Vorhang auf für die E-Achse

Mercedes-Benz-Achsenwerk weiht neue Produktion ein

Im Mercedes-Benz-Werk Kassel ist die Fertigung der E-Achse für den Elektro-Actros angelaufen. Betriebsratsvorsitzender Jörg Lorz (vorne links) und der Standortverantwortliche Frank Lehmann enthüllten sie. Im Hintergrund: (von links) Projektleiter Philipp Sondermann, Oberbürgermeister Christian Geselle, Daimler-Truck-Vorstand Andreas Gorbach, Yaris Pürsin, Leiter der globalen Antriebskomponenten-Produktion und Gesamtprojektleiter Sebastian Haudek.
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Die Neue wird gefeiert: Im Mercedes-Benz-Werk Kassel ist die Fertigung der E-Achse für den Elektro-Actros angelaufen. Betriebsratsvorsitzender Jörg Lorz (vorne links) und der Standortverantwortliche Frank Lehmann enthüllten sie. Im Hintergrund: (von links) Projektleiter Philipp Sondermann, Oberbürgermeister Christian Geselle, Daimler-Truck-Vorstand Andreas Gorbach, Yaris Pürsin, Leiter der globalen Antriebskomponenten-Produktion und Gesamtprojektleiter Sebastian Haudek.

Die große Belegschaftsfeier fiel aus: Anfang Oktober hatte im Mercedes-Benz-Werk in Kassel die Produktion der E-Achse für den Elektro-Actros begonnen, die offizielle Einweihung gab es pandemiebedingt nun nur im kleinen Kreis und per Livestream.

Kassel. Ganz ohne Inszenierung sollte es trotzdem nicht abgehen, und so stiegen Andreas Gorbach, Technologievorstand der Daimler Truck AG und Yaris Pürsin, Leiter der globalen Produktion von Antriebskomponenten der verselbstständigten Konzerntochter, in der Werkshalle aus dem Führerhaus des E-Actros. Sie hatten ihn selbst von Wörth nach Kassel gefahren.

Rund drei Jahre war eine kleine Flotte des für den Verteilerverkehr konzipierten Lkw im Praxistest unterwegs. Den Anlauf der Serienfertigung nennen Frank Lehmann, Standortverantwortlicher des Kasseler Werks, und Betriebsratschef Jörg Lorz einen Meilenstein für den nordhessischen Standort. Bereits 2018 waren dort die Weichen für den Einstieg in die E-Mobilität gestellt worden. „Es ist gut, dass dieses Fundament gelegt worden ist“, sagt Lorz. Thomas Twork, Standortverantwortlicher des Werks Gaggenau, sprach in seinem Video-Grußwort von einem „Coup aus Kassel“ – der inzwischen auch in dem baden-württembergischen Standort angekommen sei. Die Werke Gaggenau, Kassel und Mannheim bilden ein Produktionsnetzwerk für Antriebssysteme bei Daimler Truck und werden auf E-Mobilität ausgerichtet.

Denn wie die Konkurrenz mustern auch die Stuttgarter den Diesel aus. Für kürzere und mittlere Strecken setzen sie auf batteriebetriebene E-Lastwagen, für die Langstrecke auf die von Wasserstoff gespeiste Brennstoffzelle.

Das Kasseler Werk liefert mit der E-Achse ein Herzstück Fahrzeuge – der Motor ist in die Achse integriert. Die kompakte Konstruktion sei ein „extrem anspruchsvolle Aufgabe“ gewesen, sagt der Gesamtprojektleiter E-Achse, Sebastian Haudek. Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle sprach von „Technologieführerschaft made in Kassel“.

Die Entwicklungsarbeit der rund 60 Ingenieure öffnet dem Kasseler Werk nicht nur beim aktuellen E-Actros neue Möglichkeiten: Etwa 2024 soll der E-Actros LongHaul für den Fernverkehr folgen, sagte Gorbach am Rande der Veranstaltung. Bisher hat der E-Actros eine Reichweite von 200 bis 300 Kilometern. Zudem sei eine Sattelzugversion geplant. Ab 2027 will der Konzern seinen ersten Serien-Lkw mit wasserstoffbasierter Brennstoffzelle auf den Markt bringen. Auch für diese Fahrzeuge sollen die Achsen aus Kassel kommen. Für das kommende Jahr rechnet Gorbach jedoch erst einmal mit dreistelligen Stückzahlen für den E-Actros.

Das Kasseler Mercedes-Benz-Werk fertigt mit knapp 2900 Beschäftigten durchschnittlich etwa 500 000 Nutzfahrzeugachsen im Jahr sowie Radsätze, Gelenkwellen und Hinterachsen-Ausgleichsgetriebe.

Von Barbara Will

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