Werk Mittelfeld

Mercedes-Benz-Standort Kassel sitzt auf vollen Auftragsbüchern

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Gut zu tun: Die Auftragslage im Mercedes-Achsenwerk ist sehr gut. Unser Foto entstand in der Hinterachsmontage.

Kassel. Ende vergangenen Jahres musste das Daimler-Werk in Kassel einen kleine Auftragsdelle verdauen. Das ist Schnee von gestern. Es brummt wieder am Standort Mittelfeld.

Ludwig Pauss

Das Lkw-Achsenwerk von Mercedes-Benz in Kassel hat die kleine Auftragsdelle im vierten Quartal 2016 überwunden und will 2017 an die guten Ergebnisse der vergangenen Jahre anknüpfen. Demnach plant Kassels größter Industriebetrieb den Ausstoß von rund 540 000 Achsen – so viele wie im vergangenen Jahr. Das teilte Werkleiter Ludwig Pauss in der Betriebsversammlung am Dienstag mit.

Dass sich das Geschäft wieder belebt hat, ist auf die erstarkte Lkw-Konjunktur in Nordamerika, eine kräftige Belebung des lange Zeit schwachen brasilianischen Marktes sowie auf einen anziehenden Absatz in Russland zurückzuführen. Ende vergangenen Jahres hatte sich die Lkw-Konjunktur etwas eingetrübt, woraufhin 50 Verträge mit Zeitarbeitern nicht verlängert wurden. Davon wurden und werden 20 wieder zurückgeholt, sodass deren Gesamtzahl auf 168 steigt. Das Werk beschäftigt nahezu 3100 Mitarbeiter. „In Summe ist alles gut“, kommentierte Pauss die aktuelle Lage.

Dieter Seidel

Betriebsratvorsitzender Dieter Seidel bezeichnete die Beschäftigungslage als so sicher, dass Mitte des Jahres auslaufenden Zeitarbeitsverträge aller Voraussicht nach verlängert werden könnten. „Die Lage stimmt optimistisch“, sagte Seidel. In diesem Zusammenhang hätte er sich gewünscht, dass man Ende des vergangenen Jahres zumindest einen Teil der 50 nicht verlängerten Leitharbeiter an Bord gehalten hätte. Der Wegfall der Achsen für den VW-Transporter Crafter, den Daimler viele Jahre für den Wolfsburger Konkurrenten gebaut hat, wird durch die insgesamt bessere Auftragslage im Van-, Lkw- und Geländewagenbereich komplett kompensiert. Wie berichtet, baut Volkswagen den aktuellen Crafter selbst.

Sorgen bereitet Seidel allerdings das Effizienzprogramm „Stream“, mit dem der Daimler-Konzern die Fixkosten in der Truck-Sparte senken will. Gespart werden soll im Verwaltungsbetreich. Seidel warnte davor, durch Übereifer die Funktionsfähigkeit des Standorts zu gefährden. Pauss betonte, dass die Fixkosten gesenkt werden müssten. Dies müsse aber mit Vernunft und Verstand geschehen. Außerdem forderte Seidel, dass die Achsen für künftige Elektrotransporter aus Kassel kommen müssen. Schließlich sitze dort die Kompetenz. Der Werkleiter betonte, dass dies bereits vorbereitet werde.

Vor einer Woche bereits haben sieben Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Irak ein sogenanntes Brückenpraktikum im Achsenwerk begonnen. Neben täglichem Deutschunterricht werden 16 Wochen lang praktische Kenntnisse in der Industrieproduktion vermittelt. Das Praktikum soll den Teilnehmern eine Brücke in den deutschen Arbeitsmarkt bauen.

Der Mercedes-Benz-Standort in Kassel ist das weltweite Leitwerk für Lkw-, Bus-, Transporter-, Van- und Geländewagenachsen sowie für Gelenkwellen und Ausgleichsgetriebe. Außerdem werden Radsätze und Pkw-Komponenten produziert.

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