Experten warnen: Kontakt vermeiden

Immer mehr Waschbären in der Innenstadt: Sie haben immer Kohldampf

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Gefangen in der Bio-Tonne: Dieser junge Waschbär hat sich in Kirchditmold an Gemüseresten gütlich getan, kam aber nicht aus eigener Kraft wieder heraus. Er wurde vom Hauseigentümer aus seiner misslichen Lage befreit und veschwand dann blitzschnell im Gebüsch.

In Kassels Innenstadt tummeln sich immer mehr Waschbären und suchen Futter. Immer wieder melden sich Anwohner, die mit den Hinterlassenschaften der Tiere zu kämpfen haben. 

Helga Engelke hört auf ihrem idyllischen Hanggrundstück zwischen Wilhelmshöher Allee und Tischbeinstraße oft nur noch den Verkehrslärm. Darunter mische sich das Kreischen der Krähen und das Gurren der Tauben. Weiteres Vogelgezwitscher? Fehlanzeige. „Wir haben hier bald keine Vögel mehr“, sagt die Vorsitzende des Kasseler Seniorenbeirats. Der Grund ist pelzig, aber eben nur bedingt putzig: Waschbären.

„Die Waschbären holen alle Vogeleier aus den Nestern“, sagt Engelke. Erst voriges Jahr hätten sich mehrere Tiere auf ihrem Dachboden eingenistet. „Ich habe erst nur Geräusche gehört. Dann berichtete mir ein Nachbar, dass er einen Waschbär gesehen habe, der aus unserem Schornstein herauslugte“, berichtet Engelke. Sie habe den Dachboden anschließend total sanieren müssen. Ihr Haus ist ideal für die begnadeten Kletterer: schön verwinkelt, mit einer Fassade aus Rauhputz, der Halt gibt und bestanden mit vielen Bäumen, deren ausladenden Äste ein gutes Sprungbrett zum Gebäude hin abgeben.

Engelke zeigt auf die beiden hohen über 100 Jahre alten Steineichen auf ihrem Grundstück. „Dort habe ich bis vor ein paar Tagen jeden Morgen und Abend den Waschbären gesehen“, erzählt sie. Eine breite Urinspur auf dem Stamm deutet auf die Anwesenheit des pelzigen Gesellen hin. „Ich habe Angst, dass der Baum abstirbt“, sagt Engelke. Auch auf dem Holzgerüst des Balkons sind Kratzspuren zu sehen. Nachbarn hätten beobachtet, „wie der Waschbär eine Taube gekascht hat.“ Wenn das Bejagen der lästigen Tiere nichts bringe, könne man doch „Anti-Baby-Pillen“ als Köder auslegen, um das Wachsen des Bestands einzudämmen. Davon hält Uwe Zindel, Leiter des Forstamts Wolfhagen, überhaupt nichts. Denn solche Köder würden auch von anderen Wildtieren gefressen. Das bringe die Population im Wald insgesamt durcheinander.

Abstand halten

Zindel rät, Abstand zu den Waschbären zu halten, weil diese gefährliche Krankheiten übertragen können, und in schwierigen Fällen einen Waschbär-Spezialisten hinzuzuziehen. Waschbär-Urin könne den Bäumen übrigens nicht schaden. Der Bestand sei dieses Jahr wohl auf gleichem Niveau wie im Vorjahr.

„Wildtiere lassen sich nicht zählen“, ergänzt Kollege Theo Arend vom Forstamt Wolfhagen. Aber aufgrund der verbesserten Lebensbedingungen – der Wald biete derzeit jede Menge Totholz, die Bebauung rücke immer näher an die Wälder heran – sei davon auszugehen, dass die Population wachse. Er warnt noch einmal ausdrücklich davor, Tiere zu fangen. Dies sei aus tierschutzrechtlichen Gründen ebenso wie das Aussetzen im Wald verboten. Auch Jagdpächter seien gezwungen, gefangene Tiere zu töten. Arend rät, den Waschbären den Zugang zu Grundstücken und Häusern so schwer wie möglich zu machen: Kletterbäume mit glatten Manschetten versehen, Mülltonnen sichern und Komposthaufen abdecken. Er resümiert: „Es liegt am Menschen, nicht am Tier.“

Häufige Beschwerden

Laut Auskunft des Landkreises Kassel wurden im Jagdjahr (Beginn 1. April) 2017/2018 genau 2586 getötete oder verendete Waschbären gemeldet, im Jagdjahr darauf 2312. Eine Tendenz für 2019 sei noch nicht absehbar. In der Stadt Kassel wurden erheblich weniger Waschbären erlegt. 92 waren es in 2017 und 80 im vergangenen Jahr. „Fragen oder Beschwerden gehen hier häufig ein“, sagt Pressesprecher Michael Schwab. Allein vergangene Woche seien es drei gewesen.

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