Viele wollen an die Uni

Mehr Stellen als Bewerber: Firmen müssen um Lehrlinge kämpfen

Kassel. Viele junge Menschen wollen an die Uni, immer weniger wollen als Stift eine Lehre machen. In Stadt und Kreis Kassel gibt es laut Arbeitsagentur längst mehr Ausbildungsstellen als Bewerber.

Firmen müssen um ihren Nachwuchs und um die besten Köpfe kämpfen.

Das frühere Verhältnis von viel mehr Bewerbern als Lehrstellen sei bereits 2014/15 (1744 Stellen, 1591 Bewerber) umgekippt, sagt Arbeitsagentursprecherin Silke Sennhenn: „Viele Unternehmen suchen händeringend Nachwuchs.“ Ende 2016 waren der Agentur 1709 Lehrstellen und 1447 Bewerber gemeldet.

Dass in den vergangenen Jahren immer weniger Kinder geboren wurden und es jetzt entsprechend weniger Schulabgänger gibt, ist ein Grund für die Nachwuchsprobleme in der Wirtschaft. Der Bewerbermangel hat auch damit zu tun, dass immer mehr junge Menschen das Abitur und ein Studium anstreben.

Der Trend zu höheren Berufsabschlüssen beschränke die Menge der Bewerber, erklärt Dr. Michael Ludwig, Geschäftsführer der IHK-Aus- und Weiterbildung.

Auch im Handwerk bleiben zu viele Lehrstellen unbesetzt. Deshalb sei die Nachwuchssicherung und Nachwuchswerbung ein Schwerpunkt der Arbeit, erklärt Jürgen Müller, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer.

Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt spitze sich immer weiter zu, sagt Detlef Hesse, Leiter der Arbeitsagentur Kassel. Einigen Branchen falle es immer schwerer, freie Ausbildungsplätze zu besetzen. 500 Lehrstellen wurden 2016 storniert, weil es keine geeigneten Bewerber gab.

Fast ein Drittel jedes Jahrgangs hat heute das Abi oder die Fachhochschulreife in der Tasche. Viele beginnen ein Studium, scheitern aber an den hohen Anforderungen. Unternehmen, Kammern und Arbeitsagentur versuchen, solche Studienabbrecher doch noch für eine Lehre zu gewinnen.

Rubriklistenbild: © p icture alliance / dpa

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