Frankfurter Straße

Haft für Raubüberfall auf Lidl-Markt - „Mein Leben kaputtgemacht“

Kassel. „Dieser Mensch hat mein Leben kaputtgemacht“, sagte die Verkäuferin am Montag als Zeugin vor dem Landgericht. Sie war im November vergangenen Jahres Opfer eines Raubüberfalls, den ein 47-jähriger Kasseler auf einen Lidl-Markt an der Frankfurter Straße verübt hatte.

Seine Beute betrug 1600 Euro, doch viel größer ist der seelische Schaden, den er anrichtete. „Angst ist mein täglicher Begleiter“, beschrieb die 39-Jährige ihren Zustand.

An jenem Abend war der 47-Jährige mit einer Sturmhaube maskiert und einer Schreckschusspistole in der Hand gegen 21 Uhr in den Markt gekommen und hatte von der 39-Jährigen verlangt, ihm das Geld aus ihrer Kasse zu geben. Die Verkäuferin konnte sich, weil sie vermutlich unter Schock stand, nicht an den Code für ihre Kasse erinnern, rief eine Kollegin zu Hilfe, die ihre Kasse öffnete und Geld herausgab. Wenig später kam die Marktleiterin hinzu, die ebenfalls eine Kasse öffnete. Mit der Beute in einer Einkaufstüte verschwand der 47-Jährige in der Dunkelheit, doch er kam nicht weit. Eine Polizeistreife, die zufällig in der Nähe war, nahm in fest. Schon damals gestand er die Tat, auch vor Gericht räumte er alles ein.

Er habe an einer Depression gelitten, deshalb sei er in einer Klinik betreut worden. Wieder zu Hause, hätten sich Schulden offenbart, unter anderem eine Zuzahlung für die Krankenkasse und Heizkosten. „Ich musste etwas tun.“ Er sei die Frankfurter Straße entlang gelaufen, als ihm die Idee kam, den Lidl-Markt zu überfallen. „Ich weiß nicht, was mich da geritten hat.“ Alkohol hatte er, wie sich später herausstellte, nicht im Blut, auch keine Drogen. „Ich habe gehofft, dass ich nach dem Überfall meine Schulden bezahlen kann.“ Doch mit seiner Aktion verschaffte er nicht nur sich selbst, sondern auch den drei Verkäuferinnen erhebliche Probleme.

„Für mich war das Leben zu Ende“, schilderte die 39-Jährige ihre Begegnung mit dem Angeklagten an jenem Abend. Sie versucht, mit einer Therapie ihre Ängste in den Griff zu kriegen. Ihre Kollegin litt nach dem Überfall an Tinnitus, Herzrasen und Schlaflosigkeit. Bei der Filialleiterin, die bereits zwei Überfälle erlebt hat, sind die psychischen Folgen so heftig, dass auch ihre Familie darunter leidet.

Der Angeklagte entschuldigte sich bei den Frauen. Das Gericht gestand ihm zu, dass er bisher nicht vorbestraft ist, sich in einer Ausnahmesituation befunden und mit finanziellen Problemen zu kämpfen hatte. Doch zugleich müssten die erheblichen Folgen bei den Verkäuferinnen berücksichtigt werden. Für zweieinhalb Jahre muss er deshalb in Haft. Dier Staatsanwaltschaft hatte zwei Jahre mehr gefordert. (pas)

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa/dpaweb

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.