Forscher der Uni entwickeln Spielregeln mit

Ständige Erreichbarkeit für die Firma führt zu Stress

Immer erreichbar, immer arbeitsbereit: Die mobile Kommunikation bringt Arbeitnehmern Flexibilität, aber auch eine hohe Belastung. Foto: dpa

Kassel. Kopfarbeiter wie Informatiker und Ingenieure sind dank des Mobilfunks und des Internets jederzeit für ihren Arbeitgeber erreichbar. Mithilfe von mobilen Endgeräten – beispielsweise Smartphones und Tablet-PCs – können sie von überall aus arbeiten und mit dem Computernetz ihrer Firma kommunizieren.

Das hat den Vorteil, dass sie ihre Zeit flexibel einteilen können. Doch es gibt auch Schattenseiten: Der ständige Strom von E-Mails und Telefonaten, der zu jeder Zeit auf den Arbeitnehmer einprasselt, verstärkt den Stress.

„Die Gefahr ist, dass man nur noch am Arbeiten ist“, sagt Professor Dr. Klaus David, Leiter des Fachgebiets Kommunikationstechnik an der Universität Kassel. Der Wissenschaftler koordiniert ein neues Forschungsprogramm, das Teil der Exzellenzinitiative Loewe des Landes Hessen ist. Dabei wollen Wissenschaftler unterschiedlicher Fachgebiete Spielregeln für die internetgestützte Kommunikation zwischen Firmenmitarbeitern aufstellen und die technischen Voraussetzungen für ihre Umsetzung beim Umgang mit Smartphone oder Tablet-PC schaffen. Ziel sei es, die Vorteile des flexiblen Arbeitens zu erhalten und gleichzeitig Freiräume der Arbeitnehmer für Privates und Entspannungsphasen zu sichern, sagt David.

Der Bedarf an solchen Regeln sei groß. Das zeige schon das Beispiel des Volkswagen-Konzerns, dessen Betriebsrat kürzlich durchgesetzt hat, dass künftig eine Stunde nach Feierabend keine E-Mails mehr an die Smartphones der Mitarbeiter verschickt werden dürfen.

Die Wissenschaftler des Fachgebiets Kommunikationstechnik werden die Technik für die Umsetzung dieser Spielregeln entwickeln. Sie nutzen dabei die Fähigkeiten der bereits heute mit zahlreichen Sensoren ausgestatteten mobilen Endgeräte und fügen sie zu einem System für einen automatischen Informationsaustausch zusammen. Auf diese Weise werden Smartphones so „intelligent“, dass sie beispielsweise erkennen, wann ihr Besitzer mit der Familie am Abendbrottisch sitzt. Den Anruf des Chefs aus der Firma blocken sie dann ohne Zutun ihres Besitzers ab.

Auch in anderen Situationen könne das Smartphone Mitarbeitern Arbeit abnehmen, sagt David. Beispielsweise die Beantwortung von Anrufen von Kollegen, die wissen wollen, wo der verspätete Mitarbeiter bleibt. Die Kollegen erhielten dann automatisch die Nachricht, dass dieser im Stau feststeckt. Die Technik, wie man mithilfe von Sensoren und Rechenprogrammen Smartphones so klug macht, dass sie erkennen und mitteilen, was ihr Träger gerade tut, haben die Kasseler Forscher bereits in früheren Projekten erfolgreich entwickelt.

Von Peter Dilling

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