Verteidigung zweifelt Aussagen von Zeugen zur AKP an

Mordprozess Savasci: Es geht um Glaubwürdigkeit

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Ist der Angeklagte nur Sympathisant oder Mitglied der AKP? Die beiden Verteidiger Sven Schoeller und Gabriele Steck-Bromme wollen mit einem Beweisantrag zu diesem Thema die Glaubwürdigkeit von zwei Zeugen erschüttern. Das Paar aus Hamburg war am Samstag vor Mehtap Savascis Verschwinden in ihrer Wohnung auf den Angeklagten getroffen.

Kassel. Was hat die türkische Regierungspartei AKP mit dem Kasseler Mordprozess Savasci zu tun? Er verstehe die Verbindung nicht, sagte Volker Mütze, Vorsitzender Richter der Sechsten Strafkammer, zu den beiden Verteidigern des 51-jährigen Mannes aus Maintal. Der ist angeklagt, seine Schwester Mehtap Savasci im vergangenen Oktober getötet zu haben.

Der Mann ist angeklagt, seine Schwester Mehtap Savasci im vergangenen Oktober getötet zu haben. Pflichtverteidigerin Gabriele Steck-Bromme hatte bereits am Montag beantragt, dass der Generalsekretär der AKP, Abdulhamit Gül aus Ankara, Zeugnis darüber ablegen soll, dass der Angeklagte kein Mitglied in der türkischen Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei von Präsident Recep Tayyip Erdogan ist.

Indizienprozess

MehtapSavasci

„Wir haben es mit einem Indizienprozess zu tun“, trug der zweite Verteidiger Sven Schoeller zur Erklärung des Antrags seiner Kollegin bei. In dem Verfahren hätten bislang eine Reihe von Zeugen Dinge nur vom Hörensagen ausgesagt. Es gehe um die Frage, ob man diese Aussagen für bare Münze nehmen könne. Und um die Glaubwürdigkeit der Zeugen beziehungsweise darum, ob Mehtap Savasci diesen Menschen zu Lebzeiten die Wahrheit über ihren ältesten Bruder erzählt habe.

Hier kommt wieder die AKP ins Spiel. In der vergangenen Woche hatten zwei Freunde aus Hamburg, die Mehtap am Samstag vor ihrem Verschwinden in Kassel besucht hatten, ausgesagt, dass der Angeklagte an diesem Abend ebenfalls in der Wohnung gewesen war. Die Hamburgerin berichtete, dass der Angeklagte einen AKP-Anstecker getragen habe. Und ihr Mann ergänzte, Mehtap habe ihm erzählt, dass ihr Bruder sich stark verändert habe, seitdem er der AKP beigetreten sei.

Anhand dieser Aussage will die Verteidigung die Glaubwürdigkeit der Zeugen erschüttern und hat deshalb den Beweisantrag zur AKP-Mitgliedschaft gestellt. Der 51-Jährige sei kein Mitglied und wenn dies bewiesen sei, bedeute das, dass die Zeugen die Unwahrheit gesagt hätten.

Erdogan-Schal im Auto

Ob der Angeklagte einen Anstecker der Partei getragen habe, darüber könne aber auch der Generatsekretär der AKP keine Auskunft geben, merkte der Vorsitzende Richter Mütze an. Allerdings konnte Staatsanwältin Alena Hartwig-Asteroth etwas zu diesem Thema beitragen. Sie war die Fotos auf einem der sichergestellten Handys des Angeklagten noch einmal durchgegangen. Auf einem Bild trägt dieser ein Jacket mit AKP-Anstecker. Auf einem anderen ist ein Audi abgebildet, in dessen Heck ein Schal mit dem Gesicht Erdogans hängt.

Nach Vorlage dieser Fotos warf Verteidiger Schoeller der Staatsanwältin vor, „Stimmung zu machen“. Diese wies das entschieden zurück. Mit der Vorlage der Fotos habe sie nur auf den AKP-Beweisantrag und dessen Begründung reagiert.

Über die Zulassung des Antrags muss die Schwurgerichtskammer noch entscheiden. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

Anklage: „Familiärer Streit“ als Motiv

Der Angeklagte aus Maintal, der 51-jährige Bruder der getöteten Mehtap Savasci, steht im dringenden Verdacht, seine Schwester an einem Ort zwischen Kassel und Wiesbaden durch zwei Schüsse in die Brust getötet zu haben. Die Staatsanwaltschaft Kassel geht davon aus, dass „familiäre Streitigkeiten das Motiv der Tat“ waren. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, dass er seine 40-jährige Schwester am 7. Oktober 2014 vor ihrer Wohnung an der Pfeifferstraße im Kasseler Stadtteil Wehlheiden entführt und anschließend mit zwei Schüssen getötet hat. Laut Staatsanwaltschaft nutzte der Verdächtige für die Entführung einen weißen VW Caddy mit Offenbacher Kennzeichen. Die Leiche von Mehtap Savasci war am 7. November 2014 in einem Kleingartengelände in Wiesbaden gefunden worden. Der Kleingarten gehört dem Schwiegersohn des Angeklagten.

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