Langzeittrend stimmt dennoch optimistisch

Wieder mehr jugendliche Komasäufer in Kassel: Vier Mädchen noch unter 14 Jahre alt

Kassel. Die Zahl der Jugendlichen, die in Stadt und Landkreis 2016 mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus kamen, ist um 25 Prozent gestiegen. Warum der Langzeittrend dennoch optimistisch stimmt:

Die Zahl der jugendlichen Komasäufer in Stadt und Landkreis ist 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent gestiegen. Insgesamt 80 Kinder und Jugendliche wurden im jüngsten Erhebungszeitraum wegen einer Alkoholvergiftung stationär in einem Krankenhaus in der Region Kassel behandelt – 36 davon in der Stadt und 44 im Landkreis. Besonders besorgniserregend in der Auswertung des Statistischen Landesamtes: Vier Mädchen waren erst 13 Jahre oder jünger.

Das Positive: Betrachtet man die Statistik der vergangenen fünf Jahre, ist die Zahl für 2016 die Zweitniedrigste. Lediglich 2015 waren es mit 64 Kindern und Jugendlichen in Stadt und Landkreis weniger. 2014 waren es 82, 2013 genau 100 und 2012 sogar noch 115. Dass die allgemeine Entwicklung positiv ist, kann auch der Chefarzt der Kinderanästhesie am Kasseler Klinikum, Dr. Thomas Fischer, bestätigen.

„Bis vor fünf Jahren haben wir freitags immer drei Betten für Jugendliche mit Alkoholvergiftung freigehalten“, sagt Fischer. „Die waren auch immer belegt.“ Ein rückläufiger Trend zeichne sich aber schon seit mehreren Jahren ab. Auch im vergangenen Jahr, für das beim Statistischen Landesamt noch keine Zahlen vorliegen, habe die Zahl der Jugendlichen Komasäufer am Klinikum gefühlt abgenommen. Vor allem sogenannte Mischtoxikationen, also der Konsum von Alkohol in Verbindung mit härteren Drogen, sei inzwischen viel seltener.

Gründe hierfür sieht Fischer unter anderem in Aufklärungskampagnen wie "HaLT in Hessen". Die schädliche Wirkung von Alkohol sei dadurch präsenter. „90 Prozent der Kinder und Jugendlichen sehen wir einmal und nie wieder“, sagt Fischer. Womöglich sei es auch eine Generationenfrage. „Kinder entwickeln wieder eine leistungsorientiertere Moral.“ Dieses Lebenskonzept vertrage sich schlecht mit Komasaufen.

Rubriklistenbild: © picture-alliance / ZB

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