Angehörige wohl nicht interessiert, Todesumstände aufzuklären

Mordprozess Savasci: Das Schweigen der Familie

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Der Angeklagte: Die Daten seiner Mobiltelefone belasten den 51-jährigen Mann schwer.

Kassel. In der Regel sind die Angehörigen von Gewaltopfern daran interessiert, die Umstände eines Todes aufzuklären. Nicht so im Fall der getöteten Mehtap Savasci.

Außer der 18-jährigen Tochter des Opfers hat wohl niemand aus der Familie Interesse daran, an der Wahrheitsfindung vor Gericht beizutragen.

Er schweigt: Bruder des Opfers und des Angeklagten.

Am Donnerstag haben ihre 29-jährige Nichte aus Wiesbaden, mit der die Getötete früher einmal ein enges freundschaftliches Verhältnis gehabt haben soll, und ihr 48-jähriger Bruder aus Kassel die Aussage vor der sechsten Strafkammer des Kasseler Landgerichts verweigert. Das Recht haben die beiden, da sie ebenfalls mit dem 51-jährigen Angeklagten verwandt sind: Der 48-jährige Arzt aus Kassel ist der jüngere Bruder des Angeklagten, die 29-jährige Studentin ist seine Tochter.

Liebevolle Blicke wirft der Angeklagte der mit einem Kopftuch bedeckten jungen Frau am Donnerstag zu. Der 51-Jährige sucht ohnehin häufig Blickkontakt zu seiner Familie, die seit Anfang der Woche in der hinteren Reihe des Saals D 130 den Prozess verfolgen kann (vorher war das noch nicht möglich, weil die Familie noch nicht in den Zeugenstand geladen war). Beim Verhandlungstag am Montag fragt er den Vorsitzenden Richter gar, ob er seine jüngere Tochter im Gerichtssaal umarmen dürfe, um ihr zu einer bestandenen Prüfung zu gratulieren.

Sie schweigt: Tochter des Angeklagten, Nichte des Opfers.

Gesten und Wünsche des Angeklagten, die bei seiner Nichte, der 18-jährigen Tochter der getöteten Mehtap Savasci, nicht gut ankommen und sie gestern in einer Verhandlungspause wieder zum Weinen gebracht haben.  Nach dieser Pause dürfte die Stimmung bei den Kindern und der Frau des Angeklagten vermutlich aber auch nicht mehr so gut gewesen sein. Denn durch die Aussage eines Ermittlers der Zentralen Analysestelle des Polizeipräsidiums Nordhessen wurde der Angeklagte aufgrund seiner Handydaten schwer belastet.

Ermittler können nämlich nicht nur nachvollziehen, in welchem Funknetz ein Handy eingeloggt gewesen ist, wenn damit telefoniert wurde oder eine SMS geschrieben worden ist. Datensätze werden bei internetfähigen Handys zudem in regelmäßigen Abständen erzeugt, sofern sie nicht abgeschaltet sind oder sich im Flugmodus befinden. So konnten die Ermittler den Weg der beiden Mobiltelefone des Angeklagten von Maintal nach Nordhessen und zurück nach Wiesbaden verfolgen.

Den letzten Datensatz von einem Handy der getöteten Mehtap Savasci gab es am 7. Oktober um 10.47 Uhr auf dem Heiligenberg an der A 7. Der Verbleib der beiden Mobiltelefone ist bis heute ungeklärt.

Der Prozess wird am 15. September fortgesetzt. 

Hintergrund: Entführt und getötet

Der Angeklagte aus Maintal, der 51-jährige Bruder der getöteten Mehtap Savasci, steht im dringenden Verdacht, seine Schwester an einem Ort zwischen Kassel und Wiesbaden durch zwei Schüsse in die Brust getötet zu haben.

Die Staatsanwaltschaft Kassel geht davon aus, dass „familiäre Streitigkeiten das Motiv der Tat“ waren. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, dass er seine 40-jährige Schwester am 7. Oktober 2014 vor ihrer Wohnung an der Pfeifferstraße im Kasseler Stadtteil Wehlheiden entführt und anschließend mit zwei Schüssen getötet hat. Laut Staatsanwaltschaft nutzte der Verdächtige für die Entführung einen weißen VW Caddy mit Offenbacher Kennzeichen.

Die Leiche von Mehtap Savasci war am 7. November 2014 in einem Kleingartengelände in Wiesbaden gefunden worden. Der Kleingarten gehört dem Schwiegersohn des Angeklagten.

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