Superkonjunktur für Nutzfahreuge

Mercedes-Benz-Achsenwerk arbeitet am Anschlag

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Läuft seit 2011 nahezu ununterbrochen auf Hochtouren: Die Produktion im Mercedes-Benz-Achsenwerk in Kassel. Unser Archiv-Foto zeigt Mitarbeiter Mathias Hinz bei der Montage einer Hinterachse.

Kassel. Das neue Jahr hat für das Mercedes-Benz-Achsenwerk in Kassel begonnen, wie das alte geendet ist: mit Vollauslastung, Mehrarbeit, Sonder- und Wochenendschichten.

„Wir haben in allen drei Bereichen – Lkw, Van und Pkw – volle Auftragsbücher und prüfen jede Option, den Ausstoß weiter zu erhöhen“, erklärte Werkleiter Professor Dr. Frank Lehman gestern im Anschluss an eine Betriebsversammlung. Es war seine erste in dieser Funktion.

Wie berichtet, hatte der 56-jährige promovierte Maschinenbauer die Leitung des Standorts im Januar von dessen langjährigem Vorgänger Ludwig Pauss übernommen, der in den Ruhestand wechselte. Gleichzeitig kündigte Lehmann hohe Millioneninvestitionen in neue Kapazitäten in allen Segmenten an. Über den Umfang sei noch nicht abschließend entschieden. Details werde er erst im Jahresverlauf nennen.

„Wir arbeiten am Anschlag“, erklärte Betriebsratsvorsitzender Dieter Seidel. Zusätzliche Schichten seien in Planung. Außerdem würden 35 befristete Stellen in feste gewandelt, ebenso viele Zeitarbeiter würden in temporäre Arbeitsverhältnisse übernommen, und entsprechend viele neue Zeitarbeiter angefordert. Nach Seidels Einschätzung wird diese personelle Aufstockung aber nicht ausreichen, das absehbare Arbeitspensum zu bewältigen. „Die Belastungen müssen beherrschbar bleiben“, warnte er.

Werkleiter Lehmann will weitere Stellen allerdings davon abhängig machen, ob sich die aktuelle Entwicklung verstetigt. Das Werk beschäftigt einschließlich Leihkräften rund 3100 Mitarbeiter

Grund für die hohe Nachfrage nach Lkw-, Bus-, Transporter-, Geländewagen- und Van-Achsen sowie nach Radsätzen und anderen Antriebskomponenten „Made in Kassel“ ist die weltweit hervorragende Nutzfahrzeugkonjunktur, vor allem in Europa und Nordamerika. In den USA kommt noch eine neue, für Käufer günstigere Abschreibungsregelung im Rahmen der Trump-Steuerreform hinzu, die die Verkaufszahlen zusätzlich nach oben treibt. Außerdem hat vor allem Marktführer Freightliner – neben Western Star die zweite US-Lkw-Tochter von Mercedes-Benz – in den vergangenen Jahren erhebliche Marktanteilsgewinne realisieren können. Beide Hersteller beziehen in erheblichem Umfang Radsätze aus Kassel.

Des weiteren profitiert das Werk als weltweites Kompetenzzentrum des Daimler-Konzerns für Lkw-Achsen von einem Technologiewechsel bei Baustellenfahrzeugen, die meist drei oder vier Achsen haben. Dadurch verlagerten sich Produktionsvolumina vom Schwesterwerk Gaggenau nach Kassel.

Dass Kassel heute so gut dasteht, ist aber auch das Resultat eines langen Umbauprozesses. Der Standort ist innovativ und hocheffizient und liefert eine gleichbleibend hohe Qualität. „Unsere Partner – die Fahrzeug-bauenden Werke im Konzern – können sich auch künftig auf unsere Liefertreue verlassen“, betonte Lehmann. Und Seidel ließ keinen Zweifel daran, dass die Belieferung unserer Partner sichergestellt ist.“

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