Mensch und Maschine als Team

Wissenschaftler aus Kassel forschen zu Künstlicher Intelligenz: Maschine als Lerncoach für Schüler?

Mensch und Künstliche Intelligenz sollen Hand in Hand arbeiten: Ein Forschungsteam der Uni Kassel ist an einem Forschungsprojekt zur Gestaltung von KI-basierten Assistenzsystemen.
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Mensch und Künstliche Intelligenz sollen Hand in Hand arbeiten: Ein Forschungsteam der Uni Kassel ist an einem Forschungsprojekt zur Gestaltung von KI-basierten Assistenzsystemen.

Wie können Mensch und Maschine sich besser ergänzen? Dieser Frage geht ein Forschungsteam der Universitäten Kassel und Hamburg nach. Sie haben ein klares Ziel.

Kassel – Wenn Mensch und Maschine Hand in Hand arbeiten, kommt es manchmal zu Missverständnissen, was vom Gegenüber zu erwarten ist. Systeme, die auf Künstlicher Intelligenz (KI) basieren, würden von Menschen mitunter als soziale Akteure wahrgenommen. Das sagt Dr. Sarah Oeste-Reiß. Wer aber Empathie, Humor oder menschenähnliches Verhalten von KI-Systemen erwarte, müsse mit Enttäuschen rechnen.

Die Wissenschaftlerin der Universität Kassel arbeitet in einem neuen Forschungsprojekt daran, dass die Zusammenarbeit zwischen beiden Seiten möglichst reibungslos klappt.

Das Forschungsteam unter gemeinsamer Leitung von Oeste-Reiß und Prof. Dr. Eva Bittner (Universität Hamburg) untersucht, wie KI-basierte Systeme gestaltet sein müssen, damit sie vom Nutzer angenommen und ihre Möglichkeiten optimal ausgeschöpft werden. Dabei gehe es auch darum, dass die Technik bestmöglich vom Menschen lerne und umgekehrt, sagt die Kasseler Wirtschaftsinformatikerin.

Universität Kassel: Forschungsteam untersucht Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz, etwa in Form von Text-, Bild oder Spracherkennung, könne Menschen vor allem bei wissensintensiven Tätigkeiten unterstützen, sagt die 35-Jährige. Ein Beispiel, das die Forscher im Projekt genauer untersuchen wollen, ist ein digitaler Lerncoach. So ein System könne Schülern oder Studierenden bei der Prüfungsvorbereitung helfen, indem es individualisierte Vorschläge für Übungsaufgaben mache, Feedback gebe oder eine Lerngruppe wie eine Art Moderator begleite.

Aber auch beim Verfassen von Reparaturanleitungen für technische Geräte oder von Anforderungssammlungen für Softwareentwicklung könne KI die menschliche Arbeit erleichtern. Durch Rückmeldungen des Nutzers wird dabei die Arbeit der Maschine optimiert. Umgekehrt könnten sich dank der maschinellen Hilfe Menschen kreativen Aufgaben widmen, die ihre Intuition und ihr Erfahrungswissen erfordern – etwas, das die Maschine nicht bieten kann. Weitere Anwendungsszenarien für das Projekt sollen noch in Zusammenarbeit mit interessierten Unternehmen ausgewählt werden.

Forschungsteam aus Kassel: Künstliche Intelligenz sollen Menschen ersetzen, sondern ergänzen

Die passgenaue Gestaltung von KI-basierten Systemen fange immer mit einer guten Datenbasis an, erklärt Oeste-Reiß. Denn nur auf dieser Grundlage könne ein Assistenzsystem anwendergerechte Empfehlungen geben. Je besser die Daten im Fundus gelabelt (ausgezeichnet) sind, desto besser arbeitet nachher das System. Ebenso wichtig sei es, genau zu identifizieren, an welchen Stellen im Arbeitsprozess die KI Unterstützung bieten kann, die Ziele der Zusammenarbeit für Mensch und System zu definieren und das Wechselspiel beider Seiten detailliert zu modellieren.

Voraussetzung für eine fruchtbare Zusammenarbeit sei auch, dass das System nicht nur abstrakte Entscheidungs- oder Handlungsempfehlungen gebe, sondern der Nutzer diese auch nachvollziehen könne. Bei KI-Systemen bestehe auch die Gefahr eines „De-Skilling“ des Menschen, sprich: dass der Nutzer wichtiges Grundlagenwissen verliert und damit seine Urteilsfähigkeit bei der jeweiligen Arbeitsaufgabe riskiert. Das gelte es zu vermeiden. „Es geht um gegenseitige Ergänzung und nicht um Vollautomatisierung“, betont die Wissenschaftlerin. „Wichtig ist, dass ein mündiger Nutzer erhalten bleibt.“

Künstliche Intelligenz: Forschungsteam der Universität Kassel arbeitet an Prototypen für die Wissensarbeit

Im Verlauf des Projekts wollen die Wissenschaftlerinnen mit ihrem Team einen Katalog mit konkreten Anforderungen für die Gestaltung von KI-Systemen und einen Prototypen ausarbeiten, der dem Menschen bei Wissensarbeit zur Hand geht. (Katja Rudolph)

Mit 1,9 Millionen Euro vom Bund gefördert

Für das Projekt „Hybridisierung von menschlicher und künstlicher Intelligenz in der Wissensarbeit“ (HyMeKI) erhalten die Universitäten Kassel und Hamburg über vier Jahre insgesamt 1,9 Millionen Euro. 1,1 Millionen davon fließen nach Kassel, wo die Nachwuchsgruppe am Wissenschaftlichen Zentrum für Informationstechnik-Gestaltung (ITeG) angesiedelt ist. Das Projekt wird innerhalb der Richtlinie „Förderung von KI-Nachwuchswissenschaftlerinnen“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung finanziert. Dabei geht es um die Erforschung von KI-Fragestellungen durch Nachwuchsgruppen, die von Frauen geleitet werden. Bundesweit haben sich 19 Vorhaben qualifiziert. hymeki.de

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