Zusätzliche Kontrolleure für die Hygiene-Ampel kosten 100.000 Euro

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Jörg Müller vom Amt für Lebensmittelkontrolle und Veterinärwesen Kassel misst Frische und Fettgehalt von Pommesfett.

Kassel. Eine baldige Einführung der so genannten Hygiene-Ampel fordert Bürgermeister Jürgen Kaiser. Noch sei aber offen, wer die Mehrkosten von etwa 100.000 Euro übernimmt, die für die dann nötigen zusätzlichen Lebensmittelkontrolleure auf die Stadt zukommen.

Wenn es nach dem Willen der Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) geht, wird die Hygiene-Ampel ab kommendem Jahr auch in Kassel die Sauberkeit in Gastronomiebetrieben öffentlich sichtbar signalisieren. „Ich finde die Hygiene-Ampel wichtig, um schwarze Schafe zu finden und für Transparenz zu sorgen. Aber: Wer die Musik bestellt, der muss sie auch bezahlen“, sagt Kaiser, in dessen Dezernat der Verbraucherschutz fällt. Damit spielt er auf die zusätzlichen Personalkosten an, die durch den höheren Kontrollaufwand auf die Stadt zukommen und an denen sich das Land beteiligen solle.

Derzeit fünf Kontrolleure auf 600 Gastronomiebetriebe

Im Stadtgebiet gibt es über 600 Gastronomien, die nach Einführung der Ampel einen stärkeren Betreuungsaufwand erforderten. Schließlich müsse jeder Gastwirt die Chance bekommen, nach Beseitigung beanstandeter Mängel wieder vom Gelb- auf den Grün-Status gesetzt zu werden. Dafür seien zeitnahe Nachkontrollen nötig. Mit den aktuell fünf Lebensmittelkontrolleuren sei dies nicht zu stemmen, zumal diese neben den Gastronomen für 1600 weitere Lebensmittelbetriebe zuständig seien. „Wir brauchen mindestens zwei Kontrolleure mehr.“

"Zu viel Bürokratie"

Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Nord- und Osthessen ist wie auch die anderen Bezirksverbände gegen die Einführung der Hygiene-Ampel. „Es ist nicht so, dass wir kein Interesse an Verbraucherschutz und Qualität hätten, aber die derzeitigen Planungen für die Ampel halten wir für unsinnig“, sagt Dehoga-Sprecher Sebastian Maier. Aus Sicht des Verbandes würde die Kennzeichnung für die Gastwirte eine noch stärkere Bürokratisierung bedeuten. Zudem könnten sich daraus Verunsicherungen der Gäste ergeben. Wegen des riesigen Kontrollaufkommens würden sicher nicht alle Gaststätten gleichzeitig eine Kennzeichnung erhalten. „Wenn die Ampel noch fehlt, werden sich Gäste fragen: Was ist da los? Arbeitet der nicht sauber?“ Schon eine nur als durchschnittlich attestierte Sauberkeit hafte den Wirten lange an und könne den Ruin des Betriebes bedeuten. Aus Sicht der Dehoga ist der beste Verbraucherschutz die Selbstregulierung des Marktes. „Wenn jemand nicht gut arbeitet, spricht sich das schnell herum, und die Gastronomie ist somit nicht überlebensfähig.“ (bal)

Die Kritik vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) kann Kaiser nicht nachvollziehen. „Alle Wirte, die ordnungsgemäß arbeiten, müssen keinen Pranger befürchten.“ Zudem bedeute ein dreckiger Wischlappen nicht, dass ein Betrieb sofort eine rote Ampel an die Eingangstür geheftet bekomme – diese werde nur in wenigen gravierenden Fällen vergeben. Zunächst erteilten die Kontrolleure einen Hinweis und forderten Wirte dazu auf, die Missstände innerhalb einer vorgebenen Zeit abzustellen.

„Mit der Ampel wächst die Bereitschaft bei den Gastonomen, sich schneller um mögliche Nachlässigkeiten zu kümmern.“ Wichtig ist aus Sicht von Kaiser, dass die Einführung bundeseinheitlich geschieht. Wenn jedes Land den Alleingang probe, drohe ein Chaos, das kein Gast mehr nachvollziehen könne.

Sobald sich die Verbraucher- und Wirtschaftsministerien einigen und den Startschuss geben, sollen die Ampeln nach den Vorstellungen des Bürgermeisters nach und nach im Zuge der regelmäßigen Kontrollen angebracht werden.

Von Bastian Ludwig

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