Kritik an aufgemalten Schutzstreifen für Radfahrer - Ruf nach sicheren Alternativen

Mehr Radverkehr, aber wie?

Umstritten: Aufgemalte Schutzstreifen wie hier in der Tischbeinstraße reichen nach Meinung von Kritikern nicht aus, um mehr Menschen zum Umstieg aufs Rad zu bewegen. Für das Foto ist unser Mitarbeiter Lasse Deppe aufs Rad gestiegen. Archivfoto: Koch

kassel. Beim Radverkehr rumpelt’s: Nach Verkehrsplanern melden sich nun auch Stadtteilvertreter kritisch zu Wort. Bedenken gibt es vor allem gegen die gestrichelten Schutzstreifen, die derzeit vielerorts im Stadtgebiet auf die Fahrbahnen gemalt werden. Wilfried Bonnet (Grüne), stellvertretender Ortsvorsteher von Süsterfeld-Helleböhn, spricht von einem preisgünstigen Schnellschuss, der nicht viel Wirkung zeige.

Um den Radverkehr bei allen Generationen zu fördern, müsse es deutlich sichere Radwege geben, bei denen sich Radfahrer, Autofahrer und Fußgänger nicht in die Quere kommen. „So lange man im städtischen Straßenverkehr hauptsächlich junge und sportliche Radfahrer erlebt, ist dieses Ziel bei Weitem noch nicht erreicht“, sagt Bonnet.

Markierung schützt kaum

Schutzstreifen, die von Autofahrern überfahren werden dürfen, stellten für viele Radfahrer keinen wirklichen Schutz dar. Auf engen, verkehrsreichen Straßen mit Parkstreifen am Rand seien viele zu Recht zu ängstlich, um aufs Rad zu steigen. „In vielen Fällen müssen endlich auch bauliche Maßnahmen ergriffen werden, um Radwege entlang der wichtigen Verkehrsstraßen attraktiv und sicher zu bauen, Radfahrer auch weg von Fußgängern zu bringen und ein fahrradfreundliches Kassel zu entwickeln“, sagt Bonnet. Dies gelte auch für den geplanten Radweg an der Eugen-Richter-Straße. „Es wäre ein Schildbürgerstreich, diese Straße in Richtung des Grünstreifens zu verbreitern, um dann dort einen Radweg als bloßen Schutzstreifen aufzumalen“, sagt Bonnet.

„Ein richtiger Radstreifen ist besser“, sagt Harald Doenst (SPD), Ortsvorsteher in der Südstadt. „Das ist die optimale Lösung.“ Radstreifen dürfen von Autofahrern nicht überfahren werden. Allerdings müssten sie durchgängig verlaufen und dürften nicht unterbrochen   werden,    sagt Doenst. Auf eigenen Radwegen werde man von Autofahrern, die abbiegen, oft übersehen. Ein richtiger Radweg sei nur dann sinnvoll, wenn er nicht neben der Straße verlaufe.

Wolfgang Rudolph (SPD), Ortsvorsteher im Vorderen Westen, sieht das Problem vor allem im Zuschnitt der Straßen. Diese seien meist zu eng, um allen Verkehrsteilnehmern gerecht zu werden. Das dürfe aber nicht dazu führen, dass Radverkehr auf Gehwege verlagert werde. Dies sei „sehr problematisch. Wir möchten das bei Neuplanungen weitgehend vermieden haben. Wir haben gute Erfahrungen mit Radstreifen gemacht“, sagt Rudolph.

Platznot schafft Probleme

„Radfahrer sollen runter von den Bürgersteigen“, sagt der Unterneustädter Ortsvorsteher Joachim Schleißing (Grüne). Allerdings könne man auch keine Häuser abreißen, um mehr Platz zu schaffen. „Es gibt kein Generalrezept“, sagt Schleißing. „Wir müssen Lösungen suchen, die alltagstauglich sind.“ Fotos: Ulbrich/Hein/Koch/nh DAS SAGT

Von Ellen Schwaab

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