Mehr Radverkehr in Kassel auf Kosten der Fußgänger?

Kassel. Nach Versäumnissen in der Vergangenheit wird der Radverkehr in Kassel verstärkt gefördert. Sein Anteil am Stadtverkehr soll in den nächsten Jahren auf 14 bis 15 Prozent steigen und sich damit verdoppeln.

Fachleute wie der Kasseler Verkehrsplaner Andreas Schmitz sehen die Entwicklung auch mit Sorge.

Sie warnen vor einer zunehmenden Benachteiligung von Fußgängern. Konflikte seien programmiert, wenn Rad- und Gehwege nicht klar getrennt würden. Auch die Freigabe der Karlsaue und der Fußgängerzone in der Innenstadt für Radfahrer sei kritisch zu bewerten.

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Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) und der Kasseler Behindertenbeirat sprechen sich ebenfalls für eine klare Trennung aus. „Der Radverkehr gehört auf die Straße“, sagt ADFC-Vorsitzender Gerhard Peter. Gemeinsame Fuß- und Radwege seien nur bei ausreichender Breite und deutlicher Kennzeichnung vertretbar. Im Straßenverkehr müssten alle Rücksicht auf die schwächsten Verkehrsteilnehmer, also Fußgänger, Kinder, alte und behinderte Menschen, nehmen.

Gerade diese könnten sich auf Gehwegen nicht mehr frei bewegen, kontern die Kritiker. Für viele Senioren stelle der Radverkehr das Hauptproblem dar. Seine Förderung dürfe nicht zulasten der Fußgänger gehen. Um Konflikte mit Fußgängern zu vermeiden, sollten Radwege auch im Bereich von Haltestellen unterbrochen werden, fordert der Vorsitzende des Behindertenbeirats, Helmut Ernst. Zudem sollten die Streifen des Ordnungsamtes mehr Präsenz in der Stadt zeigen, um Verstöße zu ahnden.

Separate Zahlen über Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern und Fußgängern hat die Polizei nicht. „Die Verkehrsmoral hat generell nachgelassen“, sagt Jürgen Schnittger, Leiter des Verkehrsdienstes. Stadtbaurat Christof Nolda weist die Kritik zurück. „Wir versuchen, den Radverkehr dem Auto anzupassen.“

Von Ellen Schwaab

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