Insolvenzverfahren der Firma Knauf eröffnet – 72 Arbeitsplätze fallen weg

Messebauer ist am Ende

Pleite nach 80 Jahren: Das Insolvenzverfahren des Messebauers Knauf ist Ende November eröffnet worden. Das Unternehmen in Fuldabrück wird im Januar geschlossen. Archivfoto: Zgoll

Kassel. Nach 80 Jahren ist Schluss: Das Insolvenzverfahren des Messebauers Knauf ist Ende November eröffnet worden. Das bestätigte Insolvenzverwalter Simon Braun (Kanzlei Brinkmann und Partner) auf Anfrage der HNA. Über 70 Mitarbeiter, die Anfang Oktober noch bei Knauf beschäftigt waren, werden ihren Arbeitsplatz verlieren.

Bis Ende November sei den Beschäftigten (Innenarchitekten, Grafiker, Maschinenbauer, Handwerker und Montageteams arbeiteten für das Unternehmen) Insolvenzgeld bezahlt worden. Die Hälfte der Mitarbeiter sei mittlerweile freigestellt, etwa 30 Personen arbeiteten derzeit noch am Standort im Industriepark Fuldabrück, sagt Braun. „Die werden aus der Insolvenzmasse bezahlt.“ Es würden noch letzte Aufträge abgearbeitet. Zudem muss das Eigentum des Unternehmens (Fuhr- und Maschinenpark) noch zu Geld gemacht werden. Das Gebäude im Industriegebiet gehöre nicht zur Insolvenzmasse, sagt Braun.

Im Oktober, als das Insolvenzverfahren beantragt worden war, hatte Braun noch gehofft, den Messebauer retten zu können, indem er einen Käufer findet. „Mit der Sanierungslösung hat es leider nicht geklappt“, sagt der Insolvenzverwalter. Ein Interessent, der einen nennenswerten Mitarbeiterstamm habe übernehmen wollen, sei kurz vor der Übernahme abgesprungen.

Start mit Reklame-Atelier

Im August 1933 hatte der inzwischen verstorbene Firmengründer Hermann Knauf in Kassel ein Reklame-Atelier eröffnet. Er beschriftete Autos mit Werbung, entwickelte Reklameschriften und dekorierte Schaufenster. Nach dem Krieg entwickelte sich Knauf zu einem großen Werbeunternehmen. Anfang der 1960er-Jahre stiegen die Kasseler ins aufblühende internationale Messebau-Geschäft ein, wo sie einem Netzwerk von Messebauern angehörten, die ein einheitliches Modulsystem für den Aufbau von Ständen in der ganzen Welt verwenden.

Aus Platzmangel wurde der Firmensitz von Knauf Kassel zunächst nach Fuldatal-Ihringshausen, im Jahr 2000 dann in das Gewerbegebiet Fuldabrück verlagert. Zu Knaufs Kunden zählten Industrieadressen wie B. Braun, Shell, Wintershall und Volkswagen.

Vor einigen Jahren erschloss das Familienunternehmen, das zuletzt in dritter Generation geführt wurde, mit Museumseinrichtungen ein weiteres Geschäftsfeld.

Kenner der Szene sehen in diesem neuen Geschäftsfeld einen Grund, warum das Familienunternehmen in Schieflage geraten ist.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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