Mordprozess Savasci

"Herr Richter, wie kann es sein, dass ein Mann so viel lügen kann?“

Er ist angeklagt, seine Schwester ermordet zu haben: Der 51-Jährige schweigt bislang zu den Vorwürfen. Zeichnung:  Reinckens

Kassel. „Herr Richter, wie kann es ein, dass ein Mann so viel lügen kann?“ Diese Worte richtete eine Frau aus dem Zuschauerbereich des Saals D130 des Kasseler Landgerichts an Volker Mütze, den Vorsitzenden Richter der sechsten Strafkammer.

Die Frau, der ihre Aufregung am Dienstagvormittag sichtlich anzumerken war, hatte sich erhoben, weil sie die Aussage des Geliebten von Mehtap Savasci so nicht hinnehmen wollte. Die Frau, die bereits selbst als Zeugin in dem Mordprozess ausgesagt hatte, war eine enge Freundin der getöteten Mehtap Savasci.

Nach deren Verschwinden im Oktober vergangenen Jahres habe sie sich auch lange mit dem Geliebten ihrer Freundin unterhalten, so die 33-Jährige, die von dem Richter erneut in den Zeugenstand berufen wurde. Und damals hätten sie auch thematisiert, dass Mehtap wegen der Beziehung zu ihm – einem verheirateten Mann – große Probleme mit ihrer Familie gehabt habe. Sie sei sogar und auch von dem Schwiegersohn ihres Bruders – dem Angeklagten – bedroht worden.

Von Problemen hatte der 47-jährige Mann, der vor Gericht angab, seit sieben bis acht Jahren eine Beziehung zu Mehtap gehabt zu haben, in der Tat wenig berichtet. „Über ihre Familie haben wir nie viel gesprochen. Keine Ahnung, ob ich Thema in ihrer Familie war“, so der Mann, der unaufgeregt bei seiner Aussage wirkte.

Richtig sei, so der 47-Jährige, dass er sich am Samstag, 4. Oktober 2014, in der Wohnung von Mehtap in Wehlheiden aufgehalten habe. Plötzlich sei ihr älterer Bruder (der heute 51-jährige Angeklagte) aufgetaucht, den er seit 25 Jahren kenne. „Er hat mich gesehen und gefragt, was ich hier mache. Dann hat er freundlich zu mir gesagt, dass ich hier nichts zu suchen hätte.“

Die 40-jährige Mehtap habe sich über die Worte ihres älteren Bruders sehr aufgeregt. Sie habe zu ihm gesagt, sie selbst bestimme, wer sie in ihrer Wohnung besuchen könne, so der 47-Jährige. Zudem habe sie ihrem Bruder an den Kopf geworfen, dass er ihr nichts mehr zu sagen habe.

Da ein Bruder aber eine Respektsperson sei und es unter Türken üblich sei, älteren Geschwistern immer mit Respekt zu begegnen, sei er der Aufforderung des Älteren gefolgt und habe die Wohnung verlassen. Mehtap habe ihm am nächsten Tag mitgeteilt, dass sie wegen ihm noch von ihrem Bruder eine Ohrfeige bekommen habe. Zudem hätte sie sich während des Streits kurzzeitig im Schlafzimmer eingeschlossen.

Am Montag, 6. Oktober, habe Mehtaps älterer Bruder ihn noch einmal angerufen und zu ihm gesagt, er dürfe keinen Kontakt mehr zu seiner Schwester haben, so der langjährige Liebhaber. „Ich sagte: Ja, können wir machen. Das, was er hören wollte, habe ich zu ihm gesagt. Ich wollte, dass sie keine Scherereien bekommt.“

Eine Tag später verschwand Mehtap Savasci, vier Wochen später wurde ihre Leiche entdeckt. 

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