Sorge um Zerfall 

250 Menschen demonstrierten in Kassel für Europa

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Am Samstagnachmittag zog sie als selbsternannte Miss Europa in der Kasseler Innenstadt die Blicke auf sich: Mathe Viehmann

Mit Bongotrommeln und Europaluftballons bewaffnet, kämpften am Samstag250 Menschen in der Kasseler Innenstadt für ihr Europa.

Die Demonstration fand aus Anlass der ersten Europäischen Bürgerbegegnung in Kassel statt, zu der Gäste aus acht EU-Ländern nach Kassel gereist waren. Eingeladen hatten Pulse of Europe Kassel und die Europa Union.

Bevor sich der Protestzug am Scheidemannplatz in Bewegung setzte, sollten die Teilnehmer musikalisch eingestimmt werden. Afrikanische Rhythmen machten deutlich, dass der Zusammenhalt der Nationen über die Grenzen des Kontinents hinaus gedacht wurde. Aber auch klassisches Liedgut der Friedensbewegung wie „Wir wollen Frieden für alle“ und „Sag mir wo die Blumen sind“ wurden intoniert – wenn auch manchmal schief, so doch zumindest authentisch. „Der gute Wille zählt“, meinte dann auch eine der Demonstrantinnen.

Überzeugte Europäer in Kassel

Angeführt von „Miss Europa“, die von Mathe Viehmann aus Kassel verkörpert wurde, zogen die überzeugten Europäer über den Königsplatz und dann zum Rathaus. Auf ihren Transparenten forderten sie etwa gleiche ökonomische Bedingungen für alle Bewohner der Erde. Dass die Realität anders aussieht, wurde bei den Redebeiträgen vor der Rathaustreppe deutlich. Dort sprach auch der Kabarettist Karl Garff, der anhand seiner persönlichen Kindheitserinnerungen für Europa warb.

Sie kämpfen für ein starkes Europa: Brigitte Pichon und Roland Holler aus der Kasseler Partnerstadt Mulhouse in Frankreich.

Auch Annette Lünzmann, Demonstrationsteilnehmerin aus Kassel, macht sich Sorgen um Europa. „Ich bin heute hier, weil Europa droht, auseinanderzubrechen. Viele Standards sind in Gefahr. Nationale Interessen geraten in den Vordergrund. Der Brexit ist nur ein Beispiel. Rechte Tendenzen gibt es nicht mehr nur in den osteuropäischen Ländern“, sagt Lünzmann.

Auch Roland Holler und Brigitte Pichon aus der Kasseler Partnerstadt Mulhouse in Frankreich waren nach Kassel gekommen. Auch sind besorgt. „Wir befürchten, dass bei den Europawahlen im nächsten Jahr in Frankreich die Rechten zu stark werden“, sagt Holler. Die Franzosen seien aktuell sehr kritisch gegenüber Präsident Macron. Europa müsse sich aber weiterentwickeln, sagt Pichon. Deshalb engagieren sich beide für den Mouvement Européen. Die Europäische Bewegung Frankreich setzt sich für ein föderales Europa ein.

Wirbt für Europa-Buch: Nadja Nolte.

Ein optimistisches Bild von Europa zeichnen junge Menschen mit ihrem Buchprojekt „Wohin mit Europa?“. Auf der Demonstration warben sie für das Buch, das im Selbstverlag erscheinen soll und in dem Europa vor allem als Lebensgefühl interpretiert wird. „Es geht um die Zukunft Europas aus Sicht junger Europäer“, beschreibt die Kasselerin Nadja Nolte, die bei dem Projekt mitwirkt. Derzeit sucht die Initiative über die Crowdfunding-Plattform Startnext noch Kapitalgeber.

Weil sich die Veranstaltung mit über zwei Stunden doch in die Länge zog, flüchteten viele Teilnehmer vorzeitig ins Warme. So kam Hans Eichel als Redner bedauerlicherweise erst zu Wort, als der Zuhörerkreis bereits um mehr als die Hälfte geschrumpft war.

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