Meinungen über längere Aufbahrungsfrist für Verstorbene bei Bestattern geteilt

Streit um Aufbahrungsfrist für Verstorbene

Für mehr Zeit: Bestatter Dominik Kracheletz befürwortet eine längere Aufbahrungsfrist, damit Angehörige in Ruhe Abschied nehmen können. Foto: Herzog

Kassel. Sind die Aufbahrungsfristen für Verstorbene in Hessen zu kurz? Die Meinungen dazu sind bei hiesigen Bestattern geteilt. Dominik Kracheletz, Chef des gleichnamigen Kasseler Unternehmens und Vorsitzender des Bestatterverbands Hessen, befürwortet eine Fristverlängerung von vier auf zehn Tage.

Diese fordert auch die Interessenvertretung der bestattenden Tischler. Jürgen Rehs, Leiter der Kasseler Friedhofsverwaltung, sieht dagegen keine Notwendigkeit, die Fristen zu verändern. Er hält die Argumente der Befürworter für vorgeschoben. „Es geht ums Geldverdienen“, sagt Rehs. Das Einbalsamieren der Leiche bringe den Bestattern zusätzliche Einnahmen. Erdbestattungen machen laut Rehs in Kassel nur noch 35 Prozent aus.

„Ganz oft schaffen wir es nicht, die 96 Stunden einzuhalten“, argumentiert Kracheletz. Die geltende Frist bis zur Bestattung sei zu knapp. Eine Verlängerung auf zehn Tage sei deshalb sinnvoll. „Dann haben wir nicht so viel Druck.“ Die Lebensumstände der Menschen hätten sich geändert, sagt der Bestattermeister. Die Angehörigen wohnten nicht mehr wie früher alle in derselben Stadt. Sie könnten nicht mehr am gleichen Tag Abschied von dem Verstorbenen nehmen. In seinem Betrieb werde er fast wöchentlich mit diesem Problem konfrontiert. Zwar werde eine Fristüberschreitung geduldet, weil es oft nicht anders gehe. Es sei aber allemal besser, neue Fristen festzusetzen.

Michael Gobrecht Landsiedel, Inhaber des Bestattungsinstituts Gobrecht, ist anderer Meinung. „Ich sehe keine Veranlassung, die Fristen auszudehnen.“ Das Gesetz lasse genügend Spielräume (siehe Hintergrund). „Die Angehörigen möchten alsbald Abschied nehmen“, sagt er. Eine offene Aufbahrung über mehrere Tage wie in Süddeutschland sei in Hessen auch gar nicht zulässig.

„Wir sind immer ganz gut zurechtgekommen“, sagt Ingrid Posthoff-Rudloff, Inhaberin des Bestattungsunternehmens Buhle. Wegen der bestattungsfreien Tage auf den Friedhöfen lasse sich die Frist nicht immer einhalten. Dank der technischen Möglichkeiten sei eine längere Aufbahrung aber kein Problem mehr.

„Wenn’s länger dauert als normal, dann kostet es auch mehr“, gibt Jürgen Rehs von der Friedhofsverwaltung zu bedenken. Der Leichnam müsse gekühlt oder gar tiefgefroren werden. Wenn die Kühlkette nicht unterbrochen werde, verzögere sich die Verwesung und die Fristen könnten entsprechend überschritten werden. Allerdings komme es höchstens zehnmal im Jahr vor, dass Angehörige verhindert seien und deshalb eine längere Aufbahrung wollten.

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