Drogeriemarkt-Kette

Modefirma aus Kassel wirft dm Ideenklau vor - „Nehmen Sie diese billige Kopie wieder vom Markt“

Kassel: Das Modelabel Melawear wirft der Drogeriekette dm Ideenklau vor.
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Kassel: Das Modelabel Melawear wirft der Drogeriekette dm Ideenklau vor.

Das Modelabel Melawear aus Kassel hat sich mit nachhaltiger Mode einen Namen gemacht. Besonders beliebt ist ein Rucksack, den die Drogeriekette dm kopiert haben soll.

Kassel – Auf den Rucksack „Ansvar I“ ist Henning Siedentopp vom Modelabel Melawear aus Kassel besonders stolz. Das knapp 100 Euro teure Modell sieht minimalistisch aus und ist laut dem Firmengründer der einzige Rucksack auf dem Markt, der Fairtrade- und Bio-Zertifizierungen erhalten hat. Auch deswegen wurde „Ansvar I“, was im Schwedischen „Verantwortung“ bedeutet, für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis nominiert. Und er ist ein Verkaufsschlager.

Doch nun hat Siedentopp bei dm ein Modell entdeckt, das seinem Rucksack täuschend ähnlich sieht und nur 14,90 Euro kostet. Das sei noch weniger, als Melawear für den nachhaltigen Ursprung zahle. Da dm für seinen Rucksack konventionelle Baumwolle „Made in China“ verwende, wirft der 36-Jährige dem Konzern aus Karlsruhe „Verbrauchertäuschung“ vor.

„David gegen Goliath“: Modelabel aus Kassel beschwert sich bei dm

In einem offenen Brief an dm-Chef Christoph Werner schreibt er: „Mit der Kopie der Marke Mela schmücken Sie sich mit unseren Werten. Sie täuschen Kund:Innen, die mit dem Kauf einen sozialen Beitrag leisten wollen.“ Und er fordert: „Nehmen Sie diese billige Kopie wieder vom Markt.“

Ihn soll die Dogeriekette dm kopiert haben: Der Rucksack „Ansvar I“ der Kasseler Firma Melawear.

In einer Pressemitteilung von Melawear, die mit der Schlagzeile „David gegen Goliath“ überschrieben ist, taucht das Wort Plagiat nicht auf. Es geht nicht um eine juristische Auseinandersetzung. Dazu sind die Ähnlichkeiten dann wohl doch nicht so auffällig. Trotzdem sind die Vorwürfe gegenüber dm schwerwiegend. So habe die Kette im Frühjahr als Wiederverkäufer Interesse an Produkten von Melawear bekundet. Die Nordhessen schickten probeweise Rucksäcke nach Karlsruhe. Wenig später wurden die Kasseler dann auf das Modell aufmerksam, das „Ansvar I“ so ähnlich sieht.

Konkurrenzprodukt von dm „existenzbedrohend“ für Firma aus Kassel

Siedentopp hat seine Firma 2014 gegründet. T-Shirts, Pullover, Kleider und Sneakers aus biologisch angebauter Fairtrade-Baumwolle werden europaweit von mehr als 250 Händlern angeboten. Die Firma mit Sitz in der Gottschalkstraße in der Nordstadt beschäftigt mittlerweile 22 Mitarbeiter, fast doppelt so viel wie noch vor drei Jahren. Doch so ein Konkurrenzprodukt könnte für seine Firma „existenzbedrohend“ sein.

Bei dm bedauert man, dass bei Melawear der Eindruck entstanden sei, beide Produkte würden Ähnlichkeiten aufweisen, wie Geschäftsführer Sebastian Bayer der HNA sagt: „Die aktuellen Trends in diesem Bereich zeigen, dass momentan viele Händler vergleichbare Artikel anbieten.“

Kassel: Melawear macht in sozialen Netzwerken auf „dm-Kopie“ aufmerksam

Für die Marke Pusblu, die den dm-Rucksack angefertigt hat, arbeite man mit einem Hersteller zusammen, der „in Bezug auf Mensch und Natur verantwortlich handelt“, wie Bayer versichert. Der Preisunterschied ergebe sich unter anderem aus der Tatsache, dass keine zertifizierte Bio-Baumwolle verwendet werde. Die mintgrüne Limited Edition werde nur noch in einzelnen Märkten verkauft.

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Melawear will trotzdem auf seinen Social-Media-Kanälen auf die „dm-Kopie“ aufmerksam machen, die für „fragwürdige Arbeitsbedingungen und Profitmaximierung“ stehe. Bei Instagram und Co. soll jeder unter dem Hashtag #dmDeinMela seine Meinung sagen. (Matthias Lohr)

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