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Menschenkette am Holländischen Platz zum Gedenken an die Kasseler Drogentoten

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Von: Amir Selim

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Eine Menschenkette für Drogentote: Um den Gedenkstein auf dem Holländischen Platz versammelten sich rund 30 Menschen in Andenken an Verstorbene.
Eine Menschenkette für Drogentote: Um den Gedenkstein auf dem Holländischen Platz versammelten sich rund 30 Menschen in Andenken an Verstorbene. © Amir Selim

Zum Drogengedenktag versammelten sich rund 30 Menschen am Holländischen Platz. Neben dem Gedenken wurde erneut gefordert, Drogen wie Heroin zu legalisieren.

Kassel – Seit letzten Sommer sind 22 Menschen in Kassel an den Folgen ihres Drogenkonsums gestorben. Die Dunkelziffer dürfte jedoch höher sein, sagt Ira Belzer von der Aids-Hilfe Kassel. Zum Gedenken der Toten versammelten sich zahlreiche Teilnehmer zu einer Menschenkette. Das jährlich stattfindende Treffen organisierte das Café Nautilus von der Drogenhilfe Nordhessen und der Verein JES Kassel (Junkies, Ehemalige und Substituierte). Dieses findet am Gedenkstein auf dem Holländischen Platz statt. Dort hängt eine Liste mit den Namen der gestorbenen 22 Drogentoten.

Für die Drogenabhängigen ist das Café Nautilus eine Anlaufstelle. Seit Anfang des Jahres gibt es am Café einen Spritzenautomaten. „Der Automat wird super angenommen“, berichtet Daniel Iske vom Café Nautilus. „Wir hatten zunächst nur ein Fach mit Nadeln geplant.“ Jetzt gebe es drei Fächer für kleine und zwei für lange Nadeln. „Offensichtlich hat es einen Bedarf gegeben“, sagt Iske. Gerade am Wochenende werde der Automat häufig genutzt. Er ist rund um die Uhr verfügbar. Die sauberen Nadeln tragen zudem zur Prävention von HIV und Hepatitis bei, sagt Belzer. „So was hätte ich mir vor 30 Jahren gewünscht“, sagt Ralf Menger, genannt Raffi, der bei JES Kassel aktiv ist.

Saubere Nadeln gibt es alternativ am Wochenende nur in Apotheken. Dort kosten sie auch mal zwei Euro das Stück, plus Gebühren wegen des Notdienstes. Viele Abhängige erleben dort eine Stigmatisierung. „Da wird man schon mal blöd angeguckt“, sagt Raffi. Roland Baur pflichtet bei: „Viele Abhängige fühlen sich wie Menschen zweiter oder dritter Kategorie.“

Die Qualität von Drogen wie Heroin sei schlecht – das sei das Problem der Abhängigen, sagt Raffi. „Ich habe damals 400 D-Mark für ein Gramm gezahlt“, sagt er. Heute kostet das Gramm 25 Euro. „Alles wird teurer, nur Heroin nicht“, kritisiert Raffi. Ein weiteres Problem sei, dass viele Abhängige zusätzlich zum Heroin auch Alkohol konsumieren. „Das ist eine problematische Mischung“, sagt Raffi. Diese Kombination gab es früher nicht so häufig unter den Drogenabhängigen.

Der Verein JES setzt sich für eine Legalisierung von Heroin und ähnlichen Drogen ein. „Prohibition tötet“ lautet der Slogan, der auch auf dem Gedenkstein auf dem Holländischen Platz zu lesen ist. Daniel Iske sagt: „Eine Legalisierung von harten Drogen ist für die nächsten Jahrzehnte sehr unwahrscheinlich.“ Die Vorteile einer Legalisierung von Drogen sieht er bei Cannabis in anderen Ländern, wie in Tschechien. Bei einem staatlich kontrollierten Verkauf wisse man, was drin ist. Das sei bei nicht-legalen Drogen anders. (Amir Selim)

Der Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher

Der internationale Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher findet seit 1998 jährlich am 21. Juli statt. Das Datum wurde gewählt, weil am 21. Juli 1994 der Drogengebraucher Ingo Marten in Gladbeck/NRW verstarb, für den eine Gedenkstätte installiert wurde.

Dieses Jahr ist das 25-jährige Jubiläum. Wegen des Jubiläums wurde diesmal eine Menschenkette gebildet. Dies machen Menschen deutschlandweit, berichtet Sabrina Mehrhoff von der Aids-Hilfe Kassel. Bei den Gedenkveranstaltungen werden Fotos von den Ketten gemacht. Anschließend erscheinen diese zusammengefügt im Magazin Drogenkurier, von Verein JES. (ams)

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