Angebot auch in Pandemie gefragt

Wohnraumberatung der Caritas: Für mehr Halt im Alltag von Senioren

Die Wohnraumberatung für Senioren, die die Caritas in Kassel anbietet, ist auch in der Pandemie gefragt. Seit Kurzem ist das Team der Beraterinnen gewachsen.

Kassel – Auf den Frühling und die Nutzung ihrer Terrasse freut sich Christa Siebert dieses Jahr besonders. Dank eines Handlaufs, den die 81-Jährige im vergangenen Herbst hat anbringen lassen, muss sie keine Sorge mehr haben, beim Heraustreten zu stürzen. Die Stufe aus der Erdgeschosswohnung ins Freie war für die Seniorin aus Niederzwehren zum Unsicherheitsfaktor geworden.

Ebenso wie die hohe Schwelle und die Enge ihrer Dusche im Badezimmer. Nach einem Umbau ist nun ein komfortabler, barrierearmer Einstieg möglich. Und ein Hocker sorgt für Sicherheit, falls der Kreislauf beim Duschen mal muckt.

Die beiden Veränderungen, die ihr den Alltag in ihrer Wohnung erleichtern, hat Christa Siebert mithilfe der Wohnraumberatung der Caritas auf den Weg gebracht. Dort bekommen Senioren und deren Angehörige Begleitung bei der altersgerechten Anpassung ihres Zuhauses. „Der Wunsch, in den eigenen vier Wänden zu bleiben, steht über allem“, fasst Gisela Degenhardt ihre fast 30-jährige Erfahrung in der Beratung älterer Menschen zusammen.

Gerade in der Coronazeit sei die Angst vor einem Umzug in ein Heim angesichts der Einschränkungen für Besuche groß, sagt die Sozialpädagogin. Aber auch vor der Pandemie sei die Nachfrage nach der Wohnraumberatung stetig gestiegen. So kommt die Aufstockung des Angebots, das von der Stadt Kassel finanziert wird, um eine halbe Stelle wie gerufen. Seit September gibt es mit Annika Marschall-Kuhn eine zusätzliche Ansprechpartnerin.

Um die 100 altersgerechte Umbauten und Anpassungen in Mietwohnungen und Eigenheimen im Stadtgebiet begleitet die Beratungsstelle pro Jahr. In den meisten Fällen könne man den Bewohnern helfen und schon mit kleinen Veränderungen große Erleichterung bringen, sagt Degenhardt. „Wir sind ein bisschen wie Detektive und nehmen die Wohnung unter die Lupe“, so die Sozialpädagoginnen. Meist träten alterstypische Probleme im Bad und im Schlafzimmer auf – etwa wenn man aus der Wanne oder dem Bett nur noch schwer hochkommt.

Von Kleinigkeiten wie dem Entfernen von Stolperfallen wie dem Teppichläufer über Hilfsmittel wie Badewannenbrett oder Haltegriff und die Erhöhung von WC und Stühlen bis zum barrierefreien Umbau der Wohnung mit abgesenkten Türschwellen und bodengleicher Dusche reicht die Palette der Veränderungsvorschläge. Auch über Finanzierungshilfen durch Kranken- und Pflegekasse oder Förderprogramme wissen die Beraterinnen Bescheid.

In manchen Fällen sei ein Umzug nötig, um weiterhin selbstbestimmt leben zu können. So haben die Caritas-Mitarbeiterinnen kürzlich einer 78-jährigen Frau aus Waldau, die mangels Fahrstuhl das Mietshaus schon lange nicht mehr verlassen konnte, bei der Suche nach einer barrierefreien Wohnung geholfen. Leider gebe es viel zu wenig bezahlbaren altersgerechten Wohnraum in Kassel, sagt Gisela Degenhardt. Mit der Babyboomer-Generation der 1960er-Jahre, die jetzt ins Alter komme, werde sich der Mangel verschärfen. Umso wichtiger sei es, sich rechtzeitig mit dem Thema Wohnen auseinanderzusetzen – und nicht erst nach dem ersten Sturz mit Krankenhausaufenthalt. (Katja Rudolph)

Service: Wohnraumberatung der Caritas in Kassel, Die Freiheit 2, Tel. 0561/7004 -204, E-Mail: Gisela.Degenhardt@caritas-kassel.de, Annika.Marschall-Kuhn@caritas-kassel.de

Von Katja Rudolph

Kleine Veränderung, große Erleichterung: Christa Siebert hat – begleitet durch die Wohnraumberatung der Caritas – an ihrer Terrassentür in Niederzwehren einen Handlauf anbringen und im Badezimmer ihre Dusche umbauen lassen

Rubriklistenbild: © Andreas Fischer

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