ist im Gesetz nicht näher geregelt. Es hängt letztlich vom Einzelfall und von der Rechtsprechung ab. Einen Zettel mit Name, Adresse und Telefonnummer zu hinterlassen ist wichtig. Nur eine Telefonnummer sei zu wenig, so die Polizei.

Allein reiche aber ein Zettel nicht aus, da dieser verschwinden und zerstört werden könnte. Deshalb: Immer die Polizei informieren.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt. 

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