Investition festigt Standort Kassel

Mercedes-Achswerk: Aufbau einer komplett neuen Fertigungslinie zum 50.

+
Präsentieren Modelle von Hinterachsgetrieben für den Actros und in blau einen Transporter (von links): der Leiter der mechanischen Fertigung, Sönke Scheffer, der Leiter des Kompetenzzentrums, Henning Rimbach, Werkleiter Professor Dr. Frank Lehmann und Werker Alih Aksan mit einem Antriebskegelrad für den Actros.

Kassel. Das Kasseler Mercedes-Benz-Achsenwerk wird eine neue Fertigungslinie aufbauen - passend zum 50. Jahrestag des Einstiegs des Stuttgarter Daimler-Konzerns bei den damaligen Hanomag-Henschel-Fahrzeugwerken.

Auf der neuen Fertigungslinie sollen jährlich 100.000 Hinterachsgetriebe für PS-starke Fahrzeuge der C-, E- und S-Klasse hergestellt werden.

Das ist sozusagen der Ritterschlag in Sachen Zahnradfertigung. Denn je genauer diese Bauteile gearbeitet sind, desto weniger Fahrgeräusche erzeugen sie und desto weniger Treibstoff verbraucht das Fahrzeug. Bei der weitgehend automatisierten, großindustriellen Herstellung der Radsätze geht es um Genauigkeiten von Tausendsteln Millimetern und damit um Toleranzen, die einem Zehntel eines menschlichen Haars entsprechen.

40 Millionen Euro investiert

40 Millionen Euro kostet die neue Fertigungs- und Montagelinie, in der ab 2020 etwa 40 neue Jobs entstehen werden. Die Investition festigt zugleich den Standort Kassel, der zu den kleinsten, aber auch zu den rentabelsten Werken im gesamten Daimler-Konzern gehört. Insgesamt sollen hier in den kommenden beiden Jahren 160 Millionen Euro investiert werden.

Dass es im Werk Kassel seit dem Ende der Wirtschaftskrise von 2009/2010 derart gut läuft, hat nach Ansicht von Werkleiter Professor Dr. Frank Lehmann mit der „Motivation und Leidenschaft der Mannschaft zu tun, die alles gibt, damit die Kunden bekommen, was sie wollen“. Was der 57-jährige Maschinenbauer, der zu Jahresanfang auf dessen langjährigen Vorgänger Ludwig Pauss folgte, meint, ist die unverändert hohe Schlagzahl, die das Werk seit Jahren fährt. Geschafft wird im Drei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche. „Wie arbeiten am Limit“, sagt der Werkleiter und lobt sein Team.

So plant das Werk in diesem Jahr erneut mit etwa 540.000 kompletten Achsen, die in fahrzeugbauenden Konzernwerken rund um den Erdball verbaut werden. Und die schätzen nicht nur die Kasseler Qualität und Innovationen, sondern auch deren sprichwörtliche Liefertreue. Was hier bestellt wird, wird auch fristgerecht geliefert.

Kassel ist nicht umsonst weltweites Leitwerk für Achsen und Achsgetriebe, für Radsätze und Gelenkwellen für schwere und mittelschwere Lkw, Stadt- und Fernbusse, Transporter, Vans, SUV und Pkw und punktet regelmäßig mit neuen Produkten, Prozessen und Fertigungsverfahren.

Und die Kasseler halten das Henschel-Erbe hoch. 1925 begann hier der Lkw-Bau. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem das Werk vollständig zerstört wurde, starteten die verbliebenen Henschelaner mit der Reparatur von Loks und Bussen neu. Erst 1949 durften sie wieder die Produktion aufnehmen. 1964 fiel die Sparte an den Rheinstahl-Konzern, der vier Jahre später mit Daimler das Gemeinschaftsunternehmen Hanomag-Henschel gründete.

1970 übernahm Daimler den Lkw-Bauer ganz, stellte zehn Jahre später die Fahrzeug-Produktion ein und das Unternehmen auf die Fertigung von Antriebskomponenten um. Insgesamt wurden in Kassel 110.000 Lkw der Marke Henschel sowie 50.000 der Marke Mercedes-Benz hergestellt.

Von José Pinto

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.