Umsatzprognosen der Kunden verbessert

Menschliche Korrektur macht die KI von Kasseler Daten-Spezialisten noch intelligenter

Tüfteln an Modellen zur Datenanalyse: Eoda-Experte Martin Schneider (links) mit einem Teamkollegen.
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Tüfteln an Modellen zur Datenanalyse: Eoda-Experte Martin Schneider (links) mit einem Teamkollegen.

Die Kasseler Firma Eoda ist auf die Analyse von Daten spezialisiert. Ihr Ziel: Das Potenzial des stetigen Datenflusses in Unternehmen zu erschließen.

Kassel – Wenn Unternehmen arbeiten, fallen Daten an: Maschinen dokumentieren ihre Produktion, Kunden hinterlassen Informationen wie Lieferadressen oder Bestellverläufe, und in Geschäftsberichten werden Kennzahlen zur wirtschaftlichen Lage eines Betriebes ermittelt. Um aus solchen Daten noch mehr rausholen zu können, gibt es Experten wie Martin Schneider. Der 38-Jährige ist Datenanalyst der Kasseler Firma Eoda. „Die meisten Daten kommen ohne konkretes Vorhaben raus“, sagt er. „Da kommen wir dann ins Spiel.“

Zwei Elemente braucht das Team von Eoda, um arbeiten zu können: Daten und eine Idee, welcher Mehrwert aus diesen Daten gezogen werden soll. „Manche Kunden haben Daten und nur eine grobe Idee, was sie damit machen wollen. In anderen Fällen gibt es Ideen, aber noch keinen passenden Daten – oder andersrum“, erklärt Schneider. Eoda arbeitet branchenübergreifend, die notwendige Expertise entsteht durch die enge Zusammenarbeit mit den Kunden. Dafür brauchen die knapp 50 Mitarbeiter, die im Science Park der Uni Kassel sitzen, Kreativität, Aufgeschlossenheit und Kommunikationsstärke, berichtet Marketingleiter Tobias Titze. Denn: Die Eoda-Lösungen nutzen Künstliche Intelligenz (KI), dafür brauche es in den Unternehmen eine gewisse Akzeptanz. „Wir bringen Mensch und KI an einen gemeinsamen Tisch“, sagt er.

Tobias Titze

Ein erfolgreiches Projekt hat Eoda zuletzt mit einem regionalen Partner, dem Solarspezialisten SMA, abgeschlossen. Die Aufgabe: SMA wollte seine Umsatzprognosen verbessern. Bisher wurden die Verkaufszahlen ausschließlich vom SMA-Vertriebsteam ermittelt und prognostiziert. „Unsere Modelle schließen den menschlichen Faktor aber nicht aus – im Gegenteil: Auch durch Rückmeldungen der Experten kann die KI aus Fehlern lernen und sich weiterentwickeln“, sagt Schneider. Die menschliche Spontanität und Kreativität könne keine KI einfach so ersetzen.

Das Ziel von Eoda ist es, das Potenzial des stetigen Datenflusses für die Unternehmen zu erschließen. Die Datenanalyse steigert in vielen Fällen die Effizienz und bringt genauere Prognosen zu Energieverbrauch, Logistikprozessen oder eben Umsätzen hervor – wie bei SMA. Eoda wurde mit einem sogenannten „Proof of Concept“ beauftragt – also dem Beweis, dass das Datenmodell funktioniert. Anhand historischer Umsatzdaten mehrerer Jahre entwickelte Eoda eine Prognose für ausgewählte Märkte und Produkte im Jahr 2020. Parallel dazu wurde die klassische Prognose der SMA-Fachleute erstellt. Das Ergebnis: Die Eoda-Prognose war in um bis zu 35 Prozent genauer als die SMA-Prognose.

Nur bei wenigen Datenkombinationen lag das Eoda-Modell daneben – weil untypische Zusatzinformationen, etwa zu Produktionsstopps, fehlten. „Die KI arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten und erschafft sich daraus eine eigene Vorstellung davon, wie die Welt ist“, erklärt Schneider. „Eine negative Rückmeldung zum Beispiel durch einen Menschen führt zu angepassten Wahrscheinlichkeiten und letztlich zu einer besseren Prognose.“ Mehr Daten führen also zu mehr Intelligenz der KI. Im nächsten Schritt soll das Modell auf das gesamte SMA-Portfolio ausgedehnt werden, Mensch und KI noch enger und effizienter zusammenarbeiten.

Von Gregory Dauber

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