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Brüder-Grimm-Platz wird umgestaltet: Knappe Mehrheit für Kiefern und mehr Grün

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Von: Matthias Lohr

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Jahrelang umstritten: Der Brüder-Grimm-Platz am Landesmuseum an der Wilhelmshöher Allee soll neu gestaltet werden. Im Stadtparlament gab es dafür aber nur die knappste denkbare Mehrheit. Archi
Jahrelang umstritten: Der Brüder-Grimm-Platz am Landesmuseum an der Wilhelmshöher Allee soll neu gestaltet werden. Im Stadtparlament gab es dafür aber nur eine knappe Mehrheit. © Thomas Siemon

Jahrelang wurde über den Brüder-Grimm-Platz in Kassel gestritten. Nun ist klar: Er soll umgestaltet werden. 70 Kiefern werden gepflanzt. Doch im Stadtparlament gab es auch viel Kritik.

Kassel – Volker Zeidler hatte sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, wie er hinterher sagte. Das ganze Wochenende hatte der SPD-Stadtverordnete gegrübelt, ob er zum ersten Mal in seiner langen kommunalpolitischen Karriere gegen seine Fraktion stimmen sollte. Montagabend hat er es dann getan.

Es ging um die umstrittene Neugestaltung des Brüder-Grimm-Platzes, über die in der Stadt seit Jahren hitzig diskutiert wird. Zeidler begründete seine Ablehnung mit Verkehrsproblemen, die durch die Umgestaltung entstünden. Und er sagte: „Ich bin nicht bereit, Stadtbaurat Christof Nolda ein Denkmal zu setzen.“

Kassel: Knappe Mehrheit für die Umgestaltung

Auch seine Fraktionskollegen Patrick Hartmann und Petra Ullrich wollten das vom Grünen-Dezernenten vorangetriebene Projekt nicht unterstützen. Sie blieben der von der AfD beantragten namentlichen Abstimmung fern. So gab es am Ende bei 62 anwesenden Stadtverordneten nur eine knappe Mehrheit: 33 waren dafür (alle Grünen und der Großteil der SPD), 20 dagegen und 9 enthielten sich.

Damit ist der Weg frei für die zehn Millionen Euro teure Umgestaltung, die der Bund mit 6,5 Millionen Euro fördert. Die Pläne des Kölner Büros Club L 94 sehen die Pflanzung von 70 Kiefern vor. Vom ursprünglichen Märchenwald, der im Siegerentwurf vorgesehen war, ist nur ein Teil übrig geblieben. Zu groß war die Kritik, die man bis heute auch in vielen Leserbriefen der HNA nachlesen kann.

Kassel: Mehr Grünflächen am Brüder-Grimm-Platz

Dagegen ist der modifizierte Entwurf für Lucian Hanschke von den Grünen „eine einzigartige Lösung“ für „einen einzigartigen Platz“. Eine Kommilitonin habe ihm in der Planungsphase gestanden, sie habe erst durch den Wettbewerb erfahren, dass der Brüder-Grimm-Platz ein Platz sei. Dies sage viel über den jetzigen Zustand aus, der zum großen Teil aus Verkehrsraum besteht.

Mit dem neuen Entwurf könnten viele Bäume des Bestands erhalten werden. Es würden 70 neue klimaangepasste Bäume gepflanzt. Die Grünflächen würden um 35 Prozent erhöht. So werde der Brüder-Grimm-Platz „schöner und zukunftsfähig“. Auch Mario Lang (SPD) glaubt, dass „langfristig wunderbare Orte zum Verweilen entstehen“. Die berechtigte Kritik sei eingearbeitet worden. Das von Nolda verantwortete Beteiligungsprojekt sei vorbildlich gewesen.

Brüder-Grimm-Platz in Kassel wird umgebaut: Kritik von CDU und AfD an Plänen

Dem widersprach CDU-Oberbürgermeisterkandidatin Eva Kühne-Hörmann. Das Beteiligungsmanagement habe die Bevölkerung nicht erreicht. In den vergangenen Jahren habe es in Kassel kaum ein anderes Projekt gegeben, über das so viel gestritten worden sei. Die ehemalige Landesministerin kritisierte nicht nur die notwendigen Bewässerungen, die in trockenen Sommern erhebliche Kosten verursachen könnten, sondern auch die geänderte Verkehrssituation, die zu Konflikten führen werde.

Sven R. Dreyer von der AfD nannte das Projekt sogar „völlig verantwortungslos“, da eine wichtige Verkehrsverbindung aus dem Westen Richtung Innenstadt zerstört werde. Im Detail geht es um den Linksabbieger an der Rathauskreuzung, der wegfallen soll, um Platz für Fußgänger und Radfahrer zu schaffen.

Es soll jedoch weiter eine Wendemöglichkeit vor dem Brüder-Grimm-Platz geben. Diese Dauerlösung ist für Sozialdemokrat Zeidler gefährlich und „völlig widersinnig“. Gegenüber der HNA beklagte er hinterher, dass in der Fraktion nicht über das Projekt diskutiert worden sei. Auch Hartmann, der wie Zeidler und Ullrich zum rechten Flügel in der zerstrittenen SPD-Fraktion gehört, äußerte diese Kritik. Trotzdem beteuerten alle drei Sozialdemokraten, die gegen ihre Fraktion votierten, ihr Abstimmungsverhalten habe nichts mit dem Flügelstreit in der Partei zu tun. (Matthias Lohr)

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