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Mehr Mehrweg wird Pflicht beim Außer-Haus-Verkauf von Speisen

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Von: Axel Schwarz

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Mehrweg-Pfandsystem für Stuttgarts Gastro-Szene
Wer Essen außer Haus verkauft, muss ab 2023 Mehrwegbehälter als Alternative anbieten. Einwegverpackungen werden dann aber nicht verboten. © Franziska Kraufmann / dpa

Auf Restaurants, Kantinen, Bistros, Bäcker- und Metzgerläden kommen zum Jahreswechsel neue Vorschriften zu, wenn sie Speisen und Getränke zum Mitnehmen verkaufen.

Kassel – Zum 1. Januar tritt die Mehrwegpflicht in Kraft. Dann muss jeder To-go-Anbieter seinen Kunden die Wahl zwischen Einweg- und Mehrwegbehältern ermöglichen. Das Ziel ist Müllvermeidung. Jedoch verunsichern allerlei Ausnahmen und Unklarheiten betroffene heimische Betriebe.

Ein Beispiel: Die Kasseler Fleischerei Prado an der Friedrich-Ebert-Straße ist eine beliebte Anlaufstelle für Mittagsverpflegung. Chefin Monica Rodriguez testet nach eigenen Angaben gerade verschiedene Mehrweg-Behältersysteme, um für die neue Vorgabe gerüstet zu sein. Bisher werden jeden Mittag etwa 50 bis 70 Menüs in Einwegboxen ausgegeben.

Die bestehen, wie sich im Gespräch herausstellt, aus Bargasse, einem Reststoff der Zuckerrohrproduktion. Dass sie bei Verwendung dieses Öko-Materials gar nichts weiter zu verändern braucht, überrascht die Geschäftsfrau: „Ich dachte, wir müssten auf jeden Fall Mehrweg anbieten.“

Das sei nur der Fall, wenn die bisher genutzten Behälter aus Kunststoff bestehen oder damit beschichtet sind, bestätigt Daniel Hankel, bei der Industrie- und Handelskammer als Referent für das Thema zuständig. Eine Reihe gängiger Verpackungsformen sei von der neuen Mehrwegpflicht ausgenommen – die Pizza, der Burger oder das Asia-Menü in unbeschichteten Papp-Faltboxen sowie der Döner oder das halbe Hähnchen umwickelt von Alufolie, die sich gut recyceln lasse.

Ausnahmen gelten weiterhin für kleinere Verkaufsstätten mit weniger als 80 Quadratmetern und maximal fünf Angestellten – dann aber müssen die Betreiber künftig ermöglichen, dass Kunden die gekauften Speisen und Getränke in mitgebrachte eigene Behälter füllen.

Wie sich das ohne hygienische Sorgen für die Anbieterbetriebe organisieren lässt, sei für den Gastronomieverband Dehoga ein zentrales Thema, sagt Regionalgeschäftsführer Oliver Kasties. Der Verband habe interessierte Mitglieder bereits mit mehreren Info-Veranstaltungen auf das Thema vorbereitet, gebe aber keine Empfehlung ab, ein bestimmtes Mehrwegsystem zu nutzen: „Die Verpackung muss jeweils zur Speise passen.“

Der Dehoga befürworte die Mehrwegpflicht „aus ökologischen Gesichtspunkten“, so Kasties. Für betroffene Anbieter sei es „sinnvoll, sich rechtzeitig damit zu befassen“.

Hintergrund: Einwegbehälter werden nicht verboten

Hintergrund der Mehrwegpflicht ist eine Novelle des Verpackungsgesetzes, die 2023 in Kraft tritt. Es ist allerdings nicht so, dass Einwegverpackungen im To-go-Bereich dann verboten wären: Die Kunden müssen aber die Wahl bekommen zwischen Einweg und Mehrweg, gastronomische Anbieter müssen geeignete Mehrweg-Optionen vorhalten und sind verpflichtet, darüber zu informieren. Die Mehrweg-Variante darf – Pfandbeträge ausgenommen – auch nicht teurer sein.

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