Frank Thonicke über die Nazi-Vergangenheit

Mehr als nur mitgemacht - Frank Thonicke über die Nazi-Vergangenheit

Frühere Kasseler SPD-Oberbürgermeister standen den Nazis offenbar näher, als sie zu Lebzeiten zugaben. Die Stadt will ihre Rolle in der NS-Zeit nun neu überprüfen. Ein Kommentar von HNA-Redakteur Frank Thonicke.

Frank Thonicke

Karl Branner war kein Täter. Er hat niemanden denunziert, ins KZ geschickt oder sonstwie malträtiert.

Karl Branner war aber mehr als ein Mitläufer. Das geht aus den Recherchen, hinter denen ein renommierter Historiker wie Dietfrid Krause-Vilmar steht, hervor. Der Oberbürgermeister, der in Kassel zur Legende wurde, war offensichtlich als junger Mann vom Geist der Nazis erfüllt. Davon zeugt auch seine Doktorarbeit.

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Es gab für Karl Branner wie für seine Kollegen Lauritzen und Seidel immer die Möglichkeit, reinen Tisch zu machen, die Vergangenheit offenzulegen, sie zu erklären. Diese Ehrlichkeit wäre positiv verbucht worden und hätte nicht dazu geführt, den Stab über die Männer zu brechen. Karl Branner und Willi Seidel schwiegen stattdessen ihr Leben lang. Sie lebten auch von ihrem guten Ruf. Der dürfte nun beschädigt sein.

Die Stadt wird mit ihren Aushängeschildern, mit deren Namen sie Gebäude und Brücken schmückte, nun anders umgehen müssen.

E-Mail an den Autor: tho@hna.de

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