Auch für Mittwoch sind Streiks geplant

Warnstreiks bei der IG Metall in Kassel: Harter Tarifstreit erwartet 

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Entschlossen: Etwa 700 Mercedes-Benz-Werker demonstrierten Dienstag in Kassel für mehr Lohn sowie einen Anspruch auf individuelle Arbeitszeitverkürzung und das Recht auf Rückkehr auf eine volle Stelle.

Kassel. Die IG Metall mobilisiert ihre Mitglieder. In der aktuellen Tarifauseinandersetzung fordert die Gewerkschaft mehr Lohn und den individuellen Anspruch auf Arbeitszeitreduzierung.

Mit großen Transparenten und roten Fahnen, lauten Trillerpfeifen, Ratschen und Sirenen zogen am Dienstagmorgen etwa 700 Mercedes-Benz-Werker vors Fabriktor. Am Abend wiederholte sich das Schauspiel am Mercedesplatz. Kämpferisch und lautstark verliehen die Beschäftigten ihrer Forderung nach sechs Prozent mehr Lohn Nachdruck.

IG Metall fordert Anspruch auf Arbeitszeitverkürzung

Was diesen Arbeitskampf deutlich von denen vorangegangener Tarifauseinandersetzungen unterscheidet, ist allerdings die zweite Forderung, nämlich nach einem individuellen Anspruch auf eine auf zwei Jahre befristete Arbeitszeitverkürzung auf 28 Wochenstunden und das Recht auf Rückkehr auf eine volle Stelle – und das bei einem Teillohnausgleich, etwa für Arbeitnehmer, die die zusätzliche Freizeit für die Kindererziehung oder die Pflege Angehöriger nutzen sowie für besonders belastete Schichtarbeiter. Für Arbeitgeber ein rotes Tuch und insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen ein arbeitsorganisatorischer Kraftakt.

Die Fronten sind verhärtet, und Gewerkschafter vergleichen den jetzigen Streit bereits mit dem bislang härtesten Arbeitskampf in der bunderepublikanischen Tarifgeschichte, als die IG Metall 1984 nach sechseinhalb Streikwochen in Folge die 35-Stunde-Woche durchsetzte.

So ließ der IG-Metall-Chef in Nordhessen, Oliver Dietzel, auch keinen Zweifel an der Kampfbereitschaft und am Durchhaltevermögen der Arbeitnehmer in dieser Frage aufkommen. „Wenn wir fest zusammenstehen, werden wir diese Auseinandersetzung gewinnen“, rief er den Daimler-Werkern zu. Das Angebot der Arbeitgeber – zwei Prozent mehr Lohn und eine Einmalzahlung von 200 Euro – bezeichnete er als „Provokation“. Angesichts voller Auftragsbücher und sprudelnder Gewinne seit die Zeit „reif für sechs Prozent“. Und die Komplettverweigerung der Arbeitgeber in der Frage der Arbeitszeitverkürzung sei nicht völlig inakzeptabel.

Betriebsratsvorsitzender Dieter Seidel erklärte, dass die geforderte Arbeitszeitreduzierung „längst überfällig“ sei. Die Beschäftigten müssten die Möglichkeit erhalten, für Kindererziehung und Pflege beruflich zeiutlich befrsitet kürzerzutreten, ohne in die „Teilzeitfalle“ zu tappen, aus der es derzeit vielfach kein Entrinnen mehr gebe.

Der Betriebsratsvorsitzende des Volkswagen-Werks Kassel in Baunatal, Carsten Bätzold, forderte ein „ordentliches Stück vom Kuchen“. Die Unternehmen verdienten sich derzeit „dumm und dusselig“, da seien sechs Prozent mehr Lohn mehr als gerechtfertigt. VW hat einen Haustarifvertrag und handelt diesen separat aus. Dabei orientieren sich die Tarifpartner an den Forderungen der IG Metall.

Forderungen der Arbeitgeber nach mehr Flexibilität der Beschäftigten bezeichneten Bätzold und Dietzel als Hohn. Deutschland habe das flexibelste Arbeitszeitgesetz europaweit, sagten sie unter Hinweis auf die unzähligen Schichtmodelle und den Rund-um-die-Uhr-Betrieb einschließlich der Wochenenden und vieler Feiertage in vielen den großen Unternehmen.

Streiks auch am Mittwoch

Am Mittwoch gehen die Beschäftigten von Rheinmetall und Bombardier sowie von fünf weiteren Betrieben des Werk Mittelfelds und von KMW auf die Straße. Daher kommt es in Kassel auf der Holländischen Straße stadteinwärts zwischen 9.30 und 10.30 Uhr zu Verkehrbehinderungen. Autofahrer sollten diesen Bereich meiden. Bestreikt werden heute auch Phoenix in Volkmarsen, Essex in Bad Arolsen und Hasenclever in Battenberg.

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