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Mehr Strom und Fernwärme: Müllheizkraftwerk wird für 30 Millionen Euro ausgebaut

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Von: Bastian Ludwig

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Wird in den nächsten Jahren modernisiert: Im Müllheizkraftwerk Kassel (MHKW) können künftig bis zu 250 000 Tonnen Müll pro Jahr verbrannt werden. Aktuell werden jährlich 190 000 Tonnen verbrannt.
Wird in den nächsten Jahren modernisiert: Im Müllheizkraftwerk Kassel (MHKW) können künftig bis zu 250 000 Tonnen Müll pro Jahr verbrannt werden. Aktuell werden jährlich 190 000 Tonnen verbrannt. © Fischer/ Skypic

Das 1968 erbaute Müllheizkraftwerk (MHKW) steht vor der größten Investition der vergangenen Jahrzehnte. So schildert es jedenfalls der kaufmännische Geschäftsführer Mark Eppe.

Kassel - 30 Millionen Euro werden bis 2025 in den Umbau des Standorts investiert. Das Ziel der technisch anspruchsvollen Modernisierung ist es, die Leistung des Kraftwerks, das je nach Bedarf Strom wie Fernwärme produzieren kann, um 20 Prozent zu erhöhen. Aktuell kann es bis zu 28 000 Zwei-Personen-Haushalte mit Strom versorgen.

Die Pläne für das Vorhaben existieren schon seit ein paar Jahren. Aber mit dem Ukraine-Krieg und der damit verbundenen Energiekrise gewinnt die Erweiterung der Kapazität noch an zusätzlicher Bedeutung. „Wir müssen uns von fossilen Energieträgern lösen und das ist ein Baustein, unabhängiger bei der Versorgung von Strom und Wärme zu werden. Weitere müssen folgen“, sagt Abfalldezernent Dirk Stochla (SPD).

Die Ausgangslage für den Ausbau der Kraftwerksleistung ist gut. Anders als in den 90er-Jahren gebe es genug Abfallmengen am Markt, so Eppe. Entsprechende Verträge sind bereits geschlossen. Die Zulieferer sind Entsorger aus der Region. Den Müll über weitere Strecken zu transportieren, sei ohnehin nicht wirtschaftlich. Das MHKW wird nur mit Abfall betrieben, lediglich zum Hochfahren der Anlage – beispielsweise nach der jährlichen Revision – wird Öl benötigt. Bei der geplanten Modernisierung geht es vor allem darum, die Leistung der beiden Kessel zu erhöhen. Künftig sollen darin gut 250 000 Tonnen pro Jahr verbrannt werden können. Dafür wird etwa das Förderband, das aktuell jährlich 190 000 Tonnen Müll in die Anlage transportiert, durch einen Kolbenschieber ersetzt, der den Abfall in die Verbrennung schiebt. Der Kolben sei platzsparender, wodurch der frei werdende Raum für eine Kesselerweiterung genutzt werden könne, erläutert Betriebsleiter Jörg Parthen. Und weiter: „Wir wollen mehr Wärme erzeugen und diese noch schneller rausholen.“

Anlagenschema: Links ist der Bunker zu sehen, in dem der Müll gesammelt wird, daneben (rot) der Kessel und rechts (blau) die Rauchgasreinigung. Illustration: MHKW
Anlagenschema: Links ist der Bunker zu sehen, in dem der Müll gesammelt wird, daneben (rot) der Kessel und rechts (blau) die Rauchgasreinigung. Illustration: MHKW © MHKW

Was in der Theorie einfach klingt, sei praktisch eine Herausforderung, sagt Kraftwerksleiterin Gudrun Stieglitz. Zunächst müsse das Regierungspräsidium die entsprechenden Genehmigungen erteilen. Damit rechne sie im Sommer 2023.

Anschließend müsse der beauftragte Generalunternehmer, die Firma HZI Steinmüller aus Gummersbach, die Anlage im laufenden Betrieb modernisieren. Der erste Kessel soll zwischen März und September 2024 umgebaut werden, der zweite ein Jahr später. So soll gewährleistet werden, dass das Kraftwerk in der Umbauphase mit halber Kapazität weiterlaufen kann. Der anfallende Müll werde in der Zwischenzeit teils gelagert, teils an andere Kraftwerke abgegeben.

Wenn alles nach Plan läuft, funktioniert der geschlossene Wasser-Dampf-Prozess in der Anlage auch nach dem Umbau ohne Probleme und treibt die Turbine an. Für die Emissionen habe die Umrüstung keine Auswirkungen. Denn auch die Rauchgasreinigung, die aus drei Reinigungsstufen besteht, werde angepasst. Bereits jetzt lägen die Emissionen weit unter den Grenzwerten. (Bastian Ludwig)

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