Deutlich mehr Fälle - Winterzauber abgesagt

Corona in Kassel: Mehr Infizierte in Kliniken - Ausbrüche in Altenheimen

Corona-Patienten liegen in einem isolierten Intensivbett-Zimmer in Bayern
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Zwei positiv getestete Corona-Patienten liegen in einem isolierten Intensivbett-Zimmer in Bayern. In der Stadt Kassel liegt die Auslastung der Intensivbetten derzeit bei 73 Prozent, im Kreis bei 75 Prozent.

In Stadt und Kreis Kassel liegen wieder deutlich mehr mit dem Corona-Virus infizierte Patienten in Krankenhäusern. Zudem gibt es mehrere Ausbrüche in Altenheimen.

Kassel - Bundesweit steigt die Zahl der Corona-Infektionen stark an. Und mit ihnen steigt die Sorge, dass die zunehmende Zahl an Covid-19-Patienten die Kapazitäten in den Krankenhäusern und Intensivstationen an ihre Grenzen bringen könnte. Wie sich derzeit diese Situation in Stadt und Landkreis Kassel darstellt und welche Auswirkungen die deutlich gestiegenen Corona-Zahlen haben, zeigen unsere Fragen und Antworten:

Wie viele Covid-19-Erkrankte werden aktuell in Kliniken behandelt?
21 Infizierte befinden sich in Stadt und Landkreis Kassel in Krankenhäusern, acht davon werden intensivmedizinisch behandelt. Die Zahlen steigen. Nach Angaben des Gesundheitsamtes waren es am Dienstag noch 15 Infizierte in Kliniken, davon sechs auf Intensivstation.
Wie steht es um die Kapazitäten an Intensivbetten?
Seit Mitte April sind Krankenhäuser mit Intensivbetten verpflichtet, ihre Kapazität täglich an die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) zu melden. Nach DIVI-Angaben (intensivregister.de) von Mittwoch waren in Kassel bei fünf (beatmeten) Corona-Fällen auf Intensivstationen noch 56 von 211 Intensivbetten frei (73 Prozent ausgelastet). Im Landkreis waren ohne Corona-Fall auf Intensivstation acht von 32 Betten auf Intensivstationen frei (75 Prozent ausgelastet). Zum Vergleich: Die meisten Covid-19-Patienten in Kliniken sind in Stadt und Landkreis Ende April gezählt worden. Für den 20. April hatte das Gesundheitsamt den Höchststand von 51 Corona-Fällen in Krankenhäusern und 16 auf Intensivstationen vermeldet. Die aktuellen Zahlen liegen also noch deutlich niedriger.
Wie haben sich die Infektionszahlen entwickelt?
Sie sind in und um Kassel wieder stark gestiegen, vor allem im Landkreis mit 24 weiteren Infizierten. Dort gab es unter anderem zwei Coronaausbrüche in Senioreneinrichtungen in Naumburg-Elbenberg und in Beberbeck. In Elbenberg wurde bei 20 Bewohnern und 4 Mitarbeitern das Coronavirus nachgewiesen. Einige Bewohner mussten ins Krankenhaus gebracht werden. In einem Seniorenheim in Beberbeck wurden 11 Bewohner und 5 Mitarbeiter positiv getestet. Laut Gesundheitsamt liegen nun insgesamt 332 aktuell Infizierte in Kassel Stadt und Kreis vor, 34 mehr als am Vortag. Die Zahl der Genesenen stieg um 22 auf 1256, die Zahl der bestätigten Corona-Fälle um 56 auf nunmehr 1630 (Stand Mittwochmittag).
Wie wirkt sich der weitere Anstieg der Infektionen auf die Inzidenz aus?
Folgen hat dies für den Landkreis Kassel, der sich nun in der dritten Warnstufe des Landes befindet. Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 36,8 (Vortag: 28,7) liegt er über dem Schwellenwert von 35 Neuinfektionen in einer Woche pro 100.000 Einwohner. Noch keine Besserung vermeldet das Amt für die Stadt Kassel. Dort liegt die Sieben-Tage-Inzidenz weiter bei 108,0 und damit weit über der fünften und höchsten Warnstufe (ab 75).
Haben die hohen Infektionszahlen erneut Folgen für eine Veranstaltung?
Ja, der vom 29. Oktober bis 1. November geplante Winterzauber an der Orangerie in Kassel wurde kurzfristig abgesagt. „Die Corona-Situation in Kassel hat sich schlagartig verändert“, begründete dies Veranstalter Evergreen.
Welche Regeln gelten jetzt im Landkreis?
Ab Freitag sind Veranstaltungen mit mehr als 150 Personen verboten. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes wird auf Vergnügungsstätten, überall außerhalb des eigenen Sitzplatzes bei öffentlichen Veranstaltungen, in der Gastronomie, in Kirchen und vergleichbaren Räumen ausgeweitet. Patienten müssen bei einem Transport eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Auch für private Feiern gelten weitere Einschränkungen. Bei Feiern in angemieteten oder öffentlichen Räumen dürfen nicht mehr als 25 Personen oder zwei Haushalte teilnehmen. Bei Feiern in privaten Räumen wird eine Höchstteilnehmerzahl von 15 Personen oder zwei Haushalte dringend empfohlen.
Ist mit einem weiteren Anstieg der Inzidenz im Landkreis zu rechnen?
Ja. Wegen des dynamischen Verlaufs der Erkrankungszahlen ist davon auszugehen, dass es im Landkreis Kassel in den kommenden Tagen zu einer weiteren Steigerung der Infizierten-Zahlen und damit auch des Corona-Inzidenz-Wertes kommen wird.
Wird es im Landkreis eine Sperrstunde geben?
„Wir werden landkreisweit keine Sperrstunde für die Gastronomie empfehlen“, sagt Vizelandrat Andreas Siebert. Die gastronomischen Einrichtungen hätten sich vorbildlich an die Einhaltung der Hygienevorschriften gehalten und „deshalb sehen wir hier keine Notwendigkeit, eine zusätzliche Vorgabe zu machen“. Der Landkreis weiche hier von den Empfehlungen des Landes Hessen ab.
Was passiert mit den verlegten Flüchtlingen aus der Erstaufnahmeeinrichtung in Niederzwehren?
69 nicht an Corona erkrankte Asylbewerber aus der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung in Kassel-Niederzwehren sind in die Pommernanlage in Wolfhagen-Gasterfeld verlegt worden. Diese Asylbewerber wurden nochmals getestet. 15 Personen wurden positiv getestet. Diese Infizierten-Zahlen werden zu den Erkrankungen aus der Stadt Kassel hinzugerechnet und tauchen in der heutigen Statistik auf. Aktuell gibt es Verhandlungen mit dem RP Gießen, um die infizierten Geflüchteten wieder von den nichtinfizierten zu trennen.
Coronafälle gibt es nun auch im Kasseler Seniorenheim „Haus Salem“. Wie ist die Situation dort?
Im Agaplesion Haus Salem an der Herkulesstraße sind momentan sieben der 69 Bewohner mit dem Coronavirus infiziert. „Sie haben bisher keine Symptome gezeigt“, sagt Pressesprecherin Lena Goldmann. Darum seien die Fälle auch nur durch Zufall rausgekommen: „Eine Bewohnerin musste ins Krankenhaus und wurde dort routinemäßig getestet“, so Goldmann. Dabei habe man die Coronainfektion festgestellt und daraufhin alle Bewohner und Mitarbeiter getestet.
Welche Maßnahmen wurden im Haus Salem getroffen?
Die Infizierten wurden isoliert. Zudem sind die Mitarbeiter, die mit ihnen in Kontakt waren und deren Testergebnis noch nicht vorliegen, in Quarantäne. Zu Engpässen bei der Betreuung kommt es dadurch aktuell allerdings nicht, sagt Goldmann. Die Situation sei entspannt. Eine weitere Auswirkung betrifft die Angehörigen der Bewohner: Derzeit sind Besuche in dem Seniorenheim nicht erlaubt. „Wie lange das Besuchsverbot gilt, machen wir von der Lage abhängig“, so Goldmann.

Von Andreas Hermann, Alia Shuhaiber und Marie Klement

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