Hälfte der Metall- und Elektro-Unternehmen kann Fachkräftestellen künftig nicht planmäßig besetzen

Mehr für Standort Nordhessen werben

Herbstumfrage: Klemens Diezemann (von links), Carsten Rahier und Axel Freitag stellten die Ergebnisse vor. Foto: Konrad

Kassel. 2011 wird nach den Einbrüchen durch die Finanzkrise ein erfolgreiches Jahr für die nordhessischen Metall- und Elektro-Unternehmen. „Die Produktion befindet sich in den meisten Unternehmen wieder auf Vorkrisenniveau“; sagt Carsten Rahier, stellvertretender Vorsitzender des Verbands der Metall- und Elektro-Unternehmen in Nordhessen (M + E).

Am Dienstag stellte der Verband die Ergebnisse seiner traditionellen Herbstumfrage unter den Mitgliedsunternehmen vor.

Der Schwung, mit dem sich die Branche im vergangenen Jahr entwickelt hat, lässt laut Rahier jedoch spürbar nach. Euro-Krise, Staatsverschuldung und die Achterbahnfahrt an den internationalen Börsen führten zu einer Verunsicherung der Unternehmen. Vor allem die politische Situation macht den Betrieben offenbar zu schaffen. Die Politik müsse endlich eine klare Marschrichtung vorgeben, fordert M + E-Geschäftsführer Klemens Diezemann. Stiegen die Investitionen in diesem Jahr noch bei 30 Prozent der befragten Unternehmen, sei dies im kommenden Jahr nur noch bei 20 Prozent der Fall.

Mit einer Rezession rechnet Rahier nicht. Denn immerhin blicken laut der Umfrage zwei Drittel der Unternehmen positiv in die Zukunft. Dennoch sei die allgemeine politische Situation um den Euro Grund zur Sorge. „Nur eine schnelle Beruhigung in diesem Bereich kann dazu beitragen, dass unsere Exportzahlen das hohe Niveau halten“, sagte Rahier. Die europäischen Staaten sind die Hauptabnehmer der nordhessischen Metall- und Elektro-Unternehmen, allen voran Frankreich mit zehn Prozent. Der Fachkräftebedarf war ein weiteres Thema der Umfrage. Die Hälfte der Unternehmen wird Fachkräfte- und Akademikerstellen nicht mehr planmäßig besetzen können. „Nur bei den Auszubildenden ist die Situation noch weitgehend entspannt“, sagte Diezemann. Das melden 79 Prozent der befragten Betriebe. Bei Auszubildenden und allgemeinen Fachkräften wurden als Grund für die Nichtbesetzung die zu geringe Qualifikation angegeben, bei den Akademikern die geringe Bewerberzahl. Um Akademiker vor allem in die mittelständischen Unternehmen zu locken, hält Diezemann eine Verbesserung des Standortmarketings für Nordhessen für nötig sowie eine Verbesserung der Infrastruktur vor allem für ländliche Regionen wie den Werra-Meißner-Kreis. Die Unternehmen müssen sich laut Axel Freitag, zweiter stellvertretender M + E-Vorsitzender, etwa mit flexiblen Arbeitszeitmodellen, Kinderbetreuungsangeboten oder durch die Unterstützung der Arbeitsplatzsuche für Lebenspartner auf die Bedürfnisse akademischer Fachkräfte einstellen. Diesbezüglich sei für mittelständische Unternehmen die Bildung von Netzwerken sinnvoll. (mkx)

HINTERGRUND

Von Mirko Konrad

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