Daimler-Werk auf neuen Pfaden

Mercedes-Benz-Beschäftigte lernen mit smarten Brillen 

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Futuristisch: Anlagenführer Matthias Herwig hat Zeitarbeiter bereits mit Hilfe der neuen Technik geschult. Nach seiner Erfahrung ergänzen die Datenbrillen die herkömmlichen Trainingsmethoden. Unser Foto zeigt ihn in der Fertigung von Achsgetrieben mit Differenzial (Achsmittentrieb) für die V-Klasse und den Vito. Fotos: Koch/nh

Kassel. Das Mercedes-Benz-Achsenwerk in Kassel geht bei der Schulung neuer Mitarbeiter beziehungsweise erfahrener Beschäftigter bei der Einführung neuer Produkte innovative Wege.

Neben dem Training mittels persönlicher Ansprache und Laptop-Präsentationen bedient sich das Werk seit kurzem auch der Vorzüge so genannter Smartglasses. Das sind Datenbrillen, die visuelle Informationen ins Sichtfeld des Benutzers projizieren, ohne dabei den Blick auf die Realität zu verstellen.

Im konkreten Fall laufen vor dem Auge des Benutzers kleine Videos, die jeden Handgriff des betreffenden Arbeitsschritts aus der Ich-Perspektive in Bild und Ton beschreiben. Der Mitarbeiter braucht lediglich der Anleitung zu folgen, um die einzelnen Schritte zu verinnerlichen. „Man sieht genau, was welche Hand wie machen muss“, erklärt Werkleiter Ludwig Pauss.

Frank Witzel, der das Projekt als Ansprechpartner für Produktionslernsysteme begleitet, zeigt einen weiteren Vorteil der neuen Trainingsmethode auf: „Die Schulung findet direkt an Maschine und Komponente statt. Das hat Praxisbezug und ist somit sehr viel anschaulicher als die Arbeit im Schulungsraum.

Bislang befindet sich das Datenbrillen-Projekt in den Mercedes-Benz-Werken Mannheim (Motoren), Gaggenau (Getriebe) und Kassel in der Pilotphase. Diese drei Standorte bilden die Einheit Antriebsstrang für Lkw, Busse, Geländewagen, Transporter und Vans. Kassel ist aber schon weiter als die anderen Werke. Denn die Smartglasses-Technik wird hier demnächst zum Standard erhoben. Eine entsprechende Vereinbarung mit dem Betriebsrat gibt es nach Angaben von Pauss auch schon. Nach und nach soll diese neuartige Lernmethode auf alle Bereich übertragen werden, vor allem auch, wenn es um komplexe Produktionsschritte geht. „Das gilt insbesondere für alle neuen Achsgenerationen“, sagt Pauss.

Die konzernweite Produktionsstätte für Lkw-, Geländewagen-, Transporter- und Van-Achsen beschäftigt fast 3100 Mitarbeiter. Neben Achsen fertigt das Werk Gelenkwellen, Ausgleichsgetriebe und Radsätze sowie Komponenten für Mercedes-Benz-Pkw. Abnehmer sind Fahrzeug-bauende Werke in der ganzen Welt. Der Standort arbeitet seit Jahren an der Kapazitätsgrenze. Um die anhaltend hohe Nachfrage nach Bauteilen aus Kassel zu befriedigen, läuft die Produktion an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr. 2015 erzielte der Standort mit 567.000 Achsen einen Produktionsrekord. Im vergangenen Jahr sank der Ausstoß infolge schwächelnder Märkte in Amerika sowie in der Türkei auf 540.000 Achsen, was immer noch ein Spitzenwert ist. In diesem Jahr soll eine ähnlich hohe Zahl von den Bändern laufen. Daimler hatte den einstigen Henschel-Standort 1964 teilweise und sechs Jahre später ganz übernommen.

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