240 Firmen traten Gang zum Insolvenzgericht an 

Mehr Firmenpleiten in Nordhessen: Zahl der Insolvenzen gestiegen

Kassel. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Nordhessen ist – entgegen dem bundesweiten Trend – gestiegen. Das berichtet die Wirtschaftsauskunftei Creditreform in Kassel.

Demnach mussten im ersten Halbjahr 2018 bereits 240 Firmen in der Region den Gang zum Insolvenzgericht antreten. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 218.

Der Auswertung zufolge ist allerdings die Zahl der dadurch betroffenen Arbeitnehmer gesunken. Waren in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres noch 1361 Beschäftigte betroffen, sind es in der ersten Jahreshälfte 2018 noch 871. „Diese Entwicklung deutet auf eine Zunahme der eher kleineren zahlungsunfähigen Unternehmen mit wenigen Beschäftigten hin“, so Creditreform.

Mit 68 Unternehmen gingen besonders oft Betriebe aus dem Kfz-Handel pleite. Das Baugewerbe folgt mit 34 Insolvenzen auf Platz Zwei, darauf folgt das Gastgewerbe mit 32 Insolvenzen. Die Entwicklung in Nordhessen verläuft Creditreform zufolge im deutschlandweiten Vergleich eher antizyklisch. Bundesweit melden zunehmend größerer mittelständische Unternehmen mit mehr Mitarbeitern Insolvenz an.

Dass mehr Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, belegen auch die Zahlen des Kasseler Amtsgerichts. Demnach wurden im ersten Halbjahr 2017 191 Insolvenzanträge in der Region gestellt. In der ersten Jahreshälfte 2018 waren es 207.

Die örtlichen Kammern sehen aber keinen Grund zur Sorge. „Es gibt bei den Insolvenzen im örtlichen Handwerk keinen Trend, der uns warnen sollte, sondern eher einen Trend nach unten“, sagt Matthias Joseph von der Handwerkskammer Kassel.

„Betrachtet man das gesamte Fundament, geht es dem IHK-Bezirk Kassel-Marburg gut. Die guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gepaart mit der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen sorgen dafür, dass die Wirtschaft in der Region stabil ist“, sagt auch Carsten Heustock, Teamleiter der Unternehmensförderung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg. Die Anzahl der Insolvenzverfahren sei für sich genommen noch kein Indiz dafür, ob die Wirtschaft insgesamt in einer Krise steckt oder floriert.

Er warnt allerdings vor einer problematischen Entwicklung. „In den nächsten Jahren rollt ein unterschätztes Problem mit Wucht auf uns zu“, so Heustock. Die Geschicke vieler Unternehmen im Kreis lägen in den Händen von Senior-Chefs. Die müssten ihre Nachfolge frühzeitig regeln, um das Unternehmen und damit auch die Arbeitsplätze zu sichern.

„Die ersten Schritte sollten Senior-Chefs von langer Hand einleiten – und zwar drei bis fünf Jahre, bevor sie das Unternehmen verlassen möchten“, rät Heustock. Die IHK helfe dabei kostenlos weiter. Foto: IHK/nh

Rubriklistenbild: © Soeren Stache/dpa

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